Ausweg aus Co-Borderline

      Ausweg aus Co-Borderline

      Hallo an alle,

      meine Partnerin, mit der ich seit nur drei Monaten zusammen bin, leidet unter einer schweren Borderline-Störung und lässt sich nicht behandeln. Ich bin total in Mitleidenschaft gezogen und am Limit. Die ständigen Wechselbäder aus Liebe und Hass, die Erniedrigung, mit der sie mir begegnet, wie sie andere Menschen glorifiziert und mich daneben als das unliebenswerteste Wesen der Welt dastehen lässt, bringen mich an meine Grenzen. Dass sie mich abhängig macht ist klar. Zuweilen habe ich sogar das Gefühl, ohne sie nichts mehr wert und einsam und verlassen zu sein. Sie isoliert mich von der Außenwelt, will mich tagelang nur noch bei sich haben und irgendwann schlägt es in Hasstiraden ihrerseits um, etwa nach dem Motto: "Ich bin nicht mehr in dich verliebt, aber komm ja heute Abend wieder."

      So schrecklich es sich anhört, ich habe für mich begriffen, dass ich da schleunigst raus muss, wenn ich meine Haut retten will. Die Frage ist nur wie. Ich habe schon einmal versucht, mich zu lösen, was eine Woche Stalking, SMS- und Telefonterror nach sich zog. Irgendwann bin ich dann eben schwach geworden, weil ich ja trotzdem noch Gefühle für sie habe. Sie lullte mich ein zweites Mal ein, ohne dass ich es merkte und das Spiel fing -welch Wunder- von vorne an.

      Jetzt die Frage an euch: Hat jemand schon Erfahrung mit diesem Thema sammeln müssen? Wie kommt man da raus, wie bleibt man stark? Wie geht man mit den eigenen Verlassenheitsgefühlen um, wenn man sich die Brücken zur Umwelt durch die Beziehung zerstört hat und niemand mehr für einen da ist, der einem zuhört? Wie baut man sein komplett zerstörtes Selbstwertgefühl wieder auf?

      Danke im Voraus für eure Antworten
      Hallo LittleMaid,

      das hört sich wirklich kompliziert an... "Mach doch Schluss und bleib dabei" ist leider leicht gesagt, vor allem, wenn da noch Gefühle deinerseits im Spiel sind.

      Aber ich fürchte, letztendlich solltest du diesen Schritt gehen. Denn wenn du nach drei Monaten schon merkst, dass sie dir nicht gut tut, dich runter zieht und dich verl*tzt, wie soll es dann erst nach einem, drei oder fünf Jahren werden?
      Vor allem wenn dann nichtmal Änderung, bzw. Besserung in Sicht ist. Du hast ja geschrieben, dass sie sich keine professionelle Hilfe suchen will. Scheinbar herrscht bei ihr überhaupt kein Problembewusstsein.

      Also, ich würde auch sagen, versuch, wenn es irgendwie geht, Distanz zu ihr bekommen. Vielleicht kannst du ihr das in einem Gespräch nochmal verdeutlichen, dass dich ihr Verhalten fertig macht, du das nicht mehr willst und du auch keinen Kontakt mehr zu ihr willst. Und dann auch wirklich dabei bleiben, d.h. nicht mehr ans Telefon gehen und nicht auf SMS oder E-Mails antworten.

      Erfahrungen, speziell wie man mit der Zeit danach umgeht, habe ich selbst noch keine gemacht ... aber vielleicht kann ja jemand anderes noch was dazu sagen.

      Ich hoffe, es klingt nicht zynisch, aber ich drücke dir die Daumen, dass du den Absprung schaffst.

