Verheiratet... aber getrennt leben?

      Verheiratet... aber getrennt leben?

      Hallo,
      ich habe im Moment eine etwas seltsame Idee im Kopf, die ich vielleicht gerne umsetzen würde.
      Ich bin zwar verheiratet, aber ich hätte gerne eine eigene kleine Wohnung. Dort würde ich gern alles, was mich vom gesund und erwachsen sein abhält aufheben. Kuscheltiere, Kunstkram, Animes, Mangas etc.
      Leider wüsste ich nicht wie ich das finanziell stemmen sollte und was mein Partner dazu sagen würde. Ich werde auf jeden Fall mal mit ihm darüber reden.
      Aber was haltet ihr von der Idee. Würdet ihr das seltsam finden, wenn man verheiratet ist, aber sazusagen sowas wie einen eigenen fantasie Rückzugsort hat?
      Ich hätte halt das Gefühl, dass ich mein Innerstes so besser managen könnte und auch eine bessere Parnerin für meinen Mann wäre, wenn ich mein Innerstes auch Außerhalb trennen könnte.

      Ich würde mich freuen mal andere Gedanken dazu zu lesen.

      Liebe Grüße Stundenglas
      Hallo Stundenglas (cooler Nickname) und willkommen hier im Forum,

      also ich sehe deine Idee kritisch. Mal abgesehen von der finanziellen Seite: Wieso willst du denn die Dinge, die dich vom gesund und erwachsen werden abhalten, unbedingt aufbewahren? Ich rate jetzt mal ins Blaue hinein: Kann es sein, dass ein Teil von dir nicht gesund und erwachsen werden will? Denn das würde ja bedeuten, vieles loszulassen, Verantwortung übernehmen zu müssen, sich auch innerlich zu verändern und zu entwickeln. Das aber halte ich für einen wichtigen Prozess, um eine Person zu werden, die ein inneres Gleichgewicht hat und nicht in einem erwachsenen Körper und Umfeld kindlich agiert. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht nur in der Partnerschaft, sondern auch im Beruf, evtl. bei der Kindererziehung, Probleme mit sich bringt.

      Ich selbst bin gerade an einem Punkt, an dem ich mithilfe der Therapie erkenne, dass ich in vielem noch kindliche und jugendliche Gefühls- und Verhaltensmuster habe, und dass diese viele meiner Probleme verursachen. Am Anfang habe ich das total abgewehrt, mittlerweile akzeptiere ich das und arbeite daran - und ich bin älter als du und schätze mal, dass ich kein Einzelfall bin. Ich halte es daher für wichtig, zu erkennen, welche kindlichen/jugendlichen Strukturen man hat und was diese einem bringen. Letztlich hat man ja einen Nutzen davon oder vor einem neuen, unbekannten Weg zu viel Angst. Konkrete Dinge zu verändern - beispielsweise kindliche Vorlieben oder Gegenstände weniger stark im Alltag zu integrieren - hilft mir sehr. Natürlich ist es anfangs unangenehm, macht Angst und tut mir persönlich oft sehr weh. Aber ich merke auch, wie ich größere Freiheit erlange und mich mehr mit mir anfreunde.
      Das mal so als Gedanke dazu.

      Liebe Grüße
      Fylgja
      Therapy only works when we have a genuine desire to know ourselves as we are. Not as we would like to be.
      ~ Hannibal, S2E9

      hallo stundenglas,

      ich sehe das auch nicht unbedingt als zielführend an. auch glaube ich, dass gesund und erwachsen sein nicht an gegenständen hängen kann bzw. durch eine "verbannung" dieser (leichter) herbei geführt werden kann. zumal der prozess des erwachsen werdens denk ich bei den meisten menschen länger als bis 20 dauert :) und das halte ich auch durchaus für normal. was bedeutet denn für dich gesund und erwachsen sein, bzw. was stört dich momentan noch bzw. was hältst du nicht für adäquat?

      wenn es dir trotzdem wichtig erscheint, dich äußerlich von diesen symbolen zu distanzieren, kannst du dir ja eine schöne große truhe oder etwas ähnliches besorgen und die dinge,die dir wirklich noch etwas bedeuten, dort ganz bewusst in einer art schatzkiste im kellerabteil deponieren. das ist wesentlich günstiger als eine ganze eigene wohnung und erfüllt denselben Zweck. Wenn Du zudem versuchst, dem kindlichen im ganz normalen Alltag einen angemessenen Platz zu geben, innerlich wie äußerlich, aber nicht einen abgeschotteten ganz eigenen, der mit dem Rest nicht verbunden ist, scheint mir das sinnvoller..

      ich glaube auch nicht, dass man sein ganzes kindliches wesen mit dem erwachsenenalter ablegen kann , muss oder sollte. ich weiß zwar nicht, auf was du dich konkret beziehst, aber ich sehe an kuscheltieren, Kunst etc erstmals nichts schlimmes. Man kann sich ein Faible für Kuscheltiere bewahren und trotzdem erwachsen und verantwortungsvoll agieren, da sehe ich keinen Widerspruch.
      Ich glaube sogar eher, dass es zielführender ist, diese kindlichen wesensanteile zu intergrieren zu versuchen, anstatt sie "auslagern" oder komplett verbannen zu wollen. Meine Gedanken dazu.
      Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will."
      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
      Die Ursache bin ich selbst! (Thomas Bernhard) :thumbsup:

      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)
      Huhu,

      ich würde das ähnlich wie meine Vorredner sehen.
      Ich finde das Integrieren sinnvoller und wäre finanziell zu geizig.

      Bei mir ist es so, ich hab 1-2 Kontakte, die ich aus jugendlichen Denkmusterzeiten kenn. Mit denen schreib ich schonmal virtuell und reflektier damit indirekt wann und wie ich eventuell in solche Muster fall. Sorry kann es nicht so richtig erklären.
      Ansonsten hab ich 1-2 Kisten mit alten Schulunterlagen, alten Liebesbriefen, Tagebüchern etc, die im Wohnzimmer und im Keller stehen.
      Eine große Kollage aus früherer Zeit hängt im Wohnungsflur, mein allererster Teddy und ein weiteres Steiftier stehen im Schlafzimmer.

      Mich interessiert aber noch ein bisschen mehr was du dazu fühlst.
      Fehlt dir vielleicht ein Rüchzugsort oder -zeit? Oder der intensivere Kontakt mit kindlichen Gefühlen, die im Alltagsstress vielleicht kaum Raum finden?
      Ist nur geraten, vielleicht kannst du das noch etwas für dich ergründen oder uns erklären..

      Du schreibst ja fantasierückzugsort.. Wie wäre es denn mit Imaginationsübungen? Ich denk jetzt nicht an eine vorgefertigte “sicherer Ort“ Übung aus dem Lehrbuch, sondern an etwas individuelles, eine Vorstellung/Imagination, die dir hilft mal 15 min bei dir und deinem Innersten zu sein.