Arztbesuche

      Arztbesuche

      Hallo zusammen,

      das Thema nun hier, weil es für mich das triggernste Gebiet ist. Deswegen auch die Bitte, bei Beschreibungen sehr allgemein zu bleiben, gerade was Ärzte für den Kopfbereich betrifft (ich meine hier nicht etwas psychisches, sondern den Kopf - gerade das Gesicht - als physisches Objekt). Umgeht bitte Wörter die rund um und in den Mundbereich gehören.

      Und da ich jetzt schon kämpfe, weiß ich noch nicht, ob ich das hier überhaupt abschicken kann.

      Okay, vielleicht fange ich von vorne an.
      Nachdem ich von meinem Vater ausgezogen bin und mein Studium in Bayern begonnen habe, war natürlich auch meine 3,5 jährige Therapie vorbei.
      Diese hat mir sehr geholfen und auch jetzt habe ich die Möglichkeit mich bei meiner ehemaligen Therapeutin zu melden und sie zu besuchen, wenn ich meinen Vater besuche.
      Das ganze reicht natürlich nicht für eine wirkliche Therapie.
      Aber auch in den 3,5 Jahren habe ich es nicht geschafft, über Ärzte konkret zu sprechen, meine Therapeutin wusste zwar davon und hat es einmal behutsam angesprochen, aber ich war sofort sehr angetriggert und sie hat meine Grenzen respektiert.

      Aber eigentlich geht das nicht. Ich muss in der Lage sein mich ärztlich untersuchen zu lassen. Ich müsste mal zum Hautarzt, zum Mundarzt sowieso, aber das geht alles nicht. Ich kann nicht mal Plasma spenden, weil vorher die ärztliche Kontrolle ansteht und ich da so austicke.
      Plasma spenden wollte ich vor kurzem, und letzten Endes bin ich heulend raus gelaufen, weil die mich anfassen musste für die Untersuchung und in meinen Mund geguckt hat und ich bin jedes Mal in dieser Opferrolle drin.
      Und jetzt nur vom schreiben heule ich schon wieder. Und das geht so einfach nicht.
      Mich selbst macht das so unglaublich wütend, aber schon allein die Vorstellung triggert so sehr, dass ich jedes mal mit Flashbacks und Schutzreaktionen kämpfe.

      Ich werd an dieser Stelle mal aufhören, weil ich es noch kontrollieren kann.
      Ich weiß auch nicht, was ich hören möchte, vielleicht hat ja der ein oder andere Gedanken dazu und mag die hier schreiben.
      Danke fürs lesen,

      alles Gute,
      die vielleicht.
      Hey!

      Ich kenne das, vor allem diese Mundsachen, ganz ganz grauenvoll. Vielleicht hat das bei uns ähnliche Ursachen. Kann ich aber natürlich nicht wirklich wissen. Ist auch nicht so wichtig.

      Ich weiß nur, wie ich es vor 2 Jahren endlichendlich geschafft habe, ohne Benzo und Panik zu einem Z.arzt zu gehen, ganz schlimm, nicht nur das, was sie da mit einem machen, sondern auch die Lage, in der man sich wieder findet, während der Behandlung. Ich versuche es so gut ich kann nicht detailliert zu beschreiben, aber so, dass es dennoch verständlich ist.
      Ich musst immer Benzos nehmen vorher.
      Nun gehe ich seit 2 Jahren zu einem neuen, das läuft mit Hypnose. Und ich hätte nie gedacht, was das für eine Wirkung hat. Ich bin tief entspannt, nehme die Behandlung nur noch so halbwegs, ganz am Rande wahr und habe keine Flashbacks oder Panik mehr.

      Bei anderen Arztbesuchen und Untersuchungen/Behandlungen geht das damit natürlich nicht.
      Hast Du es schon mal mit IPad auf den Ohren versucht? Mit was ganz Beruhigendem?

      Was genau ist Deine Befürchtung, wenn Dich jemand zu Untersuchungszwecken berühren würde, z.B. zum Bl*t abnehmen oder Hautuntersuchung? Klar, das Gefühl ist Angst/Panik. Aber zu jedem Gefühl gehört ja auch ein Gedanke, der dem Gefühl - meistens unbewusst - voraus ging. Kannst Du den Gedanken oder die Gedanken, die Befürchtungen an sich, die zu diesen Gefühlen gehören rausfinden? Wenn Du vielleicht mal tief hin Dich hinein horchst?