      Liebe Grüße,
      Kasmodiah
      ~ Memories that touch our hearts will never fade away ~
      Hallo Little Maid

      Du hast etwas geschrieben von Kontakten, die durch deine Beziehung zerstört wurden. Vielleicht kannst du versuchen, diese wieder aufzubauen?
      Wenn du ehemaligen Freunden deine Situation erklärst, können sie dich bestimmt verstehen.
      Zumal sie ja mitbekommen haben, dass deine Freundin dir nicht gut tut.
      Da werden sie dir wahrscheinlich gerne helfen, die Zeit nach der Trennung zu überstehen.
      Einen Versuch ist es zumindest wert.
      Generell ist es in meinen Augen wichtig, dass du dir jetzt neue (positive) Kontakte suchst.
      Das würde dich ablenken von ihr, dein Selbstwertgefühl wieder bessern und dich aus deiner Isolation (mit ihr) herausführen.

      Ich hoffe, meine Ideen können dir weiterhelfen.
      Liebe Grüße,
      Winona
      Hallo ihr beiden,

      vielen Dank für eure Antworten. Eure Ideen haben mir sehr weitergeholfen. Mittlerweile habe ich wiedermal die Kontaktsperre eingeleitet, aber heute saß sie -eine Woche nach meinem Abbruch- von 10-16 Uhr vor meinem Haus und hat mich wie gewöhnlich mit SMS- und Telefonterror zugespamt, auf den ich seit einer Woche gar nicht mehr reagiere. Weil ich mir nicht zu helfen wusste, habe ich meine Familie hinzugezogen, die ihr klargemacht hat, dass sie mich nicht mehr zu kontaktieren hat. Sie versteht es natürlich nicht und fühlt sich durch ihre Krankheit selbstverständlich als Opfer. Für mich ist das schwer auszuhalten und löst große Gewissensbisse und Schuldgefühle aus. Aber genau deswegen bin ich immer wieder zu ihr zurück. Das darf diesmal nicht sein. Wir tun uns gegenseitig weh. Wenn sie mich trotz allen Ermahnungen nicht in Frieden lässt, werde ich wohl Anzeige erstatten müssen, aber ich hoffe, dass es nicht dazu kommt.

      Liebe Grüße

      Little Maid
      Hey Little Maid,

      ich wollte dann auch einmal etwas dazu schreiben und vllt auch ein paar Tritte verteilen.. :whistling:

      1. Es hört sich nicht schrecklich an, eher mehr als verständlich! Um den Ansatz von jemand anderem aufzunehmen: Es gibt Situationen da muss man einfach weg. Selbst wenn man noch nicht weis wo es besser wäre. Für einen Pinguin in der Wüste ist auch jeder Ort besser geeignet. Und hier bist du einfach auch der Pinguin und die Wüste der Ort! (Pinguine sind tolle Tiere! Und nicht das Wüsten generell etwas Schlechtes sind, aber wenn man ein Pinguin ist, sicherlich ein ungeeigneter Aufenthaltsort)

      2. Ich muss Winona zustimmen, was die Freunde und positive Kontakte betrifft. Und das waren jetzt 3 Monate Beziehung, drei Monate sind nicht die Welt. Erklär es ihnen und sag ihnen, dass es dir leid tut und du eben nicht nochmal eine Beziehung in dem Maße zwischen Deine Freunde und Dich kommen lässt. Und überleg dir auch, was du anders machen kannst, das sowas in Zukunft nicht passiert. (Siehe hierfür auch Punkt 5)

      3. Schreib dir einen Brief! Schreib dir einen Brief, in den du all den Mist schreibst, der in der Beziehung schief geht. Die Art wie sie dich behandelt und wie es dich v*rl*tzt. Auch wie sich nach dem ersten Mal nichts geändert hatte, als sie dich wieder eingelullt hat. Und eben dass sie ja auch nichts ändern will und das Problem nicht sehen will. Mach Kopien von dem Brief und schlepp eine davon mit dir rum (Kopien, falls du den Brief mal verlierst, damit du nicht wieder neu anfangen musst). Und immer wenn du das Gefühl hast schwach zu werden. Lies dir den Brief durch und bedenke diese negativen Dinge und nicht nur die paar positiven Aspekte, die einem da grad durch den Kopf gingen!

