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  • »FullMoonlight07« ist weiblich
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Beiträge: 76

Wohnort: bergisches Land

Beruf: Arzthelferin

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1

Montag, 11. Februar 2008, 17:43

Grrrr.. Amtsarzt

Hi,


muss mich jetzt mal auch etwas ablassen. Heute ist mir wieder ziemlich die Hutschnur geplatzt. Ich hatte einen Termin bei einem Amtsarzt/Gutachter/wie auch immer. Der sollte meine Arbeitsfähigkeit feststellen. Auch die letzten Jahre war ich immer schon bei ihm und er hat mich immer weiter krankgeschrieben wegen u.a. Borderline. Bei der letzten Begutachtung vor 2 Jahren hat er mich schon geschockt, als er meinte, ich solle/könne doch vorläufig Rente beantragen (mit 26 damals!!), aber das wollte ich nicht.

Heute konnte er das sogar noch toppen, als er nach 5 min Gespräch meinte, ich solle doch einen Schwerbehindertenausweis beantragen, 80 % bekäme ich mindestens durch. Denn chronisch kranken werde es in Zukunft immer schwerer gemacht. Der Tip ansich war ja noch nett gemeint, glaub ich, aber ich wollte mich gegen die Idee wehren, einen SchwBeAusw zu beantragen. Ich will nicht so krank sein, dass ich sowas brauche!! Das ist doch übertrieben von ihm, dachte ich mir. Doch er machte noch weiter.
Ich solle jetzt erstmal zu einer weiteren Begutachtung wieder kommen, dann beim Amtspsychiater. Ok, dachte ich mir, das Spiel kennst du auch schon. Auch soweit noch in Ordnung. Aber dann meinte der Arzt, dass er sich nicht vorstellen kann, dass ich jemals wieder sozialversicherungspflichtig arbeiten gehen können werde, also nix mehr mit 8 Std und ganz normalem Tag. Vielleicht höchstens noch so 1 Euro Jobs.
Danke!!!! So deutlich wollte ich es nicht vor den Kopf geknallt bekommen, dass ich doch kränker bin, als ich es mir immer denke.
Und vor allem finde ich das so hart, ich habe diesen Menschen jetzt in meinem Leben vielleicht 6x gesehen, das längste Gespräch hat wahrscheinlich 20 min gedauert, und er maßt sich an, solche Urteile zu fällen. Klar, er ist ein Gutachter, er weiß, wovon er redet. Und sonderlich günstig ist meine Prognose wahrscheinlich auch nicht. Aber muss der so deutlich sein? Ich hab mich gefühlt, als hätte er mir mal locker eine verpasst einfach so.
Habt ihr vielleicht auch ähnliche Erfahrungen gemacht? Mit Gutachtern oder Ärzten oder so?
Ich musste das jetzt einfach mal loswerden, das hat mich vorhin doch sehr aufgeregt und auch jetzt nagt das noch an mir.

LG
Moonlight
Stabil instabil 8)

Persephone

unregistriert

2

Montag, 11. Februar 2008, 18:03

Hi,

Oh ja, das kenn ich auch...
aber ich würd es nicht so wichtig nehmen, der kennt dich doch kaum, und die meisten Amtsärzte sind doch froh, wenn sie dich irgendwie kategorisieren und abharken können.
Und so wie ich dich verstanden hab war das ja auch kein Pschiater, sondern ein normaler Arzt. Ich war ma beim Arbeitsamt bei ner Begutachtung, und den einzigen Psychiatrischen Begriff den die Ärztin kannte waren Depressionen. Echt, die hatte keine Ahnung von Borderline oder so, die hat mich nur gefragt:" da r*tzt man sich doch?" Und das war ihr ernst, da hab ich mir echt nur an den Kopf gefasst. Und der Typ vom Arbeitsamt, wo dann besprochen werden sollte, was ich denn machen kann/nicht kann meinte dann auch nur:"nicht arbeitsfähig, beantragen sie Grundsicherung und nen Behindertenausweis" Und das wars.
Naja, wollt dir nur sagen, du bist nicht allein, aber sih darüber aufzuregen nützt wohl nichts, am besten versuchen, ganz gelassen zu bleiben und nur glauben, was einem Leute sagen die einen länger als nen paar Monate kennen. Ich kann da inzwischen schon manchmal drüber lachen.

