Trauma stärker als gedacht / Angst vor Rückfall

      Trauma stärker als gedacht / Angst vor Rückfall

      Hallo hier bin ich wieder.

      Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich hoffe ich verstosse gegen keine Regeln, mit dem was ich hier schreibe, aber es fällt mir schwer auch nur die Regeln zu lesen, da ich momentan in sehr labiler Verfassung bin.

      Bald 2.5 Jahre bin ich clean. Es lief alles sehr gut. Ich konnte mir nicht einmal vorstellen mich zu rtzn. Zu stark das Ekelgefühl, mir ging es gut, ich war frei, mein Leben im Griff.

      Vor ca 3 Monaten fing es an. Die erste Angst. Der Ekel war weg. Viele Tränen, viel Zweifel, ein langes Gespräch mit meiner Psychiaterin. Danach normalisierte es sich wieder. Abgesehen vom fehlenden Ekelgefühl hatte sich ja nichts geändert.

      Danach gestern, der 18. Geburtstag einer Freundin aus dem Verein. Die Familie war auch da. Diashow. 18 Glückliche Jahre. Ich kam ins Grübeln, wo war ich mit 18. An meinem 18. wurde ich aus der Jugendpsychiatrie entlassen. Es folgten schlimme Wochen, wenn nicht sogar die schlimmsten. *Erster Zusammenbruch* ein paar Tränen, eine Freundin muntert mich ein bisschen auf. Es sind viele gute Personen hier. Ich kann mich ablenken.

      Später am Abend. Eine Bekannte fragt mich, wie es bei mir mit der Beantragung des Lehrfahrausweis lief (es gibt da viele Konditionen, wenn man mal stationär war). Sie war in der gleichen Jugendpsychiatrie wie ich. Wir reden lange. Über Isolation, Medikamente, dem Ausgeliefert sein. Ich rede sonst nie über so etwas. Und schon gar nicht im rl. Wir beide hatten bei unseren Aufenthälten ein Trauma erfahren.

      Heute Morgen. Gespräch mit meiner Mutter. Ich erzählte ihr von dem Mädchen. Seine Mutter konnte sie aus der Klinik rausboxen. Meine nicht. Sie weint. auch bei ihr sitzt das Erlebte noch tief. Wir reden ein bisschen. Ich lenke das Thema weg.

      Jetzt denke ich darüber nach was wäre wenn. Vor ein paar Wochen stiess ich auf ein altes klngnversteck in meinem Zimmer. Ich habe es nicht entsogt. Ich habe auch Ausreden, einen Plan. Wieso mein Kopf das zusammengesponnen hat weiss ich nicht, denn es geht mir mittlerweile eigentlich gut in meinem Leben.

      Mehr als 2 Jahre clean. Ich weiss nicht, wie ich das weiterhin schaffen kann, aber ich habe Angst vor den Konsequenzen, wenn ich es nicht schaffe.

      Ich habe niemanden zum reden. Ich möchte meine beste Freundin nicht belasten, und schon gar nicht meine Familie. Es würden wieder Massnahmen nötig sein, vielleicht sogar ein Klinikaufenthalt. Es würde alles kaputt machen. Ich müsste meine Ausbildung abbrechen. Gerade jetzt, wo mich meine Mitschüler trotz der Narben als "normal" erkannt haben. Würde ich nicht standhalten, wäre ich wieder diejenige mit den Problemen, mit einer Extrabehandlung. Expositioniert.

      Ich weiss nicht, wieso es so schwer ist. Es gibt tausend Gründe es nicht zu tun und keinen einzigen es tun.


      Es tut mir leid, dass ich mich hier so rauskotze. Ihr müsst nicht antworten. Aber ich würde mich vielleicht freuen.


      Einen schönen Abend

      Noëlle
      "I am who I am, take it or leave it,
      A rebel at heart,
      No gods, no masters,
      My time has come."