      Jetzt bin ich erstmal extrem unsensible und ungerecht:
      4. Grade wenn du Gefühle für sie hast, geh nicht wieder zu ihr zurück! Denn wenn du das nicht tust, tust du ihr eher einen Gefallen. Nur wenn sie merkt, dass da eben Probleme sind, die im Weg sind, kann sie irgendwann ihr Verhalten reflektieren und überlegen, ob sie was an dem Problem verändern möchte. Wenn du zu ihr zurück gehst, ist ja "alles in Ordnung" und du hattest höchstens einen Schub. Aber du bist eben zurück, das heißt alles ist wieder ok. Manche Dinge muss man einfach auf die harte Tour lernen. Leider...

      5. Ein Rat, überleg dir anhand der Beziehung und anderer Dinge, die du erlebt hast und nicht wieder in Beziehungen erleben willst. Wie zB das abbrechen aller Brücken zu Freunden. Und versuch dir klar zu machen, dass Beziehungen in denen das passiert, dir nicht gut tun, und dass Partner, die das tun, grade wenn du auch noch von ihnen dazu gedrängt wirst, keine guten Partner sind.

      6. Du schuldest niemandem etwas! Du schuldest Ihr sicher nicht, dass du nun zurückgekrochen kommst wie ein geschlagener Hund. Dein Handeln ist die Folge ihres Handeln und dabei spielt es keine Rolle ob und welche Krankheit man hat. Sie muss wie jeder andere Mensch auch mit den Folgen ihres Handeln leben. Und eine Folge ist, dass du das so nicht erträgst und überlebst! (Selbes gilt auch wenn sie dich nicht in Frieden lässt, denn wenn sie nicht verstehen will, ist sie auch da für die Konsequenzen der Entscheidung selbst verantwortlich)
      Und bedenke, wenn du dich schuldig dafür fühlst, entmündigst und bevorteilst du sie damit. Du würdest die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen. Und du bist das auf keinen Fall. Denn es ist nicht so, dass sie von dir gelenkt wird und du für alles verantwortlich bist, was sie tut. Denn Opfer ist sie nur ihrer selbst! Und nur weil man irgendwelche Denkmuster aufweist oder gewisse Gen besitzt, ist man nicht gezwungen diesen Verhaltensweisen auch nachzugeben. Immerhin sind Menschen mehr als die Summe ihrer Impulse und Triebe. Und eine Person die wirklich nur das wäre, wäre widerum nur eine Gefahr für sich und die Menge der Gesellschaft. Aber auch dann keine Person, deren Handeln aufgrund dessen entschuldigt wäre.

      7. Du bist eine wunderbare Person und hast es verdient dein Glück zu finden! Du bist liebenswert und es wert, dass man dich mag so wie du bist! Du hast es verdient jemanden zu finden, der dich so liebt wie du bist! Und du hast es verdient, dich selbst so wertzuschätzen wie du bist!


      So, ein mehr oder weniger extrem unsensibler Text von mir, aber mir haben damals solche und ähnliche Ratschläge tatsächlich geholfen. Ich hoffe du nimmst mir die Tritte nicht übel
      Ich möchte an dieser Stelle auch noch kurz einmal klarstellen, dass ob sie Borderline hat oder nicht keine Rolle spielt für meine Ratschläge. Diese Richten sich an ihr Verhalten, nicht an die Hintergründe und Motivation dessen.
      Daher möchte ich mit diesen auch niemanden angreifen, sollte sich dennoch jemand angegriffen fühlen, kann diese Person mich gerne via PN anschreiben und ich werde versuchen ihr zu erklären, was gemeint ist/war.

      Ich wünsche dir viel Kraft und liebe Grüße
      Neph
      Gesundheit ist nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern mit dem Körper, so wie er ist, Lebensfreude zu haben.

      Dr. med. Eckart von Hirschhausen

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