Mein Trauma und die Folgen

      Mein Trauma und die Folgen

      Hallo,

      erst einmal vielen Dank an die lieben Menschen hier, die mich ermutigt haben zu schreiben!
      Ich versuche dann einmal, hier meine Situation zu schildern. Denn es haben hier auch einige gefragt, warum ich eigentlich trinke beziehungsweise seit wann. Nun ja, das hängt alles miteinander zusammen.

      Achtung hohe Triggergefahr!
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      Vor mittlerweile mehr als drei Jahren habe ich in der Klinik einen Mann kennen gelernt und bin mit ihm eine Affäre eingegangen, Wie einige von euch wissen, war ich zu der Zeit noch in einer Beziehung, die ich gegen den Rat meiner Therapeutin in der Klinik beendet habe. Auslöser hierfür war mehrfache häusliche Gewalt.

      Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Unterstützung von der Familie, weshalb ich nicht wusste, wohin nach dem Klinikaufenthalt. Verständlicherweise wollte ich nicht zu meinem Ex zurück, die Trennung hatte ja einen Grund.
      Jedenfalls bin ich dann kurzerhand vorübergehend bei meiner damaligen affäre und seiner Frau eingezogen und wollte mich von dort aus auf Wohnungssuche begeben. Er begann, mich in sämtlichen Lebenslagen zu unterstützen - dachte ich.
      Da er sich jedoch um alles selbst gekümmert hatte anstatt mir Beratungsstellen oder Ähnliches zu vermitteln, wurde ich zunehmend abhängiger von ihm.

      Und dann begann er, mich zu erpressen.
      "Wenn du einmal nicht tust, was ich dir sage, dann verlasse ich dich! Und dann hast du nichts und niemanden mehr!"
      DOch ich war verliebt und ziemlich naiv, also bin ich auf seine Forderungen eingegangen.

      Anfangs erlebte ich diese nicht als schlimm - es waren für mich eben neue s*x**ll* Erfahrungen, die ich gemacht habe.
      Doch mit der Zeit wurden die Forderungen heftiger.
      Ich hoffe, ich darf hier andeuten, in welche Richtung das ging?
      * Er wollte, dass ich mit anderen Männern ungeschützt Kontakt habe - später sogar für Geld =O
      * Er wollte, dass ich über meine persönlichen Schmerzgrenzen (psychisch und körperlich) hinaus gehe
      * Ich sollte ihm, wenn ich angeblich zu besagten Treffen mit Männern unterwegs war (ich tat allerdings nur so als ob, zumindest am Anfang), genau berichten, was wir gemacht haben.
      * Später gingen seine Forderungen in Bereiche, die ich weder mit meinen persönlichen Moralvorstellungen vereinbaren konnte noch die legal waren. Ich hätte mich mit solchen Handlungen für s*x**ll*n M*ssbr**ch strafbar gemacht.
      * Wenn ich nicht wollte oder gereizt war, gab er mir angeblich pflanzliche Tabletten zur Beruhigung, die ich dann genommen hatte. Danach war ich irgendwie.... gefühllos? willenlos? Ich kann es nicht beschreiben, es fühlte sich beinahe so an als sei ich auf Drogen oder dissoziiert. Ich empfand nichts mehr, mir war alles gleichgültig. Ein Zustand, den ich danach auch so nie wieder erlebt habe.

      Dann zog ich die Notbremse und bin ins Frauenhaus geflüchtet.
      Doch bis Anfang des Jahres verfolgte er mich. Immer wieder kontaktierte er mich hier und da, und lauerte mir auch einige Male persönlich auf.

      Als ich ihn verlassen hatte, hatte er mir genau damit gedroht: Er würde dafür sorgen, dass wir uns zwangsweise (beispielsweise in einer Maßnahme) wiedersehen.

      Im September 2012 durfte ich dann eine Reha beginnen - wo er mir tatsächlich auflauerte, mich manipulierte und anschließend v*rg*w*lt*gt hat.
      Ich war damals schon mit meinem Verlobten zusammen, konnte jedoch nicht mit ihm sprechen. ER hatte mir gedroht, uns auseinander zu bringen, wenn ich auch nur ein Wort darüber verliere.
      Er schrieb dann sogar meinen Verlobten via Facebook an und behauptete, dass ich das freiwillig gemacht hätte und dass es mir Spaß gemacht hätte!

