Umbruchphase - alles verändert sich

      Umbruchphase - alles verändert sich

      Hallo! :)
      In meinem Leben zeichnen sich im Moment viele Umbrüche ab und ich muss mir das ganze jetzt einfach mal von der Seele reden, vielleicht hat ja auch jemand liebe Worte für mich.

      Anfang Septemper bin ich von zuhause alleine in eine Großstadt gezogen. Worauf ich mich total gefreut hab hat sich ziemlich schnell als herausfordernd herausgestellt, im Oktober ging es mir zunehmend schlechter. Deswegen war ich dann auch bei einer Beratungsstelle, wo ich mich einmal ausk*zen konnte, bei einer akuten Situation Hilfestellung bekommen habe, dann an einen anderen Berater im Träger weitergeleitet wurde, nochmal alles erzählen sollte. Und dann kam zum ersten Mal auf, dass ich eventuell zu jung sei, wahrscheinlich könne man eine Ausnahme machen aber das spreche man erst im Team ab. Zwei Wochen später der ernüchternde Anruf, tatsächlich nimmt die Beratungsstelle niemanden U21 an, Alternativen wüsste man spontan nicht, ich soll es mal bei der psychologischen Beratungsstelle der Uni versuchen. Da musste ich mich extrem zusammenzureißen nicht sofort am Telefon zu weinen, ich hatte mich schon auf die Menschen dort eingestellt. Und da die Beratung an der Uni noch niedrigschwelliger war, hatte ich ehrlich gesagt keine großen Hoffnungen, mangels Alternativen habe ich es dann aber schließlich doch probiert.

      Zum Glück komme ich auch mit der Beraterin der Uni super klar . Eigentlich sogar besser als mit den Leuten vorher, ich habe wirklich das Gefühl, sie versteht mich, mMn hat sie auch einen etwas "therapeutischeren" Ansatz. Aber auch hier wurde schnell klar, dass die Hilfestellung zu kurzfristig und oberflächlich wäre. Andere Beratungsstellen, die die Altersbeschränkung nicht haben,waren auch hier nicht bekannt. Dazu muss ich auch sagen,dass auch die Beratungsstelle, bei der ich war, nirgends das Alter eingegrenzt hat (auf deren Internetseite z.B.)

      Die Beraterin hat dann entdeckt, dass eine klinik hier in der Nähe eine Station für das Alter, in das ich falle, hat. Bietet sich natürlich an, weil ich mit 18 üblicher Weise sowohl von Erwachsenen-, als auch von Jugendtherapeutem aufgrund meines Alters abgelehnt werden könnte. Angebote sind sowohl (Teil-)stationär als auch ambulante Behandlung, aber auch eine Vermittlung an andere Hilfen. ich habe mich da gemeldet und jetzt schon am Dienstag! Einen Termin.

      Einerseits freue ich ich mich unglaublich, ich weiß, es ist nur ein Erstgespräch, aber nur eine Woche Wartezeit ist ist ja schonmal super. Andererseits habe ich einfach eine extreme Angst, weil ich früher immer wusste, was ich "habe" (wenngleich ich auch noch nie eine Diagmose ausgesprochen bekommen habe) und mittlerweile einfach total unklar ist,ob da nicht eher was anderes mitspielt.

      Gerade heute sind die Zweifel groß, weil ich es nach mehr als zwei Wochen zum ersten Mal wieder geschafft habe, in eine Vorlesung zu gehen und ohne Panik einzukaufen. Witziger Weise ging es in der Vorlesung darum, wie innere Überzeugungen unsere Gedanken/Gefühle und am Ende unser Handeln negativ beeinflussen können. Ich hab mich da so angegriffen gefühlt, natürlich war die
      Anwendung nicht auf psychische Krankheiten bezogen und mich hat auch niemand angesprochen, aber ein Teil von mir schreit die ganze Zeit, dass ich mir das alles nur total einrede, mich deswegen absichtlich "krank" verhalte, eigentlich nichts habe und das am Dienstag auch sagen soll..was mir natürlich jede Art von Hilfe verwehren oder erschweren würde.

      ich weiß aber auch nicht wirklich, was ich mir von dem Gespräch erhoffe. ein sehr großer Teil von mir hofft sogar, dass mir keine Hilfe
      angeboten wird und ich einfach wieder gehen und das als weiteres "Abschieben" abhaken kann, ein anderer Teil will alles annehmen, was mir da geboten wird. Am liebsten noch mehr. Ich habe wirklich keinen sicheren "Anker" in meinem Leben, also halte ich mich an den "offiziellen" Hilfen fest. Wenn das jetzt irgendwie Sinn macht.

