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Montag, 20. Oktober 2008, 23:20

emotional distanzieren/selbstschutz

hallöchen,

ich wende mich mal mit einem problem ans forum, was mir seit einiger zeit mehr oder weniger im magen liegt - das problem der emotionalen distanz aus selbstschutz bei sehr engen/wichtigen freunden.

es gibt nur wenige menschen, die ich als freunde bezeichne, zusammengrechnet an einer hand abzuzählen - alle anderen fallen in die sparten "gute bekannte", "evtl. freunde in spe", "frühere freunde mit jetzt eher lockerer bindung" oder "weggeh-leute", u.ä.
für die wenigen, die ich freunde nenne, tue ich jedoch einiges - in letzter zeit wohl zu viel. damit meine ich keine materiellen werte (die sind mir in soweit egal, als ich ein auge auf mein konto habe) sondern meinen "emotionalen einsatz" - ich leide unheimlich mit, wenn es jemandem schlecht geht, ich versuche zu trösten und aufzufangen, wo ich nur kann, und, wohl am "schlimmsten": ich stelle mich absolut hintenan.

möchte jemand anderes etwas von mir, wenn es mir schlecht geht, dann lehne ich ab, kann nein sagen, mir etwas gutes tun - geht es um freunde, lasse ich sofort alles stehen und liegen und kümmere mich kein bisschen mehr um meinen gesundheits- oder gemütszustand.

letzte woche ging dies absolut zu weit - ich habe fünf tage kaum geschlafen, freitag lag ich dann mit migräne und fieber im bett, weil mein körper anscheinend keinen ausweg mehr sah, und samstag kam dann ein kleiner ausbruch, inklusive weinen und dem satz eines freundes "du zerstörst dich gerade selber". meine antwort war: "aber wenigstens für andere."
dass das nicht gut ist und so nicht weitergehen kann, _sehe ich, aber ich _schaffe die emotionale distanz nicht - meine güte, die leute sind alles für mich, meine familie, meine vertrauten, meine herzensmenschen.. wie kann ich mich da emotional distanzieren, ohne der freundschaft ihre intensivität oder wärme zu nehmen? (ich möchte auch auf keinen fall, dass diese menschen denken, ich hätte sie weniger gern, denn dem ist nicht so.)

und trotzdem - wie kann ich auf _mich achten?
(denn dadurch begebe ich mich auch in die rolle der "stärkeren", und merke, dass ich das im moment nicht bin, nicht sein kann und auch nicht sein sollte - mir fehlt aber langsam das gespür dafür, wie ich _mich öffnen kann, mich mitteilen kann, weil ich einfach zu viel gebe.)
klar, ich tu trotzdem dinge wie mir zeit nehmen für mich, zeichnen, lange baden, schreiben usw. usf., aber ich brauche da mal tipps zum thema selbstschutz. gerne auch tritte, ich bin da für alles offen : )

vielen dank,
grüße,
kontra.

Torah! Torah! Torah!

Schlachtruf der Kamikaze-Rabbis


don't tell me what i can't do.
because to live boldly is the proof that you're living life to its full extent.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Kontrajunkie« (20. Oktober 2008, 23:21)


Angel_OF_Hope

unregistriert

2

Dienstag, 21. Oktober 2008, 07:14

Hallo kontra :)

Erstmal find ich es cht lieb v von dir das du so für deine Freunde da bist =)
Aber du hast gemerkt wie riskant das einem selbst gegenüber werden kann.....
Das einzigste was mir dazu einfällt das du deinen Freunden mal sagst das du die nächsten Wochen mal keine Zeit oder wehniger als sonst hast. Das ne gewisse Distans erstmal sinnvoller für dich ist, das du Emotional etwas Abstand bekommst. Dabei solltest du dir bewusst machen das dies keine aussage dafür ist das du den kontackt oder sonstiges abbrechen würdest oder sonst was-..... Is wie Urlaub für deoine Körper, Seele und für dich :)
Freunden helfen ja, schön und gut, aber man sollte nicht vergessen sich auch selbst zu schützen.....
Also mein ratschlag ist, einfach mal für ein oder zwei Wochen abstand zu gewinnen das du lernst dich nicht selbst zu übersehen.....