      An dem Abend wusste ich nicht mehr weiter und bin zusammen gebrochen. Danach fing ich an, täglich zu trinken. Ich hatte Angst, dass niemand mir glaubt, weil er mir genau das eingeredet hatte. Also trank ich täglich, um zu dissoziieren. Weil man Dissoziationen ja nicht vorspielen kann - dann würde man mir glauben.
      Tatsächlich brachte mich die Trinkerei aber nur in Schwierigkeiten, weil ich in Flashbacks Panikattacken hatte und handgreiflich wurde.

      Anfang des Jahres habe ich dann ihn wegen Stalkings angezeigt. Ich hatte keine Beweise für das was geschehen war. Heute hätte ich zumindest eine Zeugin, die von den Nötigungen berichten kann. Denn im Jahr 2012 war er mir bereits ein voriges Mal aufgelauert und hatte mich und eine Freundin von zu Hause weggelockt und forderte Dinge von uns.

      Im Juli 2013, als ich in der Klinik war, lauerte er mir ebenfalls zweimal auf - was eine Dissoziation zur Folge hatte, und dass ich ausgepackt habe. Er darf seitdem das Klinikgelände nicht betreten, weil die Klinik auch andere Patienten schützen wollte. Zum Glück kommt er auch nicht aus dem zuständigen Bereich.

      Nun habe ih offiziell zwar Ruhe. Aber er schreibt nun Freundinnen von mir an, und ich fühle mich bedroht.
      Ich fühle mich wieder nirgendwo sicher außer hier im Haus (weil wir hier verschiedene Sicherheitsvorkehrungen haben - hier kommt nicht jeder hinein) und kann nur schwer ohne Begleitung aus dem Haus gehen.
      Wenn ich aber darüber reden möchte, "ernte" ich Ablehnung oder Kritik, wie ich in dem anderen Thread schrieb.

      Ich möchte es aber mal aufarbeiten! Nach 3 Jahren, und da das letzte Ereignis auch schon über ein Jahr her ist, wird es für mich Zeit, mich damit auseinanderzusetzen. Und es nervt mich, dass ich scheinbar damit leben muss und niemand mir bei der Verarbeitung hilft.

      Liebe Grüße
      Hope.
      Der wichtigste Mensch in Deinem Leben....


      ... bist immer Du selbst.
      Hey Hope!
      Es ist sehr mutig von dir, dass du darüber schreibst, und sehr vernünftig, dass du dich entscheidest so schlimme Erfahrungen aufzuarbeiten. Das ist schon mal ein großer Schritt.
      Dass du mit niemandem so richtig darüber reden kannst, ist schade - gibt es denn keine Therapeutin/keinen Therapeuten oder ähnliche Personen, denen du dich anvertrauen kannst? Warum glaubst du, dass du mit deinem Verlobten nicht darüber sprechen kannst? Hast du es schon mal versucht? Vielleicht kannst du ihm deutlich machen, wie wichtig dir das ist, darüber zu sprechen. Du kannst ja mit dem Thema anfangen und gucken, wie er reagiert. Ich weiß, dass das kindisch klingt, aber vielleicht wirst du ja positiv überrascht? :)
      Wo du jetzt eine Zeugin hast, kannst du vielleicht doch anzeigen, wenn du das aushältst; was schreibt er denn deinen Freundinnen? Kann man die Nachrichten, sofern sie quasi Beweismaterial enthalten, abspeichern und ebenfalls der Polizei vorlegen?
      Dies ist wirklich ein schwieriger Fall, weil seine Verbrechen so schwer sind. Ich weiß nicht genau, was ich dir raten soll, aber ich wollte auch, dass du weißt dass dich jemand wahrgenommen hat. Es tut mir leid, dass dir so etwas Schreckliches widerfahren ist, und ich hoffe, du kannst bald wieder etwas unbeschwerter leben. Viel Kraft wünscht
      Thunder
      Hallo Hope,

      erstmal muss ich sagen, finde ich es verdammt mutig von dir das hier so aufzuschreiben!
      Ich denke das ist schon mal ein großer Schritt. Ich konnte meine Erfahrungen bis heute nicht so "öffentlich" aufschreiben.