LG, persephone

3

Montag, 11. Februar 2008, 18:52

Hallo.

Also ich weiß ja nicht, aus welchen Gründen ihr da letztlich hingegangen seid, meiner Erfahrung macht man das, wenn man wirklich etwas braucht.
Und meiner Meinung nach kann man, wenn man meint man selbst _sei_ arbeitsfähig, doch auch den Schritt wagen arbeiten zu gehen. Oder überhaupt erstmal eine Ausbildung zu beginnen.
Man lässt sich für eine gewisse Zeit einen Stempel aufdrücken, ok. Aber wenn dieser Stempel nicht (mehr) zutrifft, zwingt einen doch niemand ernsthaft ihn zu behalten, oder irre ich mich da so sehr?

Allein, dass einem gesagt wird, was man tun könnte, heißt nicht, dass man verdammt ist. Und sich einreden zu lassen nie im Leben arbeiten gehen zu können, ist auch nicht produktiv, wenn man selbst das _Ziel_ hat wieder (oder überhaupt) arbeiten gehen zu können.

Derzeit habe ich auch so ein Gutachten, weil es einfach die Dinge _jetzt_ erleichtert hat. Es gilt vorerst für einen bestimmten Zeitraum. Es liegt doch schließlich an mir wo ich hinwill und wo ich dann ankommen kann.
Die tun ihren verqueren Job und man führt sein verqueres Leben.


Wenn ich jedem glauben würde, der mir etwas über die Zukunft meines Lebens sagt, würde ich jetzt wahrscheinlich in der großen Firma dieser Region sitzen und in einer Halle hocken, ohne annähernd dem nachkommen zu können, was ICH will. Aber eingeschränkt kann ich das, eben weil ich nicht auf Menschen höre, die mir sagen: Mehr schaffst du doch eh nicht.

Sind jetzt meine, vielleicht etwas abgeschweiften Gedanken dazu.
Gruß, k.


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Persephone

unregistriert

4

Montag, 11. Februar 2008, 20:27

Ja, dass was du schreibst, Klirr, denke ich auch, ich hab meine Beitrag quasi "zynisch" (nennt man das so?) gemeint, weil ich auch denke, die "Fachleute" sagen viel, und man soll sich davonnicht fertigmachenlassen, sondern es mit (schwarzem) Humor nehmen.
Diese ganzen "stempel" können ja eh, wenn überhaupt, nur eine Momentaufnahme sein, niemand kann sagen, wie es einem in einem Jahr oder auch in einem Monat geht.
Ich denke, man sollte die Beurteilungen der ganzen Gutachter/"Fachleute" einfach so sehen, dass sie für irgendwelchen behördlichen/finanziellen/bürokratischen Sachen notwendig sind, dass sie aber niemals einen Menschen beschreiben/beurteilen, denn ein Mensch besteht aus viel mehr als einer/mehreren diagnosen, und ein Arzt interesiert sich nunmal nur für die "kranken"seiten.

Naja, aber ich glaub, das ist eher eine grundsatzdiskusion und hat nichtmehr soviel mit dem Thema dieses Threads zu tun.

LG, Persephone

regentropfen

unregistriert

5

Montag, 11. Februar 2008, 20:27

@ FullMoonlight07

Es ist hart, soetwas von seinem Arzt und Gutachter gesagt zu bekommen. Das verletzt. - Ich denke, dass du dich selbst aber am besten kennst, und ich würde mir an deiner Stelle die ehrliche Frage stellen: Wie sieht es aus mit mir? Bin ich in der Lage zu arbeiten? Will ich es nicht vielleicht doch probieren? Oder geht es gar nicht?

Was ich sagen will, ist, dass du nicht an den Worten zu verzweifeln brauchst, sondern du vielleicht selbst etwas tun kannst. Vielleicht.

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6

Montag, 11. Februar 2008, 21:11

Hey, danke für eure Antworten....