      Mit meiner Berateein habe ich heute gesprochen, sie meinte, falls die Klinik mir kein Angebot macht, soll ich trotzdem Druck machen und nachhaken, was denn Alternativen wären. Hahe auch eine furchtbare Angst, dass sie mich loswerden will || Dabei kann ich verstehen, dass sie nur mein bestes will und nicht ewig Kapazitäten für mich hat (bin wöchentlich da [...])

      Es ist doch zum Verrücktwerden, ich will nicht nochmal alles erzählen, nur um dann weitergeschickt zu werden. Ich bin echt froh, dass ich kein Problem (mehr) damit habe, offen über meine Probleme zu reden, sonst hätte ich sicherlich zwischendurch schon aufgegeben...

      Morgen (bzw heute, in 4 Stunden) muss ich bei meinem Hausarzt anrufen, weil ich noch eine Überweisung brauche.

      Hat jemand vielleicht ermutigende Worte zu meiner Situation?
      Habe die letzten Tage viele Erfahrungsberichte hier gelesen und ich war auch schonmal ambulant in Therapie, aber diesmal ist irgendwie alles anders...

      [Edit: Satz entfernt. Bitte achte auf die Forenregeln und Löschkriterien / Fylgja]
      "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten." - Hilde Domin

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      Hallo Gleichgueltig,

      bei mir fing das auch so an, als ich in geschätzt deinem Alter war. Einerseits habe ich einige kurzfristige Angebote gehabt, die mir letztendlich immer wiederholt haben, dass ich was Längerfristiges suchen sollte, andererseits waren die kurzfristigen Angebote wie eine kleine Verschnaufpause bei dem "Run" nach der eigentlichen Therapie und deren Beginn. Ich hatte sogar unverschämtes Glück, dass ich mit Hilfe einer Einweisung in eine Fachklinik sogar eine 8-wöchige stationäre "Pause" einschieben konnte. Meine ambulante Therapie begann dann erst 1/2 Jahr später. Aber die acht Wochen taten irgendwie gut, weil ich auch Leute wie mich und deren Probleme kennengelernt habe. Da fühlte ich mich nicht mehr so allein. An ein Forum wie dieses habe ich damals überhaupt nicht gedacht. Da bist du heute schon wesentlich weiter als ich.

      Ich kann dich verstehen, dass wenn man allein in eine größere Stadt kommt, dass man da erst mal anfängt zu schwimmen und sich verloren vorkommt. Wenn du bereits Kontakte zur Uni hast, was hindert dich, an Uni-Veranstaltungen wie Sport-Ag etc. teilzunehmen? Wäre so eine Idee von mir, denn da hast du wenigstens die Möglichkeit, mit Gleichen in Kontakt zu treten und lockere Verbindungen aufzubauen. Am Anfang meines Studiums bin ich oft auch bei Fachschaftsveranstaltungen gewesen. Auch da gab es viele Kontaktmöglichkeiten, und das Ganze dann noch etwas fachlich orientierter. Das hat mir auch beim Sortieren für den Studienstart geholfen. Aber vielleicht machst du das ja auch schon.

      Ansonsten schau mal bei anderen Organisationen wie VHS, Vereine, ehrenamtliche Gruppen etc. vorbei. Die, die ich kennengelernt habe, sind immer ganz aufgeschlossen gewesen. Damit findest du einen anderen Anker als das Warten auf Therapie für dich und denkst nicht permanent nur daran.

      Mit der Hartnäckigkeit und dem Nachfragen hat deine Beratung schon recht. Manchmal sind die, mit denen man redet, einfach zu sehr in ihrer Maschinerie drin, als das sie für dich auf weiterführende Möglichkeiten kommen. Also ist das Nachfragen die einzige Möglichkeit, einen kleinen Stups auszuüben, muss ja nicht gleich mit der Brechstange sein ;) . Meine Erfahrung ist jedenfalls: Fragen hilft immer.