      Ansonsten tut es mir sehr leid, was du alles durch machen musstest. Ich hoffe, dass du es tatsächlich schaffst das zu verarbeiten und ein Stück hinter dir zu lassen. Ich wünsche dir dafür ganz viel Kraft.
      Wenn du jemanden zum Reden brauchst, darfst du mir gerne schreiben.
      Ansosten weiß ich gerade gar nicht was ich dazu groß schreiben soll.

      Ganz viel Kraft ;)
      Gruß N*rb*nmädchen
      Don't hurt me anymore!
      Hi,

      Hope. schrieb:

      Wenn ich aber darüber reden möchte, "ernte" ich Ablehnung oder Kritik, wie ich in dem anderen Thread schrieb.


      Hmm niemand der etwas schlimmes erlebt hat und das ganze verarbeiten möchte sollte für das was er erlebt hat kritisiert oder abgelehnt werden. Somit hoffe ich für dich das dein Verlobter dir sein Ohr schenkt und dir zuhört und dich so auch versteht wieso du so bist, wie du bist. Das ist ja auch für ihn wichtig dich wirklich kennen zulernen und nicht nur das was du allen Menschen von dir zeigst.

      Ich wünsch dir noch viel erfolg und auch kraft das du einen kompetenten Psycholog(en)/(in) / Therapeut(en)/(in) findest der dir hilft das ganze zu verarbeiten.

      MfG.

      Wolverine

      p.s. Ich schließe mich den andren an, sofern du wen zum quatschen brauchst einfach anschreiben.

      [Edit: Anrede auf Wunsch des Autors ergänzt. / Neph]

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Neph“ ()

      Hallo Hope. Ich finden es gut und mutig von dir, das du nun darüber geschrieben hast. Es ist wirklich schlimm was dir passiert ist und ich kann deine Angst und deine Verzweiflung gut verstehen. Das stimmt, es ist wichtig das du darüber redest und eine Anlaufstelle hast an die du dich wenden kannst. Hast du denn schon mal versucht eine ambulante Therapie zu machen? Oder gibt es vielleicht für solche Fälle besondere Einrichtungen?
      Und was ist denn eigentlich mit dem Typ? Es hört sich nicht so an, als ob du 100% sicher vor ihm wärst oder?
      Ich finde du brauchst dringend jemandem zum reden, der dich versteht und der auf dich eingeht. Das alles nur mit dir selbst auszumachen ist ja unmöglich. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel kraft und hoffe, dass dir das Schreiben hier vielleicht auch schon hilft.

      Liebe Grüße :)
      Angst, Verzweiflung, Einsamkeit alles versteckt hinter großen Mauern. Für niemanden ersichtlich, für mich unerträglich. Ich möchte weglaufen, flüchten vor meinem Inneren. Ich möchte reden und das Schweigen brechen. Ich verstecke mich hinter der Fassade und leide im Stillen.
      Ich habe Angst, für immer mit diesen Gefühlen und Erinnerungen leben zu müssen.
      Hallo Hope

      Oje da hast du ja einiges durchmachen müssen.
      Etwas wirklich hilfreiches hab ich nicht beizusteuern. Nur einen Gedanken der mir beim Lesen durch den Kopf gegangen ist.

      Ich möchte es aber mal aufarbeiten! Nach 3 Jahren, und da das letzte Ereignis auch schon über ein Jahr her ist, wird es für mich Zeit, mich damit auseinanderzusetzen. Und es nervt mich, dass ich scheinbar damit leben muss und niemand mir bei der Verarbeitung hilft.

