Heftige Dissoziation gehabt, wie dagegen wehren??

      Heftige Dissoziation gehabt, wie dagegen wehren??

      Hallo...

      ich bin heute sehr durcheinander nach meiner Therapiesitzung, und ich dachte, es tut mir gut, mir alles von der Seele zu schreiben. Am Anfang lief es relativ gut, bis heute die heftigste Dissoziation auftrat. Mein Thera hatte große Mühe, mich wieder zurückzuholen und war am Ende selbst mit den Nerven am Ende (ich war 2 Std. da weil er mich nicht früher gehen lassen konnte in dem Zustand.) Und als ich daheim war hat es immer noch 2-3 Std gedauert, bis ich wieder wirklich normal war, und dann kam die Angst... Ich bin so verwirrt und hätte ihm eigentlich soviel zu sagen, aber immer wenn ich dort bin, ist mein Kopf blockiert, ich kann nicht sprechen, nicht denken, hab eigentlich gar nichts unter Kontrolle... Die Dissoziation begann, glaub ich, als er von einer Patientin erzählt hat, die v.. worden ist. Ich kann das Wort nicht aussprechen, nicht hören und nicht schreiben, sorry! Ich denke ihr wisst was ich meine. Er hat es gesagt und in mir kam eine große Wut und Angst hervor, ich wollte seinen Tisch am liebsten kaputt treten, das ging ja nicht, dann wurde die Angst größer und ich wollte einfach nur wegrennen, das ging auch nicht weil ich wie gelähmt war, und dann war ich weg... mein Thera stand plötzlich neben mir und wollte laufen, aber meine Beine wollten das nicht...irgendwann ging es dann, aber ich kam trotzdem nicht richtig raus, hab wohl komisch gesprochen, ich kann mich immer noch nur sehr entfernt daran erinnern. Ich war gefühlsmäßig taub und im Nebel. Ich konnte auch anfangs nicht antworten, weil alles so weit weg war und ich nicht denken konnte, es hat sich angefühlt als ob ich gar nicht da wäre und es überflüssig ist zu antworten. Irgendwie so. So heftig und lang war das glaub ich noch nie. Aber was mich daran so fertig macht, ist dass ich keine Erinnerung habe. Es gibt zwar Vermutungen und komische Dinge, die im Laufe meines Lebens passiert sind, aber in meinem Kopf ist keine konkrete Erinnerung. Mir sind zwar schon Dinge passiert, aber die sind...naja auch komisch, weil ich damals glaub ich auch "weg" war und das irgendwie schon kannte. Jetzt hab ich Angst, dass wenn mein Thera mich das nächste Mal drauf anspricht, dass er das Wort vielleicht wieder sagt, kann ich mich dagegen irgendwie wehren? Also dass er es sagt und es mir nicht mehr passiert? Habt ihr mir vielleicht Tipps, wie ich stärker werde? Ich denke es hätte kein Skill im Vorfeld geholfen heute. Bin auch echt fertig weil ich mit dem nicht umgehen kann und nicht weiß wohin mit meinen Gedanken. Und in der Therapie bin ich erst relativ am Anfang und kann mich noch nicht öffnen, auch wenn ich es will... also danke fürs Lesen und wenn ihr wollt, könnt ihr mir auch ähnliche Erfahrungen und Tipps berichten, wär ich dankbar dafür!
      Hallo omegane,
      ich hoffe meine Antwort kommt rechtzeitig vor der naechsten Therapiestunde.

      Du bist noch relativ am Anfang der Therapie und moechtest nicht gleich alles von dir preisgeben. Das ist an sich ueberhaupt kein Problem, aber wenn du es 'eigentlich willst', dann muss es fuer diesen Block ja einen Grund geben. Da koenntest du auf jeden Fall ansetzen und in dir nachforschen, was dich davon abhaelt. Wenn es zum Beispiel Angst waere, dann wovor? Dem Raum, dem Menschen oder vielleicht davor, Dinge beim Namen zu nennen?