      Und wenn Du Deiner Thera Dinge eigentlich mitteilen möchtest, aber verständlicherweise nicht über Dich bringst, sie auszusprechen, wäre dann aufschreiben eine Alternative?


      Liebe Grüße,

      Chrissi
      "I need a new Direction
      Cause I have lost my Way"

      - "End of all Days" / 30 Seconds to Mars -

      Skills - Gründe gegen SVV - W*ndversorgung - Panikattacken - Stabilisierungstechniken - Schlafstörungen - Wehren durch Anzeige - Umfragen - Regeln
      Hey du,

      ich wollte deinen Thread nicht einfach so unkommentiert belassen, muss das Ganze aber erst einmal gründlich überdenken, deswegen folgt die eigentliche Antwort erst später.
      Man merkt schon recht deutlich, welche Überwindung dich das Schreiben gekostet hat, was mehr als nachvollziehbar ist, ich habe da selbst so ein *rztpr*bl*m (ich setze lieber mal prophylaktisch Sternchen) und versuche später mal einige Gedanken dazu zusammenzufassen - vielleicht auch eine Zusammenfassung von Versuchen, damit umzugehen - ohne triggernde Details, versteht sich.

      Manchmal hilft es einem auch schon sehr, wenn man weiß, andere kennen das entsprechende Gefühl und Problem, man ist nicht alleine damit.



      Erhol dich vielleicht erst einmal ein wenig vom Schreiben, mach irgendwas Schönes, das dich nicht belastet. Aus einer schönen Tasse Kaba trinken...Blumensträußchen pflücken...Zeichnen...Kinderserie/film schauen...einfach ein positives Umfeld erzeugen.
      Menschen, die v*rl*tzt wurden, sind gefährlich, denn sie wissen, dass sie überleben
      Hallo,

      vielen Dank für eure Antworten.

      @Freeclimber Befürchtung.. ich find es schwer, das so auszudrücken, es ist vielleicht viel mehr das Gefühl jemandem ausgeliefert zu sein, gerade wenn ich liege. Auch die Vorstellung von Hypnose macht mir große Angst, weil ich mich ja erst recht nicht wehren könnte. Ich finde es unglaublich schwer, mich von fremden Menschen berühren zu lassen, ihnen Dinge von mir und meinem Körper preis zugeben, also alles was über Arme und Beine hinausgeht. Es ist _mein Körper und der muss beschützt werden.
      Und wenn ich liege und jemand würde über mich gebeugt stehen.. weiß nicht, schon jetzt bei der Vorstellung dreht sich mir der Magen um und ich atme schneller und spür eigentlich nur Panik.
      Es meiner Therapeutin aufzuschreiben, war vielleicht zu Therapiezeiten unmöglich, weil ich mich so arg schäme und ja jetzt ist es ja eh vorbei, weil die Therapie durch meinen Umzug ja vorbei ist.

      @SinRatziel vielen Dank dir. Ja, ich habe ein bisschen gelernt und Schloss Einstein geguckt. Mach ich jetzt wieder, ist nämlich wirklich ganz schön anstrengend.

      Ich danke euch, für eure Mühe,
      alles Gute, die vielleicht.
      Hallo Vielleicht,
      ich kann nicht von mir selbst berichten, aber ich habe lange in einer Praxis gearbeitet, die auf Angstpatienten und die Behandlung im Mundbereich spezialisiert ist
      Deine Angst des ausgeliefert zu sein, ist die häufiigste Angst und du brauchst dich dafür überhaupt nicht schämen! Niemand geht da gerne hin und meistens genau aus diesem Grund.
      Was kannst du tun? Du kannst bei dir in der Nähe einen Arzt suchen der darauf spezialisiert ist, es gibt da ganz tolle Ärzte und mittlerweile auch tolle Möglichkeiten. Egal wo du aber hingehst, du kannst alles nach und nach und ganz langsam angehen lassen. Oft setzen sich Patienten nur mal ins Wartezimmer oder man kommt nur zu einem Gespräch. Wenn du dem Arzt sagst, dass du nur eine Besprechung haben möchtest, dann sollte das kein Problem sein, außerdem kann man vieles auch im aufrechten Sitzen machen.
      Eins ist dabei auch immer im Kopf zu behalten, es ist dein Körper (wie du es ja schon gesagt hast) und du bist der Chef der Behandlung.
      DU ganz allein bestimmst alles.

