Pizza essen mit Therapeutin?

      Pizza essen mit Therapeutin?

      Hallo,

      ich bin neu hier und habe eine wahrscheinlich relativ ungewöhnliche Frage. Ich bin seit knapp 8 Jahren in Therapie- 5 davon bei einer Therapeutin, die mir (wie ich leider erst am Ende bemerkt habe) sehr geschadet hat. Zu meiner jetzigen Thera habe ich ein unglaublich großes Vertrauen! Sie hat mir geholfen, den t*d meiner Mutter und meines Bruders zu verarbeiten. Nach diesen t*desfällen bin ich tief in die Magersucht gerutscht. Als ich da wieder ein Stück weit raus war, kam die Bulimie..

      Ich habe es jetzt geschafft, 4 Wochen nicht zu erbrechen und relativ normal zu essen :) Allerdings gibt es immer noch Lebensmittel, an die ich mich nicht herantraue wie zum Beispiel Schokolade, Pizza und generell fettigere Dinge bzw. Dinge mit mehr Kalorien. Mittlerweile fehlt es mir sehr, mich einfach mal mit Freunden abends zu treffen und nicht direkt den unglaublichen Stress zu haben, wie ich etwas möglichst kalorienarmes essen kann. Als ich darüber mit meiner Thera gesprochen habe, hat sie mir vorgeschlagen, dass wir uns in einer meiner nächsten Therapiestunden Pizza bestellen und diese dann zusammen essen. Danach passt sie selbstverständlich noch eine Stunde auf mich auf, damit ich nicht erbrechen gehe oder irgendwelche anderen Dummheiten..

      Zuerst war ich von diesem Vorschlag vollkommen verblüfft, aber irgendwie bin ich nicht ganz abgeneigt. Klar habe ich Angst davor, aber ich glaube dass sie mir bei den Problemen, diese Pizza zu essen (und diese Probleme werde ich definitiv haben!) auf jeden Fall weiterhelfen kann. Ich würde mich garantiert auch nicht schämen, vor ihr zu essen. Sie ist zwar meine Therapeutin, aber letztendlich auch nur ein normaler Mensch, der mir helfen will!

      Hat jemand von euch in ambulanter Therapie eine solche Situation schonmal erlebt?
      Das sowas in der Klinik gemacht wird, ist ja fast klar. Und was haltet ihr von dieser Methode bzw. diesem Vorschlag?

      Ich würde mich sehr über Antworten freuen :)

      Lg Julii :tongue:
      Hallo Juli und erst einmal herzlich Willkommen hier im Forum. :)

      Wie das für mich klingt? Ich finde das spricht sehr dafür, dass deine Therapeutin dich sehr gut kennt und weiß, welches Ziel angestrebt wird. Es ist natürlich eine praktische Übung mit der möglichst größten Hilfestellung, die du wohl haben könntest, was ich sehr gut finde. Sie nimmt sich für dieses Vorhaben auch viel Zeit vor, Zeit, die eben auch ermöglicht, direkt an die Gefühle, die in der Situation aufkommen, ranzukommen und damit zu arbeiten. Das kann zum einen ein ganz wichtiger Schritt sein, da genauer drauf zu schauen und einfach zu schauen, was das Essen und das damit verbundene Gefühl davor, dabei und danach mit dir macht, und wie sich damit umgehen lässt.

      Ich selbst habe Bulimie und stelle mir das unglaublich schwer vor. Ich würde das wohl nicht schaffen und war deswegen sehr beeindruckt von dem, was du geschrieben hast, wie du das siehst. Mein Bauch sagt, dass du das ausprobieren solltest. Wenn etwas schief gehen sollte, hast du direkt deine Therapeutin vor Ort, die dir helfen kann.

      Durch diese Hürde bekommst du vielleicht auch ein Gefühl, wie es wäre, mit Freunden essen zu gehen, ohne dass dich das zu sehr einschränkt.