      Wenn du das Erstgespräch machst, dann versuch neben deiner Schilderung dessen, weswegen du gekommen bist, auch ein bisschen darauf zu achten, ob du ein gutes Gefühl zu der Person dir gegenüber hast. Klingt zwar trivial, aber in der Aufregung des Gesprächs vergißt man das schnell. Und hinterher merkt man dann, dass das mit der Chemie einfach nicht paßt.

      Wenn das Gespräch nicht weiterführend mit Perspektiven für dich ist, frag bei deiner Krankenkasse nach Übersichten zu Therapeuten/Innen nach. Auch Fachärzte wie Neurologen haben solche Übersichten (jedenfalls meiner) und können spezifische Hinweise geben. Wenn dein Hausarzt gut ist, kann auch er/sie dir vielleicht noch Tipps geben.

      Der Weg, den du begonnen hast, ist sicherlich mit Mühen gepflastert, aber stell dir einfach mal vor, wie es ist, wenn du irgendwann zurückblicken und zu dir sagen kannst: "ja - es war anstrengend, aber gut. Es war richtig, dass ich es gemacht habe. Ich habe durchgehalten. Ich habe alles verdient, was ich erreicht habe."

      Denn das ist es: du hast ein Recht darauf, dass du zu dir findest, dass du begleitende Hilfe auf deinem Weg bekommst.

      Ich steck dir jedenfalls in deinen Rucksack ne große Portion Zuversicht, Daumendrücken und Ausdauer rein.
      Ach ja und nicht zu vergessen: eine Riesenportion Liebe zu dir selbst (vergißt man leider allzu oft :) ).

      lg Elfenspiegel
      Vielen Dank, dass du dir die Mühe gemacht hast, alles zu lesen und so ausführlich zu antworten!

      Wie meinst du das mit den Verschnaufpausen nach dem Beginn der Therapie? Bist du dann noch weiterhin dahin gegangen?

      Für mich sind die niedrigschwelligen Angebote eben einfach neu. Damals habe ich einfach sofort bei einer Therapeutin angerufen und dann vor mich
      hinvegetiert, bis der erste Termin war. Das ging ja, ich hab noch bei meiner Familie gewohnt. Ich habe auch da schon ziemlich an meine Hilfe
      geklammert, hatte bei allem was passiert ist den Gedanken "ok das musst du nächstes Mal erzählen" etc., was ich aber damals nicht erkannt hab.
      Insgesamt bin ich mittlerweile viel reflektierter und "vernünftiger" und denke, dass das ein großer Pluspunkt für mich ist, denn jetzt erkenne
      ich es ja und kann zumindestens versuchen, mich anders zu verhalten. Heute hat meine Beraterin mir zum Beispiel mitgeteilt, dass sie unseren
      nächsten Termin einen Tag nach hinten verschieben muss. Der klammernde Teil in mir hat sofort Panik geschoben [...] Ich hab mir dann aber mal einen Moment genommen, geguckt, was noch in mir vorgeht uns siehe da: Der autonome Teil in mir hat
      angefangen zu "meckern", dass ich sowas ja nicht immer ausnutzen kann und defnitiv auch mal einen Tag auf eigene Verantwortung überstehe. Die
      (intensive) Auseinandersetzung mit meinen Anteilen hilft mir im Moment extrem, nicht jedes Bitten um Hilfe zu unterlassen.

      Mein Problem mit den Sozialkontakten ist einfach, dass ich im Moment nicht so wirklich kann/will. Ich habe einen "Freundeskreis" in der Uni, jedoch
      scheint kein ernsthaftes Interesse zu bestehen, auch nach der Uni mal was zu machen - außer Lerngruppen.

      Ich war bei einer Theater-AG, das erste Treffen war auch super, aber es ist im Sand verlaufen. Und vor ein paar Tagen hab ich dann in ner
      Kurzschlussreaktion eine Mail geschrieben, dass ich leider in Zukunft nicht mehr kommen könne. Da ich im Moment echt antriebslos und ängstlich
      bin, ist es für mich selbst nicht einfach, mich aus dem Haus zu kriegen...Ohne Verpflichtungen fällt da wenigstens der Druck weg.
      Mittlerweile bin ich einfach froh, wenn alles (und vor allem jeder) mich in Ruhe lässt. Außerdem habe ich einen gewissen Selbstanspruch á
      la: Wenn du es nicht schaffst, arbeiten zu gehen, darfst du dir auch keine andere Beschäftigung suchen. Andererseits macht es mich natürlich
      auch extrem traurig, in so einer schönen Stadt zu wohnen und nichts davon zu sehen.