      Wenn dir viele Dinge erst nach einer Sitzung einfallen, schreib sie auf. Am Besten sofort! Manchmal vergessen wir Dinge einfach so, bisweilen aktiv oder unterbewusst, weil wir sie nicht ansprechen wollen. Aber wenn du es auf einem Zettel vor dir liest, kannst du wenigstens direkt vor Ort entscheiden, ob du darueber jetzt reden moechtest oder nicht.

      Zu dem eigentlichen Punkt und dem Grund fuer deine Dissoziation: Sprich es direkt als erstes an. Du kannst zum Beispiel sagen, dass du ein weiteres solches Erlebnis vermeiden moechtest (und er doch sicher auch), daher moechte er bitte das Thema vorerst nicht ansprechen, bis ihr Stabilisierungsuebungen durchgegangen seid. Auf keinen Fall solltest du daran denken, dich 'wehren' zu muessen, 'staerker' zu werden und dergleichen. Das sind sicherlich Langzeitziele fuer eine Therapie, aber nicht IN einer Therapie! Zumindest habe ich gerade keinen Fall parat, wo die Patientin sich vor ihrer naechsten Sitzung erst bewaffnen musste..

      Noch einen Tipp, der aber auf dich zutreffen kann und nicht muss. Es ist jetzt gerade, in diesem Moment, nicht von unglaublicher Wichtigkeit, 'den Grund' zu finden. Du wirst (oder ihr werdet) genau das in der Therapie machen an einem bestimmten Punkt und zwar allmaehlich - aber du brauchst dich nicht in Frage zu stellen. Du dissoziierst, du fuehlst dich nicht gut, da sind viel Wut und Angst, also ist da auch etwas. Irgendetwas. Es ist voellig in Ordnung, dass du es gerade nicht konkret weisst.

      Die naechste Stunde wird hoffentlich besser, ich wuensche dir auf jeden Fall alles Gute und viel Kraft.
      Hallo Rydnok,

      erst mal vielen Dank für deine Antwort, ich werde sie noch ein paar mal lesen und sie auf mich wirken lassen, und sie kam noch rechtzeitig an :) Hab allerdings trotzdem Angst vor der nächsten Stunde, auch wenn ich mich inzwischen wieder etwas beruhigt hab. Zwei Tage nach dem letzten Mal ging es mir sehr, sehr schlecht, ich kann gar nicht beschreiben, was ich gefühlt und gedacht habe, war mir selbst so fremd bzw. war nicht mehr ich... Und ich würde keine passenden Worte dafür finden. Aber ich schreibe seitdem wieder Tagebuch und hab da viele komischen Sachen reingeschrieben, eigentlich müsste ich das meinem Thera zum lesen geben, aber das würde ich mich niemals trauen, ich kann es nicht mal mehr selbst lesen... vielleicht irgendwann.

      Das mit dem in mir nachforschen ist mir leider nicht oft möglich, da ich total verwirrt bin und manchmal nicht mal einen Gedanken zu Ende denken kann, oder er ist so schnell wieder weg dass ich ihn nicht greifen kann, genauso meine Gefühle. Einfach unberechenbares Chaos, aber ich werde mir deine Tipps zu Herzen nehmen und hoffentlich auch was davon umsetzen können. Ich versuche, die nächste Stunde auf mich zukommen zu lassen, ganz ohne Druck, denn egal was ich mir vornehmen würde, ich würde wahrscheinlich genau das Gegenteil davon tun. Aber so ein Zettel in der Hosentasche kann mir vielleicht ein bisschen Sicherheit geben :)

      Also nochmal ein ganz herzliches Dankeschön, am Mittwoch ist die nächste Stunde, wenns wieder schlimm wird, weiß ich wenigstens wo ich es mir von der Seele schreiben kann :)