Mein Problem mit der ganzen Sache ist ein anderes. Vor 2 Jahren hat mir dieser Arzt gesagt, ich solle überlegen, ob ich vielleicht Rente beantrage. Das war wie gesagt schon heftig. Dann höre ich von meiner Therapeutin so Sachen wie "bei Ihrem Krankheitsbild bekommen wir die nächsten Therapiestunden locker durch" ,meine Psychiaterin will mir noch eine weitere Diagnose anhängen und heute dann das. So langsam sickert bei mir durch, dass ich es nicht mehr schaffen kann, wieder in meinen Beruf (Arzthelferin) zurück zu kommen. Und dass ich kräftiger einen an der Murmel habe, als mir lieb sein kann. Gleichzeitig kommen dann so Fragen auf wie : wenn ich so krank bin und es bisher anscheinend nicht wahrhaben wollte, wie lange und wie heftig soll dann die weitere Therapie noch werden? Man wird irgendwie demoralisiert durch sowas. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich mir einen Stempel aufdrücken lasse oder nicht.


Moonlight
Stabil instabil 8)

Persephone

unregistriert

7

Montag, 11. Februar 2008, 21:28

Vielleicht solltest du nicht so stark darauf hören was Ärzte und Therapeuten sagen. Du bleibst doch derselbe Mensch, egal was für Diagnosen du hast. Du wirst doch nicht kränker, weil ein Arzt sagt du hast dasunddas und nen anderer sagt was anderes.
Ärzte müssen nunmal Diagnosen stellen, damit die thera bewilligt wird oder sonstwas. Aber versuch doch, sie einfach als was zu sehen, was für die Akten notwendig ist. Du veränderst dich doch durch Diagnosen nicht. Ob du nun eine hast oder 10, du bleibst du.
Es ist nunmal so, dass praktisch jeder Pschiater andere Diagnosen stellet, gerade bei Borderline werden oft noch so viele andere gestellt.
Steck doch deine Energie nichtsosehr in das über Diagnosen nachdenken und wie "krank" dich Ärzte/Theras einschätzen, sondern konzentriere dich auf das "gesunde" in dir. Du hast doch bestimmt noch ganz viele anderen seiten als deine "Krankheiten". Ärzte schauen nunmal (fast) nur auf die Kranken, dazu sind sie ja da.
Was sagen denn Freundinnen/Bekannte/familie... zu dir? Finden si dich plötzlich "verrückter", nur weil du ne neue Diagnose hast?

Und wenn du diese ganzen Diagnosen und Aussprüche so niederschmetternd findest, dann sag deine Ärzten/Theras doch, dass du darüber nichtmehr sprechen willst, sondern das du über DICH sprechen willst und nicht über irgendwelche Schemata, in die sie dich hineinstecken wollen. Natürlich ist es niederschmetternd, wenn man sich immer wieder bewusst macht, wie "krank" man ist, deswegen meine ich ja, versuche auch deine Stärken, deine Gesunden seioten zu sehen.
Und eigentlich sollte eine Therapeutin, gerade eine Therapeutin dir auch helfen, dich auf die gesunden Seiten zu konzentrieren, denn gerade das ist stabilisierend, und du komst viel besser mit deinen Problemen klar, wenn du auch weißt, was du gut kannst und dadurch wieder mehr Selbstachtunghast.

Tut mir leid, wenn das jetzt etwas verwirrend/durcheinander geraten ist, ich will dich auch nicht "belehren" oder so, aber vielleicht kannst du mit dem geschriebenen ja ein bischen was anfangen und es gibt dir nochmal ne andere Sichtweise.

LG, persephone

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8

Mittwoch, 13. Februar 2008, 17:01

Hi,


ich denke, dass ich vielleicht einfach missverstanden werde.
Natürlich werde ich nicht wegen Aussagen anderer kränker. Aber mir wird zu deutlich vor Augen gehalten, WIE krank ich bereits BIN. Und das kann ich mir in dem Ausmaß eben nicht vorstellen. Und darum hat es mich auch so aus der Bahn geworfen, von diesem Arzt so eine Prognose gestellt zu bekommen. Ich habe mich mit Leuten verglichen, die schwer körperlich behindert sind und auf Hilfe angewiesen sind und kaum noch was alleine geregelt bekommen. Die auch diesen Ausweis haben. Leute, die körperlich krank sind und weniger % haben und fürchterlich leiden. Und dann schätzt mich so ein Arzt auf 80%, obwohl ich laufen, hören, sehen kann. Ich kann keine 3 Std. arbeiten, ich kann momentan nicht viel anderes als antriebslos herum zu hängen und dagegen anzugehen (es zumindest zu versuchen), aber trotzdem bin ich noch besser dran, als manch anderer. Ich bin also gar nicht so krank. Oder eben halt doch? Wenn man mir das von verschiedenen Stellen immer wieder so sagt?
Und meine Thera hat davon auch nicht als Thema gesprochen, es war bei ihr nur mal ein Nebensatz.
Ich habs nicht als "Belehrung" aufgefasst, aber ich komme mir halt etwas so vor, als würde ich die ganze Zeit was anderes schreiben oder es einfach falsch rüberkommen. Vielleicht konnte ich meine Gedanken/Gefühle diesmal logischer erklären.