      Ich könnte mir vorstellen das viele Menschen einfach schlicht weg überfordert sind wenn sie deine Geschichte hören.Nicht wissen wie sie dir da am besten helfen können.Das sie angst haben, dass durch ihre Reaktion etwas falsch machen.Dich vielleicht sogar Retraumatisieren.
      Und das es dadurch wie du in deinem andern Tread schriebst zu negativen Reaktionen kommt.
      Ich denke böse oder verletzent ist das von den meisten Menschen nicht gemeint.Ich denke aus den Reaktionen spricht einfach Überforderung.

      Natürlich ist das auch schwer für dich.In erster Linie bist du ja die Leidtragende.Und natürlich ist es schade und frustierend so viele negative Reaktionen zu bekommen.
      Könntest du das Thema vielleicht in einer professionellen Stelle ansprechen? Bei Leuten die damit Erfahrung haben?

      Vielleicht habe ich deinen Beitrag auch nur falsch verstanden, dann tut es mir Leid und vergiss die Zeilen einfach wieder!
      Ich wünsche dir viel Kraft und Menschen die dir zuhören und helfen.

      Liebe Grüße
      Hoffnungsschimmer
      Hi,

      danke euch für die lieben Antworten!
      Naja meine Betreuerin hat sich bereit erklärt, mit mir darüber zu reden wenn ich möchte. Die Traumatherapie soll zwar stattfinden, aber das dauert.... bis es soweit ist, weil ich erst einmal stabil werden soll.

      wahrscheinlich idt sie dann gar nicht mehr notwendig, weil ich es bis dahin alleine verarbeitet habe. Wäre nicht das erste Mal.

      Danke, dass ihr mir anbietet zu reden.
      es hat gut getan, darüber zu schreiben.

      Liebe Grüße
      Hope.
      Der wichtigste Mensch in Deinem Leben....


      ... bist immer Du selbst.
      hallo hope,

      ich will dich auch ermuntern weiter darüber zu reden und vtl auch nochmal eine anzeige zu starten. inzwischen hast du ja auch zeugen - besagte freundin, die klinik etc. - so dass es erfolg haben könnte.

      hast du schon mal nach frauenspezifischen beratungsstellen wie wildwasser, frauennotrufen oder so geschaut? die sind in solchen themen oft auch versierter als normale therapeuten, die ja "alles" behandeln müssen.

      alles gute für dich - gib nicht auf!
      solaine
      Not two people are alike. No hearts beat to the same rhythm. If nature wanted everyone to be the same, we were like that. Therefore, disrespecting differences and imposing your thoughts on others amounts to disrespecting nature.

      \Elif Shafak\
      Hey solaine,

      ja ich war in so einer beratungsstelle, direkt nachdem ich die Anzeige gemacht habe. Das Problem ist halt dass ich außer der Anzeige wegen Stalkings, die wahrscheinlich eingestellt wird, weil ich ja jetzt Ruhe habe, nicht viel machen kann.
      Für die ganzen anderen Dinge, die er mir angetan hat, habe ich weder Beweise noch Zeugenn... von daher kann ich nur die dinge in der Therapie ansprechen und hoffen,dass es besser wird.

      Da ich beim letzten Klinikaufenthalt angegeben habe, dass mich die Situation sehr belastet, hat mein Therapeut nun doch versucht, das Thema in einer Therastunde aufzugreifen.. es war sehr anstrengend und hat mich aufgewühlt, aber ich durfte nach der Stunde noch ein wenig im Wartezmmer verweilen und Skills machen, und sollte erst gehen, wenn meine Anspannung wieder im Normalvereich ist.

      Auch wenn ich nach der Stunde zuhause vor lauter erschöpfung gleich eingeschlafen bin, bin ich meinem herapeuten dankbar, dass er mir zugehört hat.
      er meinte auch, dass - wenn wieder etwas sein sollte - ich mich bei seiner Kollegin meden soll, die Kontakte hat zu einem sogenannten stalking-Beauftragten... einem Experten, der sich mit dem Thema auskennt und auch Unterstützung leistet.

      Dadurhc fühle ich mich wenistens ein Stück weit sicherer und besser aufgehoben.

      Liebe Grüße
      Hope.
      Der wichtigste Mensch in Deinem Leben....


      ... bist immer Du selbst.
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