      Arch Enemy
      Hallo Noëlle,

      das erste was mir dazu einfällt ist das solche Zeiten mit einem gewissen Rückfall Risiko jeden treffen können, deswegen bist du nicht schwach oder sonstwas.
      Wichtig finde ich das man solche Zeiten erkennt und sich in diesen Zeiten besonders gut um sich kümmert.
      Und den ersten Schritt hast du ja schon getan, du hast hier geschrieben und dir eingestanden das du irgendwie mit jemandem reden möchtest :)

      Wenn ich das richtig verstehe gäbe es bei einem Rückfall Konsequenzen die du nicht bereit bist zu tragen.
      Dann denke ich das es jetzt Zeit wird dort gezielt gegenzusteuern.
      Du sprichst von Maßnahmen, das klingt für mich sehr negativ.
      Gibt es da nicht vielleicht noch andere Lösungen die in Betracht kommen könnten? Möglichkeiten wie deine Familie/Freunde dich unterstützen können damit es dir wieder besser geht?
      Meiner Erfahrung nach ist es für Freunde/Familie am schwersten wenn sie nicht wissen was los ist und irgendwann die unangenehme "Überraschung" kommt.
      Falls du möchtest kannst ja einfach mal für dich überlegen wie so ein Plan aussehen könnte. Was du brauchen würdest damit du selbst dafür sorgen kannst das es dir wieder gut geht.
      Mir hilft das immer sehr. :)

      Hast du bei deiner Psychiaterin regelmäßig Termine? Kannst du oder hast du mit ihr darüber geredet?


      Du hast zwar die alleinige Verantwortung für dein Leben, aber niemand sagt das du alles alleine tragen musst.
      Es ist völlig in Ordnung sich einzugestehen das man sich nicht gut fühlt, das man mit jemandem reden möchte.

      Du benutzt das Wort Extrabehandlung. Eine Extrabehandlung besteht für mich darin das jemand etwas mehr bekommt als andere obwohl es dafür keinen Grund gibt.
      Wenn du erkennst das es dir momentan nicht gut geht und du eventuell Unterstützung brauchst ist das für mich keine Extrabehandlung. Das würde ich als verantwortungsvollen Umgang mit sich selbst sehen.

      Mach dich nicht dafür fertig das du Probleme hast. Gib dir eher selbst eine Umarmung und arbeite daran das es dir wieder besser geht :)


      Das sind jetzt erstmal nur ein paar aufmunternde Worte.

      Ich wünsche dir alles Gute
      "I cannot contribute anything to this world because I only have one method: agony."
      Emil Cioran, On the Heights of Despair
      Danke Dezember für deine Worte

      Meine Gedanken sind noch immer am drehen. Ich dachte nicht, dass, wenn es zurück kommt, es direkt so intensiv zurück kommt.
      Nächste Woche habe ich einen Termin bei ihr. Ich hoffe ich halte so lange durch, vielleicht bekomme ich noch einen Notfalltermin, aber erst mal abwarten.

      Ich möchte nicht mit meiner Familie reden. Mein Vater versteht es sowieso nicht und meine Mutter macht sich nur Selbstvorwürfe. Sie denkt sie wär Schuld an alle dem. Wenn sie eingeweit wären, würde sich nur alles verkomplizieren...

      Und eine Extrabehandlung, selbst wenn sie gerechtfertigt wäre, könnte ich mir nicht leisten. Ein Mitschüler, der krank war, der wurde gespickt, und ich hatte selbst nur auf Grund meiner Vorbildung und meiner guten Noten die Stelle bekommen.

      lg
      "I am who I am, take it or leave it,
      A rebel at heart,
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      My time has come."

      Arch Enemy
      Hallo Noëlle,

      auch ich gehöre zu den Leuten, denen ein KJP-Aufenthalt mehr geschadet als geholfen hat, meine Eltern haben mich erst nach einigen Wochen unter Androhung der Patientenanwaltschaft wieder "freibekommen".