      Bezüglich der des Erstgesprächs hast du natürlich recht. Ich mache mir da immer zu viele Sorgen, eigentlich ist ja auch unwahrscheinlich, dass nur ein "wir können Ihnen nicht helfen, gehen Sie bitte wieder" kommt. Und wenn doch mach ich mich einfach mal kurz für mich selbst stark. Wegen des Gefühls mache ich mir eigentlich keine Sorgen, zumal ich ja nicht weiß, ob ich nicht doch weitergeleitet werde. Aber eine leichtfertige Entscheidung werde ich da auf keinen Fall treffen.

      Elfenspiegel schrieb:


      Der Weg, den du begonnen hast, ist sicherlich mit Mühen gepflastert, aber stell dir einfach mal vor, wie es ist, wenn du irgendwann zurückblicken und zu dir sagen kannst: "ja - es war anstrengend, aber gut. Es war richtig, dass ich es gemacht habe. Ich habe durchgehalten. Ich habe alles verdient, was ich erreicht habe."

      Denn das ist es: du hast ein Recht darauf, dass du zu dir findest, dass du begleitende Hilfe auf deinem Weg bekommst.

      Ich steck dir jedenfalls in deinen Rucksack ne große Portion Zuversicht, Daumendrücken und Ausdauer rein.
      Ach ja und nicht zu vergessen: eine Riesenportion Liebe zu dir selbst (vergißt man leider allzu oft ).


      Das ist unglaublich lieb, ich habe mir einen Teil davon aufgeschrieben und an meine Pinnwand gehängt.
      Im Moment bin ich auch gar nicht so aufgeregt, wie ich gedacht hätte. Die Überweisung habe ich jetzt hier liegen und mehr als warten kann ich jetzt eh nicht mehr machen.

      [Edit: Satz entfernt. Bitte beachte die Forenregeln und Löschkriterien / Fylgja]
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      hallo gleichgueltig,

      zu deiner Frage nach Verschnaufpause: hab meistens 3-4 Termine gehabt, so dass schon ein bisschen "Gespräch" aufkommen konnte. Und damit hab ich für mich die Zeit bis zu einer richtigen Wahl/Zusage/Therapie/Klinikaufenthalt überbrücken können. Das hat mir an der einen oder anderen Stelle den Druck herausgenommen warten zu müssen. Manchmal tut es einfach gut, ein Signal des "Verstehens" zu bekommen. Meine Freunde/Innen wollte ich nicht mit meinen Dingen belasten.
      Einmal hab ich auch ein 3/4 Jahr auf einer Warteliste gestanden, um auf Nachfrage zu erfahren, dass ich ja im Urlaub war, und man mich deshalb nicht berücksichtigen konnte. Dass ich für 1 Woche Urlaub machte, hatte ich dort aber schriftlich mitgeteilt. Ergebnis meinerseits: war wohl das Beste für mich , dass ich dort nicht genommen wurde ("think pink" ;) ).

      In der Zeit hab ich auch mit dem Schreiben angefangen. Auch das war für mich irgendwie wie ein Geländer, an dem ich mich langhangeln konnte. Vielleicht noch mal eine Möglichkeit für dich.

      Wünsche dir, dass du noch viele zusätzliche positive Gedanken für deine Pinwand bekommst und lieben Dank :) .
      lg Elfenspiegel
      Achso, ja das kann ich nachvollziehen. Wenn man lange Wartezeiten vor sich hat, ist es einfach hilfreich, in der Zwischenzeit jemanden zu haben, der einfach da ist. Und dadurch, dass ich wirklich positive Erfahrungen mit den Pädagogen mache, habe ich auch einfach mehr Hoffnung, dass man mir wirklich helfen kann. :smile:

      Schreiben... Ja, das hab ich auch schon länger im Kopf. Im Moment habe ich aber eher eine Blockade, werde das mal im Hinterkopf behalten