      Ich hoffe ich konnte dir irgendwie helfen,
      Alles Liebe Mona
      Zwingt sie zum Tanzen..
      Vielen Dank auch dir icheinfachnurich.
      Deine Idee klingt gut, ich werde das mal versuchen, aber ich denke das Problem beginnt schon eher, nämlich beim eigentlichen Wort. Mich triggert alles, was nur in die Richtung Mund geht.
      Also generell machen mir Untersuchungen viel Angst, aber der Höhepunkt ist der Mund und schon alleine das Betreten ist ein riesen Problem, weil es da schon überall geschrieben steht. Und schon das ist zu viel, oft. Ich drifte weg oder bekomme eine PA und renne weg und quäle mich noch lange danach.

      Ich weiß, dass das alles so klingt, als würde ich jeden Vorschlag ablehnen, das möchte ich eigentlich nicht, vielleicht ist meine Angst zu groß, vielleicht hab ich noch nicht genug gelitten. Ich weiß es nicht.
      Danke euch trotzdem, die vielleicht
      Also, hier die etwas ausführlichere Antwort. Dass dich das Ganze so enorm triggert, ist verständlich, bei mir läuft das in etwa ähnlich ab. Irgendwie verfestigt sich die Angst im Laufe der Zeit auch ganz erstaunlich, es ist, als würde man gegen ein Naturgesetz verstoßen, wenn man sich an bestimmten Stellen anfassen lässt, es scheint unmöglich zu sein und allein der Gedanke daran ist unerträglich.

      Ich habe mir über die Jahre hinweg sämtliche Notfallpläne erarbeitet, die Alternativen oder Verhaltensweisen beinhalten. Ich finde den Gedanken, meine Hand in der Nähe der Untersuchungshand zu haben, schonmal ganz okay. Das gibt Kontrolle, im Extremfall kann man ziemlich schnell eingreifen. Es ist auch so, dass manche Ärzte die Hand des Patienten auf ihre legen, während sie untersuchen. Es entsteht der Eindruck, als hätte der Patient die Führung. Das wird vor allem bei kitzligen Menschen so gemacht, um dem Kopf tatsächlich zu suggerieren, es wäre die eigene Hand.
      Vielleicht wären das schonmal ein paar Ansatzpunkte (Betonung liegt auf "Ansatzpunkte", denn Lösungen werden es wohl vorerst keine sein), da du speziell die Hilflosigkeit nennst.

      Ich weiß auch ziemlich genau über die rechtliche Lage Bescheid, was der Arzt darf und was nicht. Auch das empfand ich als sehr wichtig, da ich früher wie betäubt war und alles mit mir machen ließ - auch dachte, ich müsste stillhalten, was definitiv nicht der Fall ist, niemand muss etwas mit sich machen lassen.
      Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber gerade dieses Erstarren und das Wissen, dass ich mich nicht wehren würde, war enorm verunsichernd. In diesem Zusammenhang ist auch Sport nicht schlecht, Muskeln und Selbstbewusstsein aufbauen. Ich halte es einfach für wichtig, dass die Psyche lernt und spürt: Mit mir nicht.

      Gut ist auch, sich - wenn möglich - den Druck zu nehmen. Es ist schwierig, wenn man sich auf eine Sache fixiert, die der eigenen Meinung nach klappen muss. Es ist einfach eine andere Geschichte, wenn man weiß: Gut...es wäre schon ganz nett, wenn das klappen würde, aber im Extremfall geht das auch noch anders. Mein Leben hängt nicht davon ab.
      Mir wäre es z.B. sehr recht, wenn sie mir eine Kurznarkose geben würden (das wird zwar nicht gerne gemacht, ist aber nicht unmöglich). Klar, ich könnte mich nicht wehren, aber ich bekomme es eben auch nicht mit. Und da wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn man schauen würde, was bei dir alternativ machbar wäre. Es geht einfach darum, die Fixierung zu unterbrechen und aus einem "muss" ein "kann" zu machen.