      Aus der Klinik kenne ich begleitetes Essen bzw. gemeinsames Essen mit Therapeuten. Ambulant hatte ich dies nie erlebt. Aber möglich, dass dies auch der Fall war, weil ich analytisch gearbeitet habe und das eher nach Verhaltentherapie klingt?

      Ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Mut bei deiner Entscheidung und wenn du's durchziehst, dann wünsch ich dir einfach nur Freude für diese gemeinsame Mahlzeit, dass du das genießen kannst und ein Stück weit Normalität schmeckst. :) Ich drück dir die Daumen.
      Die Glasperlen des Lachens können wieder kl*ng*n
      und wenn ich will, dann kann ich fliegen;
      fliegen über das Meer, das in mir tost..
      Hey

      also ich finde das klingt nach einer guten Idee. Auch bewundere deinen Mut dieses zu tun. Ich selber leide an Anorexie allerdings nicht an Bulemie (noch nie) Aber du scheinst echt auf einem guten Weg zu sein.

      Also ambulant habe ich das noch nie gemacht aber in einer Klinik aber dort war das nicht therapeutisch. Beim ersten Mal war ich sehr lange in der Pychiatrie und zum Abschluss der Behandlung (zweit tage vor der Entlassung) bin ich mit einer Therapeutin Pizza essen gegangen. (also wahrscheinlich hätte ich mir auch was anders aussuchen können)

      Wenn du des mit deine Therapeutin gemacht hast kannst du ja mal berichten wie es war.

      junimond
      Hallo ihr Lieben,

      danke für die schnellen und positiven Antworten!

      @ Mondenmaedchen: Das stimmt, es gibt wahrscheinlich niemanden der mich besser kennt, als meine Therapeutin. Alleine würde ich es auch nicht schaffen, aber ich will endlich den nächsten Schritt in ein "normaleres" Leben wagen- und dazu gehört dann auch, endlich mal wieder abends mit Freunden wegzugehen und sich nicht immer wieder irgendwelche Ausreden einfallen zu lassen :S
      Ich mache keine VT und bin auch bei keiner Psychotherapeutin, sondern bei einer Heilpraktikerin für Psychologie. Nachdem ich in meiner vorherigen Therapie mit einer Psychotherapeutin so unglaublich schlechte Erfahrungen gemacht habe, konnte ich mich nicht mehr zu einer neuen Psychotherapie in dem Sinne überwinden.
      Trotzdem hilft sie mir wahnsinnig weiter..

      @ Junimond: Ich werde auf jeden Fall berichten, wie es war. Allerdings wird das noch 2-3 Wochen dauern ;)

      @ Dolphine: Du hast so etwas auch schonmal ambulant gemacht? Wie war das für dich, wenn ich fragen darf? Eine gute Erfahrung? Hat es was gebracht?

      Nochmals vielen Dank für die Rückmeldungen und lg :)
      Dieses Thema interessiert mich sehr.
      Meine Therapeutin macht das mit mir, allerdings nicht mit Pizza. Manchmal stellt sie einen Teller mit so Apfelstückchen hin, die essen wir dann gemeinsam. Das macht sie noch nicht so lange und ich bin noch am überlegen wie ich das finde. Aber ich muss sagen, es fällt mir nicht schwer. Ich habe auch Bulimie und neige dazu, wenn ich verzweifelt bin sehr schnell einfach aufzugeben und loszulegen, egal ob es jetzt eine Pfirsich oder Pizza ist. Aber es fällt mir nicht so schwer bei ihr.. ich esse langsam und relativ ungestresst (ok, bei Pizza wäre das nochmal viiieeel schwieriger). Manchmal nervt es mich, aber heute zum Beispiel war es ganz gut, da ich direkt von einem langen Schultag gekommen bin. Also ich bin nicht ganz befreit von meinem essgestörten denken wenn ich bei ihr etwas essse, aber es geht besser.
      Ich bin mal gespannt wie es bei dir läuft!
      Lg