      Gestern hatte ich den Termin in der Klinik. Es war schon ein deutlicher Unterschied zu den Gesprächen in den Beratungsstellen bemerkbar, mein Gegenüber hat das Gespräch gelenkt, sodass ich viel eher auf den Punkt kam. Die Frau war super lieb und aufmerksam, hat viele Fragen gestellt, die nicht im direkten Zusammenhang mit irgendwelchen Diagnosen standen und sich entschuldigt/korrigiert, wenn sie gedacht hat, dass mich ihre Ausrucksweise triggern könnte. Entlastend fand ich auf jeden Fall die Tatsache, dass ich mich noch nicht zu meinen "Behandlungswünschen" äußern musste, weil ich da eben extrem unsicher bin. Außerdem bin ich zum ersten Mal auf jemanden getroffen, der etwas mit meinen doch sehr speziellen Albträumen anfangen kann.

      Mir wurden Fragebögen mitgegeben, die ich ihr noch ausgefüllt zuschicken soll und nächste Woche haben wir den nächsten Termin, dann geht es auch in Richtung "Wie kann mir geholfen werden". Eigentlich bin ich gerade sehr optimistisch, aber was die Zukunftsperspektive angeht, bin ich mir eher unsicher. Entweder werde ich nämlich irgendwie weitervermittelt, oder ich bleibe bei der Psychologin mit der ich gesprochen habe, aber dann gehe ich von der gewöhnlichen Wartezeit aus Und natürlich "klammere" ich jetzt schon wieder, weil ich so gerne bei ihr bleiben will... :unhappy:

      Naja, mal sehen was bei der Sache rauskommt. bis zum nächsten Termin kann ich ja eh nur abwarten... Und die positiven Dinge im Leben sehen. War gestern Mal wieder (für mehr als eine Vorlesung) in der Uni und wurde total positiv von meinen Leuten aufgenommen. Und für nächste Woche wurde ich zum Weihnachtsmarkt eingeladen =)
      In solchen Momenten frage ich mich dann auch, ob ich wirklich therapiert werden muss, ich weiß ja eigentlich, wie ich mein Leben optimalerweise führen "sollte", ich kann es nur nicht umsetzen... :rolleyes:
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      Kurzes Update, falls noch jemand mitliest:

      Beim letzten Termin wurde ich auf die Warteliste für einen stationären Aufenthalt gesetzt. Ich bin noch total überrumpelt, ich habe zwar schon das Gefühl, dass er mehr als notwendig ist, aber auch so viele Zweifel... geht es mir wirklich schlecht genug dafür? Die Psychologin meinte, sie schätzt mich als so ehrgeizig/stabil ein, dass ich mich wohl auch jahrelang durchschlagen könnte, was aber natürlich nicht Sinn der Sache sei, bei dem Leidensdruck den ich im Moment habe. Aber damit nehme ich ja irgendwie schon jemandem den Platz weg, der ihn dringender bräuchte als ich? :/
      Anfang Januar kann ich mir die Klinik angucken, wenn ich dann wirklich den Schritt wagen will, hab ich dann nurnoch die Wartezeit von ~2 Monaten.
      Ich habe wirklich totale Angst, dass ich mit meinen Empfindungen und Problemen nur übertreibe, alles schlimmer darstelle als es ist und ich dann am Ende in der Klinik total fehl am Platz wäre... Andererseits nehme ich manche meiner Probleme (v.a. im Nachhinein) oft nicht ernst, ich kann das alles objektiv überhaupt nicht einschätzen.

      Ich suche jetzt auch ambulant nach einem Therapeuten, für die Zeit nach dem Aufenthalt (oder, falls ich nicht gehe, alternativ zu diesem).
      Und nebenbei muss ich versuchen, mein Privatleben irgendwie im Gleichgewicht zu halten, was mir aber zunehmend schwerer fällt...

      Ich wünsche mich gerade einfach nur in Zeiten zurück, in denen alles schlimm war, aber sich wenigstens nichts verändert hat :(
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      Hallo gleichgueltig,

      das ist doch erst mal eine gute Neuigkeit, denn ich glaube, dass ein Klinikaufenthalt ein "in kompakter Weise an sich arbeiten" bedeuten kann. Du liest richtig "kann", denn letztendlich ist es deine Chance - nutzen musst und kannst nur du sie.