      Um nochmal kurz auf die Hypnose zu kommen: Es gäbe auch die Möglichkeit, sich einmalig kurzfristig hypnotisieren zu lassen, eben gegen die Angst, also, nicht jedes Mal direkt beim Arzt. Mir hat am Wochenende eine Bekannte erzählt, dass sie so schreckliche Prüfungsangst gehabt hätte, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde und nach einer Hypnosebehandlung muss das wohl sehr viel besser geworden sein. Der Witz ist eben, dass man sich darauf einlässt, aber in diesem Fall will der Mensch, der dich hypnotisiert, ja sicher nicht anfassen (ich wüsste jetzt nicht, wozu). Ich weiß allerdings zu wenig darüber, wie gesagt, ich habe es am Wochenende lediglich von einer Bekannten gehört, aber es muss wohl irgendwie möglich sein.

      Das wären jetzt einmal die ersten Ideen, mal sehen, ob mir noch etwas einfällt. ;) Jedenfalls ist absolut verständlich und nachvollziehbar, dass dieses Thema sehr schwierig für dich ist.
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      Ich weiß nicht, was Du über Hypnose weißt, aber es gibt da ganz unterschiedliche Arten und auch unterschiedliche Tiefen.
      Das darfst Du Dir nicht so vorstellen, dass Dich jemand in einen Zustand versetzt, in dem Du dann nichts mehr mitbekommst und/oder hilflos bist!
      Bei meinem Z.arzt ist das z.B. so, dass ich da ganz alleine die Kontrolle drüber habe, sonst könnte ich das auch gar nicht. Kontrollverlust gar nicht gut.
      Ich bekomme Kopfhörer auf mit einer ganz bestimmten Hypnose-CD, die speziell für diese Behandlungen und für Menschen mit Panik davor gemacht ist. Und ich habe jederzeit selber die Macht darüber, wie tief ich mich darauf einlasse oder wie weit ich auch grad mal wieder da rauskomme und mit meiner ganzen Aufmerksamkeit in die Realität komme, wenn ich möchte. Ich bekomme ja alles mit, es fühlt sich aber alles so nebensächlich an, weil ich mich dabei so wahnsinnig tief entspannen kann und mich da ganz drauf einlassen kann, inzwischen!

      Ich habe aber auch mal den Schritt gemacht, mich dem Arzt anzuvertrauen, er weiß genau, was ich für Ängste habe, wovor genau und auch, wo sie herkommen. Seitdem fühle ich mich viel besser, ich weiß, dass er genau weiß was los ist, wenn ich plötzlich Panik bekomme und plötzlich mal nicht mehr kann oder was auch immer. Er ist so lieb und geduldig und verständnisvoll. Ich habe auch lange nach einem gesucht, der so ist. Manchmal muss man leider schon eine Weile suchen bei so was. Aber es hat sich so was von gelohnt. Das hat regelrecht meine Lebensqualität beeinflusst, das ist so ein Riesenunterschied zu vorher!!!
      Und er versucht auch, mir so weit es geht entgegen zu kommen, z.B. werde ich nur weit nach hinten gekippt, wenn es wirklich sein muss und das bekomme ich dann vorher auch gesagt und ich werde oft gefragt, ob es noch ok ist. Oder er achtet auch immer darauf, die kleinstmöglichen Geräte zu benutzen. Und vieles andere.
      Kannst Du Dir nicht vorstellen, das bei Deinem Z.arzt auch zu machen? Vielleicht schriftlich?
      Ich jedenfalls habe mich nicht geschämt, da bin ich drüber weg, denn ich habe irgendwann verstanden, dass ich das nicht brauche. Denn ich habe ja nichts Schlimmes oder Falsches getan, ich habe nichts verbrochen, ich muss mich nicht schämen, sondern nur der, der das Schlimme gemacht hat, der der es Schuld ist. Und das - wie mein Stationsarzt in der Klinik mal so schön gesagt hat - kann niemals das Opfer sein!
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