LG
Moonlight
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Persephone

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9

Mittwoch, 13. Februar 2008, 17:30

Hi,

vielleicht ist es auch einfach eine Frage der Sichtweise. Vielleicht ist das Beispiel nicht ganz stimmig, aber nen besseres fällt mir nicht ein. ZB Menschen mit dem Down-Syndrom, die gelten als schwerbehindert, es dürfen bei Föten, wo es festgestellet wird sogear Spätabtreibungen vorgenommen werden, und trotzdem sind viele Kinder und auch erwachsenen mit dieser Behinderung relativ glücklich. Wer schonmal Kinder mit Down-Syndrom erlebt hat, die sind oft so liebevoll, so fröhlich. natürlich haben sie auch große Probleme, können meist keine normale Schule besuchen und ihr Lebne ist einfach "anders" als das von nicht-Behinderten Menschen.
Aber was ich damit sagen will, ist halt, das Ärzte halt die "Kranke" Seite des Menschen sehen. Und das mag ja auch alles (vielleicht) stimmen, was die Ärzte zu dir sagen usw. Aber es gibt ja in dir noch mehr. Du hast diese Krankheit/Behinderung. Und du hast auch große Einschränkungen. Aber du hast ja auch noch andere Seiten, die die Ärzte, gerade Amtsärzte, nicht so wahrnehmen/interesieren, weil sie halt Gutachten oder so über die Krankheit schreiben (müssen). Diese anderen Seiten sehen dann vielleicht eher Freunde, Bekannte, manchmal auch Familie. (Und dann kann es sein, dass Jemand fragt "wieso arbeitest du nicht, du bist doch garnicht so krank..." -und dann weiß man selbst garnichtmehr, was denn nun stimmt.)

Naja, ich will dir auch nichts einreden, aber ich finde das thema sehr interesant und es beschäftigt mich selbst auch schon sehr lange. deswegen nimm meine Wort nicht als Kritik oder so an dir, es sind halt einfach mal meine Gedanken. Und Gedanken sind immer subjektiv, jeder hat da seine Sichtweise und seine "Wahrheit".

LG, persephone

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10

Mittwoch, 13. Februar 2008, 18:19

Hey,


dein Beispiel ist schon stimmig. Ich habe es ähnlich gemeint, nur anders geschrieben ;). Und auch da gibt es wieder zig Betrachtungsweisen. Bei diesen Menschen sieht man, dass sie glücklich sind, das stimmt.

Was du noch geschrieben hast mit den Verwandten oder Freunden, das erlebe ich so häufig. Erst am Montag hat mich mein Stiefgroßvater wieder "doof angemacht", ich wäre doch so eine gesunde junge Frau, die in der Klinik würden mich nur verrückt machen. Da kam ich gerade von diesem Amtsarzt und hätte ihm durch das Telefon an den Hals gehen können. Das ist einer von denen, die es nicht kapieren. Und wo dann bei mir eben Zweifel aufkommen, wie ich so unterschiedlich wirken kann. Genau wie du es beschrieben hat, dass man eben gar nichts mehr weiß, was nun richtig ist. Meine Freunde wissen, dass ich "ne Macke habe", aber sie machen da nicht soo ne Riesen-Geschichte draus. Sie fragen, wie es mir geht oder was sich so verändert usw, aber ich erzähle ihnen auch nicht so viel. Ich hätte zwar nicht die Angst, dass sie mich vielleicht nicht verstehen, aber trotzdem will ich sie damit nicht belasten. Ich könnte es jedoch, das weiß ich. Da bin ich also nicht die Bordi-Freundin, sondern ich. Aber es fällt mir eben auch im Umgang mit ihnen immer wieder auf, dass ich eben anders bin. Und das führt dann eben manchmal zu ziemlichem Frust.

LG
Moonlight
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