      Das mit dem "andere haben größere Not und Bedarf" - ich denke, viele von uns haben das gleiche Programm im eigenen Kopf laufen. Also wenn wir alle nicht bedürftig genug sind, einen solchen Platz zu beanspruchen, wer ist es dann? Denn in dessen Kopf läuft vermutlich das gleiche Programm ab: irgendwie widersinnig aber logisch. Ich denke schon, dass eine stationäre Maßnahme gut und geeignet sein kann. Also wiederhole ich mich gern: nutze sie für dich.

      Ambulant für die Zeit danach vorzusorgen, ist eine gute Idee, die auch einiges an Zeit braucht, bis du eine Folgetherapie hast. Je besser du anknüpfen kannst, um so mehr kannst du wahrscheinlich für dich gewinnen.

      Ach ja - noch zum Schluß - und ich kann nur für mich sprechen: "es interessiert mich". Was mir noch auffällt: Vielleicht suchen wir uns unseren Nick nach der Rolle aus, die wir spielen wollen ;) ; ob da was dran ist?

      Und ja: bekanntes Übel ist ein verlässlicher Zustand, nur kein guter.

      lg die Elfe
      Hallo,

      Ich habe jetzt gar nicht alles gelesen, hoffe die Antwort passt trotzdem, wenn nicht dann einfach ignorieren :)

      Schaust du dir denn eine akutklinik an? Mich hat das beruhigt das es eben keine war, dann könnte ich ja quasi niemand einen ganz ganz dringenden Platz weg nehmen. Deswegen gibt es da ja Wartelisten, akut ist meistens schneller was möglich.
      Mir hat der Klinikaufenthalt was gebracht, auch wenn Ichs so noch eine ganze Weile geschafft hätte. Aber macht es denn Sinn erst in die Klinik zu gehen wenn nix anderes mehr geht?

      Der Vergleich hinkt zwar, aber ein Auto kommt ja auch in die Werkstatt sobald die erste Kontrollleuchte an geht und nicht erst wenns schrottreif ist.

      Vielleicht hilft dir das als Gedanke? Das du jetzt hin gehen kannst und niemandem den Platz weg nimmst, du hast ja vor die Zeit für dich zu nutzen also kannst du da gar nicht so viel falsch machen:)

      Liebe Grüße,
      wolfsmond
      Aus den Trümmern meines Lebens bastl ich mir eine eigne Welt,
      Sie wird nicht bunt, sie wird nicht leuchtend, sie wird wie sie MIR gefällt!
      Tut mir leid, dass ich jetzt erst antworte, gelesen habe ich eure Beitrage schon damals, nur haben mir die richtigen Worte gefehlt.
      Im Januar hatte ich die Stationsbesichtigung. Danach hatte ich noch einen Termin bei der Psychologin, bei der auch mein Erstgespräch stattfand. Dadurch, dass bei dem Besichtigungstermin auch jemand da war, mit dem ich nicht gleichzeitig stationär sein möchte, hätte sich das Ganze für mich vermutlich bis August herausgeschoben. So lange kann/will ich nicht warten, deswegen geht es für mich bald teilstationär dorthin.

      @wolfsmond: Passt natürlich trotzdem was du schreibst, danke. Das mit den Akutplätzen wurde mir in dem "Nachgespräch" dann auch noch erklärt, als ich meine Sorge angesprochen habe. Ebenso, dass es gerade in Kliniken immer Menschen geben wird, denen es (scheinbar) schlechter geht als einem selbst, ich mich davon aber nicht verunsichern lassen soll. Tatsächlich war es nämlich in der Gruppe so, dass man der ein oder anderen Person wirklich angesehen hat, wie schlecht es ihnen geht (Augenringe, Ausstrahlung...). Die kommen nicht auf die Akutstation, trotzdem könnte ich theoretisch jemandem von ihnen den "Platz wegnehmen"...wobei die Befürchtung mittlerweile gar nicht mehr so präsent ist. Der Vergleich mit dem Auto in der Werkstatt ist mir in den letzten Monaten wirklich oft durch den Kopf gegangen, danke dafür.