      Hast du danach positive Erfahrungen mit stationären Einrichtungen gemacht? Vielleicht könnte es dir helfen, daran zu denken, wenn die Erinnerungen an die schlimme Zeit hochkommen. Falls nicht, sind vielleicht auch bei dem traumatisierenden Aufenthalt schöne/lustige Dinge passiert? Ich habe zB. damals mit einer Mitpatientin ein total witziges Plakat gemalt, das ich noch immer habe und so etwas kann helfen, sich daran zu erinnern, dass nicht alles scheiße war.

      Worauf ich hinauswill ist: Ich habe allgemein im Bezug auf traumatische Erfahrungen die Erfahrung gemacht, dass es hilfreich sein kann, zu überlegen, inwiefern sie mein Leben positiv beeinflusst haben und mich gestärkt haben. Das klingt im ersten Augenblick vielleicht absurd, aber mir hilft so etwas ungemein. Ändern kann ich es ja nicht mehr, aber es hat mich definitiv zu einem stärkeren Menschen gemacht und ich habe Leute getroffen, die ich sonst vielleicht nie getroffen hätte. Und seit ich das so sehen kann, habe ich bis zu einem gewissen Grad so etwas wie inneren Frieden damit geschlossen. Die Erinnerungen sind zwar noch da, es macht mich immer noch traurig und wütend wie es damals gelaufen ist, aber ich habe nicht mehr das Gefühl, dass mich die Erinnerungen verfolgen und belasten (bis auf einige wenige Ausnahmesituationen).

      Vielleicht kannst du ja etwas damit anfangen.

      Liebe Grüße
      wild_angel
      If everything seems to be going against you,
      remember that the aeroplane takes off against the wind,
      not with it...
      (Henry Ford)

      ~~~~~~~~
      Ich versuche nach den Sternen zu greifen, doch das Universum expandiert....
      Hallo Noëlle,

      Dann kannst du zumindest daraus etwas positives ziehen, für ein eventuelles nächstes mal bist du ab jetzt besser gewappnet. :)

      Du hältst das mit Sicherheit bis zum nächsten Termin aus, ob nun nächste Woche oder früher. Nicht aufgeben :)

      Die Situation mit deiner Familie macht die Sache natürlich schwieriger, aber bei weitem nicht unmöglich. Das unter den Bedingungen nicht mit ihnen reden möchtest kann ich verstehen. Vielleicht findet sich auch da irgendwann ein guter Kompromis. :)
      Wie sieht das mit der erwähnten Freundin aus? Wäre das eine Option über die du nachdenken könntest?
      Falls nicht ist das natürlich auch in Ordnung.

      Eine "Extrabehandlung" muss ja nicht unbedingt in der Schule/Arbeit etc stattfinden, du kannst dir die auch einfach selbst geben.
      Nimm dir etwas mehr Zeit für dich, geh vorsichtiger mit dir um als sonst. Setz dich nicht zu sehr unter Druck falls irgendwas momentan mal nicht gleich funktioniert.

      Oder kurz: behandle dich selbst extra-gut in solchen Zeiten.

      Viel Erfolg für die kommende Woche/Zeit

      Viele Grüße
      "I cannot contribute anything to this world because I only have one method: agony."
      Emil Cioran, On the Heights of Despair
      Danke für die lieben Antworten

      Ich habe in zirka einer Stunde eine Telefonische Sitzung mit meiner Ärztin. Ich hoffe wir finden eine passende Lösung...

      und positives aus der PSJ? Nichts! Nein, rein gar nichts. Ich bin mir sicher, Häftlinge im Gefängnis werden mit mehr Würde behandelt. Von den meisten anderen Kindern ganz zu schweigen (wenn ich die überhaupt einmal gesehen habe). Mir wurde damals abgeraten, eine Anzeige zu machen. Die oben erwähnte Bekannte allerdings, hat es gemacht und kam keinen Millimeter weit damit. Die Klinik zwei Jahre später war zum Glück kein Vergleich, da hat man mit den Patienten gearbeitet und nicht einfach weggesperrt/zugedröhnt. Bin dort auch zur (vermeintlich vollständigen) Genesung freiwillig geblieben.

      liebe Grüsse
      "I am who I am, take it or leave it,
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      Arch Enemy
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