lg
Angel ;)

catelila

unregistriert

3

Dienstag, 21. Oktober 2008, 08:51

liebe k.,

wie wäre es denn, wenn du diesen engen freunden - wenn es dir gut geht - das ganze mal erklärst? du damit schon vorarbeit leistest, damit du, wenn es dir schlecht geht, nicht mehr diesen "ich muss das aber rechtfertigen oder erklären, wenn ich mich zurückziehe"-druck hast, sondern dich wirklich zurückziehen kannst.
weisst du, es gibt ja immer kompromisse oder mittelwege. vielleicht kannst du sagen, dass du grad zeit für dich brauchst, dass du aber, wenn wirklich wirklich die hütte brennt, du natürlich trotzdem da bist. vielleicht ist das dann auch für deine freunde einfacher zu verstehen. also dass du nicht ganz "weg" bist, sondern erstmal einfach weniger verfügbar.

ich war mal in einer ähnlichen situation, und mir hat es damals geholfen, das ganze dann aus der fremdperspektive zu sehen. also nach dem motto "es sind meine freunde. _ich bin ihnen auch wichtig. wenn ich an ihrer stelle wäre, wäre es mir dann lieber, ein mensch, der mir wichtig ist, macht sich für mich kaputt, oder wäre es mir lieber dass es dem menschen, der mir wichtig ist, gut geht?"
es sind deine freunde, k.. sie wollen dich nicht kaputtmachen. also rede mit ihnen. ohne erklärung zurückziehen wär vielleicht schwer verständlich für sie, aber mit erklärung sollte das doch gehen.

vielleicht hilft es ja auch, wenn du das ganze mal auf lange sicht in gedanken durchspielst? von beiden seiten aus.
also, wie: du platzt irgendwann, oder brichst zusammen, bist auf jeden fall erstmal gar nicht verfügbar.
und deine freunde, die denken vielleicht "oh weh, warum hat sie denn nichts gesagt, ich hätte sie nicht so belasten sollen".
du schreibst, du willst den freundschaften nicht ihre wärme nehmen - ich finde, mit gut formulierter ehrlichkeit erreicht man auf lange sicht mehr wärme (weil man authentisch ist und seine grenzen setzt) als wenn man sich zurückstellt bis es nicht mehr geht, und dann beide seiten erst verdattert und dann unsicher sind, wenn der aus-/zusammenbruch kommt.

ansonsten sind es wohl eher die praktischen sachen wie dass du bei icq etc. unsichtbar bist, damit _du entscheiden kannst mit wem du reden möchtest und für wen oder was deine kraft reicht, oder dass du einfach mal das handy ausstellst oder sowas. ich weiss nicht, wie nah die freunde bei dir wohnen, aber vielleicht kannst du auch ein bisschen emotionale distanz reinbringen, wenn du von z.b. telefon oder icq zum mailschreiben übergehst. dann prallen die gefühle des anderen nicht direkt rein und verlangen eine sofortige reaktion, sondern du hast alles schön verpackt in ner mail, du kannst darauf antworten wenn du dich danach fühlst und bist trotzdem am leben der menschen beteiligt. vielleicht wäre sowas oder variationen davon ja umsetzbar für dich.

edit: eben noch eingefallen: ich weiss nicht, wie das bei dir ist, ob du bei leuten nachfragst und ihnen hilfe anbietest, oder ob sie aktiv zu dir kommen. falls es ersteres ist: lass das. wenn es dir gut geht, ist das sicher ok, aber wenn sie nicht wirklich sagen "k., bitte hilf mir", dann mach das nicht von dir aus wenn dir das eigentlich zu viel ist. somit hättest du mehr "ruhe" und deine freunde würden lernen, mehr verantwortung für sich zu übernehmen. falls es denn so ist.

küsschen,
s.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »catelila« (21. Oktober 2008, 08:57)


4

Dienstag, 21. Oktober 2008, 10:02

Hallo liebe K,

wie du weißt bastel ich sehr gerne an Begrifflichkeiten herum, die ein wenig den Schwerpunkt verschieben.

Brauchst du denn wirklich emotionale _Distanz_? Das Wort Distanz vermittelt mir genau das, was du oben auch geschrieben hast: fehlende Wärme in der nicht mehr ganz so intensiven Freundschaft.
Selbstschutz? Das klingt auch nicht gerade danach, als ob es sich um freundschaftliche Beziehungen handelt.
Natürlich sind das die Begriffe, die man oft so mitbekommt, aber ich finde sie auch genauso oft völlig deplaziert.

Es geht hier ja gar nicht um Distanz, auch nicht um wirkliche Abgrenzung. Es geht ja viel mehr darum einen gesunden Mittelweg zu lernen. Auf mich wirkt es so, als würde es enge Freundschaften _nur_ mit Aufopferung geben. Aber du bist ein genauso warmer und herzlicher Mensch, wenn du dich für andere nicht kaputt machst. Du sagst, du hättest Angst, dass sie denken, dass du sie weniger gern hast, wenn du weniger tust. Aber wie catella auch schon schrieb, würden deine Herzensmenschen (!) sicher genausowenig wollen, dass du für sie kaputt gehst.

Denn eine Freundschaft basiert darauf, dass man sich gegenseitig etwas gibt und auch gegenseitig etwas ein"fordern" kann. Aber Freundschaften funktionieren nicht, wenn die eine Seite denkt, dass sie stärker sein muss und alles - das Leben der anderen und dein eigenes - zusammenhalten muss.
Du denkst vielmehr es geht Wärme verloren, wenn du dich zurücknimmst. Ich würde behaupten, dass mehr Wärme verloren geht, wenn du genau so weitermachst und stark sein möchtest für andere, denn es könnte schnell passieren, dass du eine ganz andere Position in der Beziehung einnimmst, als die einer Freundin, nämlich die einer Beschützerin.

Ich finde es geht nicht darum, wie du dich emotional distanzierst, denn dass du fühlst und wie du fühlst, macht dich als Menschen aus. Es geht wohl vielmehr darum zu lernen mit diesem Gefühl umzugehen und anders darauf zu reagieren, als mit dem völligen Vergessen der eigenen Resourcen.

Naja, ich habe also keinen praktisch umsetzbaren Ratschlag an der Hand, aber vielleicht hilft dir diese Sichtweise ja auch ein wenig.

Liebe Grüße,
i.


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5

Dienstag, 21. Oktober 2008, 11:27

Na ja die Wärme muss nicht unbedingt fehlen. Du musst dich einfach von deren Problemen abgrenzen. Ihr seid alt genug (denke ich mal) um auf euch selber auzupassen.
Es klingt hart, aber da muss man einfach kalt sein, sonst zieht es einen runter. Das habe ich in der Klinik auch gelernt, fand ich anfangs total gemein und kalt, rücksichtslos, aber dann habe ich gemerkt, dass es wirklich etwas bringt. Du darsft kein MitLEID haben, nur MitGEFÜHL. Jeder muss für sich selber sorgen und vor allem du, da du nervlich schon so am Ende bist. Du musst lernen sagen zu können: ''Ich kann dir jetzt nicht helfen, ich komme selber gerade nicht klar.'' Ich weiß nicht ob du das alleine schaffst, hast du Therapie?
Denn ich hasse die Frau im Spiegel!



Manche Menschen bleibt alles Schwere erspart. Sie kennen keine Enttäuschung, keine Angst, kein Leid. Sie sterben auch nicht. Sie verdorren wie Früchte, die bei der Ernte vergessen werden.

6

Dienstag, 21. Oktober 2008, 13:40

hallo ihr lieben,

danke für die antworten.

@ angel of hope: ich möchte gerne zeit mit meinen freunden verbringen - ich sehe sie eh nur an den wochenenden, da ich im moment quasi "pendel". ich wohne an meinem studienort, unter der woche, und bin am wochenende in meiner heimat. dort sind ein großteil der leute, die ich als freunde bezeichne - diese begrenzte zeit möchte und werde ich nutzen, denn räumlichen und zeitlichen abstand habe ich, meiner meinung nach, genug.
es geht hierbei ja nicht um zeit für mich - die habe ich und nehme ich mir, sondern darum, mir "nicht alles so zu herzen zu nehmen", nicht an der traurigkeit anderer zu verzweifeln, so wichtig sie mir auch sein mögen.

@ lila: wir haben ja vorhin noch kurz über icq gesprochen, dazu noch: meistens spreche ich die leute drauf an, ob sie hilfe brauchen. das tue ich wie gesagt nur bei dieser begrenzten zahl leute (denke ich), und meist nur dann, wenn ich merke: aha, da liegt was im argen, aber es fällt dem anderen schwer, da einen anfang zu finden, o.ä. es geht meinen freunden da oft ähnlich wie mir - wie hole ich hilfe, wie bitte ich darum? meine beste freundin zB. hat da ein großes problem und beißt sich manchmal lieber die zunge ab. ich möchte auch zeigen: ich sehe deine not, ich nehme dich ernst, du kannst zu mir kommen. damit nehme ich ihr auch nicht alles ab, ich möchte ja auch, dass sie lernt, das zu artikulieren, aber ich gebe dann zB. einen anstoß à la: "j., ich sehe, dir geht es nicht gut - wenn ich dir helfen soll, musst du mir das aber schon sagen."
du hast sehr recht mit der aussage, dass es auf lange sicht auch niemandem nützt, wenn ich dann einen absturz habe oder selber ganz kaputt gehe. das ist etwas, was ich mir die letzten tage zu sagen versuche.
ich werde auf jeden fall mit meinen freunden darüber sprechen, habe es mit meinem besten freund am samstag schon getan, woraufhin heute (im rückblick) von ihm der satz kam: "hör auf, alle glücklich machen zu wollen - es gibt auch grenzen für dich." recht hat er, wie ich ja schon gemerkt habe.

@ klirr: danke auch dir für deine antwort. ich möchte aber darum bitten, nicht das wort "aufopferung" in zusammenhang mit mir zu verwenden - so sehe ich das nämlich ganz und gar nicht. (wo wir schon bei den begriffen sind.^^) ich tue _viel für andere, aber _nicht alles_, und ich richte - wenn die anderen "aus meinem visier" sind - meine fokus ganz deutlich und direkt auf mich - wie schon beschrieben tue ich durchaus viel für mich, dinge, die mir gut tun, die ich mag, die mir spaß machen.

Zitat

Es geht wohl vielmehr darum zu lernen mit diesem Gefühl umzugehen und anders darauf zu reagieren, als mit dem völligen Vergessen der eigenen Resourcen.

das ist richtig.

@ reburga: ich denke, du schätzt die situation falsch ein - ich habe sicher einiges, aber ganz sicher kein mitleid mit meinen freunden. ich liebe meine freunde, wahrscheinlich mehr als andere, und das liegt auch in meiner vegrangenheit und gehört zu diesem problem dazu - aber mit menschen, die ich bemitleide, könnte ich gar nicht befreundet sein, weil mir da jeder _respekt verloren ginge.

Zitat

[...] da du nervlich schon so am Ende bist.

das ist so nicht richtig^^ - ich habe sicherlich ein (verhaltens-)problem, dass mich belastet, aber "nervlich am ende" bin ich nicht.
ich bin _nicht in therapie, und habe auch nicht vor, es deswegen wieder zu werden - ich möchte und ich _kann das alleine schaffen.

vielen dank für die unterschiedlichen anregungen, ich würde mich auch über weitere antworten (ob zum eingangsposting oder diesem) sehr freuen.
zudem eine frage: ich habe da so eine kleine vermutung, woher dieses verhalten stammen könnte - soll ich das hier auch mit reinschreiben, oder wäre das zu viel?

liebe grüße,
kontra.

Torah! Torah! Torah!

Schlachtruf der Kamikaze-Rabbis


don't tell me what i can't do.
because to live boldly is the proof that you're living life to its full extent.

7

Dienstag, 21. Oktober 2008, 15:27

RE: emotional distanzieren/selbstschutz

Hallo,

ich bins nochmal. (:


Zitat

Original von Kontrajunkie
ich möchte aber darum bitten, nicht das wort "aufopferung" in zusammenhang mit mir zu verwenden - so sehe ich das nämlich ganz und gar nicht. (wo wir schon bei den begriffen sind.^^) ich tue _viel für andere, aber _nicht alles_, und ich richte - wenn die anderen "aus meinem visier" sind - meine fokus ganz deutlich und direkt auf mich[...]

Aus meiner Sicht, passt es durchaus, da du unter anderem dies geschrieben hast:

Zitat


und samstag kam dann ein kleiner ausbruch, inklusive weinen und dem satz eines freundes "du zerstörst dich gerade selber". meine antwort war: "aber wenigstens für andere."


Ich finde das sagt sehr viel. So gut du auch für dich sorgst, du lässt es unter den Tisch fallen in bestimmten Situationen.


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