      @Elfenspiegel: Auch dir erstmal Danke. Als ich den Thread aufgemacht habe, war das "alles verändert sich" für mich so negativ konnotiert und hat mir solche Angst gemacht, langsam normalisiert sich das ganze etwas. Es passiert sehr viel, aber wie du sagst - Veränderung ist besser als bekanntes Übel. Einen ambulanten Therapeuten hab ich noch nicht gefunden, aber seit ungefähr zwei Wochen bin ich ständig am telefonieren. Obwohl ich echt Angst vor dem telefonieren habe. Ich wusste zwar, dass die Wartelisten lang sind, bisher hat mich aber überhaupt noch niemand auf seine Warteliste gesetzt. Etwas frustrierend, aber kein Grund aufzugeben. Ich hoffe und denke wirklich dass der Aufenthalt mir viel bringen wird, deren Konzept klang wirklich gut und ich bin zu 100% bereit etwas zu ändern, denn weitergehen wie bisher kann es nicht ewig. Mit deiner Vermutung mit dem Namen hast du wohl Recht :smile:



      Hatte in der Zwischenzeit auch noch ein "angenehmes" Gespräch mit dem Studienfachberater meiner Uni - weil ich eigentlich ganz gerne im 2. Semester weitermachen würde und fragen wollte, ob ich die 2-3 Monate Fehlzeit irgendwie entschuldigen könnte. Daraufhin durfte ich mir einen kurzen Vortrag anhören; meinen Ehrgeiz in allen Ehren, aber ob mich wundern würde, dass Krankheit = Belastungspause,...

      Dadurch fiel es mir aber leichter, mich für ein Urlaubssemester zu entscheiden. Das stand auch vorher im Raum, nur hatte ich nicht das Gefühl, ein "Anrecht" darauf zu haben... (Scheint ein Muster zu sein ;) ). Andererseits habe ich wirklich Angst vor den nächsten Monaten, bis das Wintersemester losgeht, muss ich die Zeit ja irgendwie rumkriegen.

      Und genau das ist im Moment auch das was ich versuche, die Zeit rumzukriegen. Wie soll man normal weiter machen, wenn jederzeit der Anruf der Klinik kommen könnte? :/

      Dafür habe ich mir heute zum ersen Mal seit Ewigkeiten bewusst etwas gutes getan und mich abgelenkt, als es mir nicht gut ging, anstatt das ganze einfach auszusitzen, wie sonst. Viele der Veränderungen finden nicht nur um mich herum, sondern auch in mir selbst statt. Und ich muss wirklich einsehen, dass das nicht unbedingt negativ ist.
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      Hallo gleichgueltig,
      ein lieber Mensch hat mir mal ein kleines Bild beschrieben. Er sagte:

      Elfe, stell dir vor, du wärst wie ein großer Dampfer (hey, worauf er das jetzt bezogen hat :D ?) und du willst eine Kursänderung um 90 vielleicht sogar um 180 Grad. Was kannst du machen?

      Du kannst versuchen, das Ruder mit aller Kraft rumzureißen -> und brauchst eine riesige Energie das Schiff auf neuen Kurs zu bringen. Oder du kannst einen kleinen aber spürbaren Einschlag lenken -> du brauchst sicher etwas länger und am Anfang hast du vielleicht das Gefühl, es passiert nichts. Aber wenn du nach einer Weile zurückschaust, siehst du, dass du einen großen Bogen gefahren bist und jetzt auf neuem Kurs. Du hast viel weniger Energie verbraucht, du konntest vielleicht auch die Strömung des Meeres nutzen und den Druck des Windes - du hast die günstigen Momente für dich genutzt.

      Ich hab lange darüber nachgedacht. Und immer, wenn ich das Gefühl habe, dass Änderungen nicht stattfinden oder viel Kraft brauchen, dann weiß ich, dass ich mit anderen Gedanken herangehen muss. Die Kunst liegt für mich wohl darin, die Vorteile um uns herum zu erkennen und für uns zu nutzen und auch mit einem guten Gespür für unsere Energie, die wir zur Verfügung haben, zu arbeiten.

      Heißt nicht: Hände in den Schoß legen und warten bis zur Therapie. Sondern vielleicht kannst du die Zeit nutzen und herausfinden, was dir in kleinen Schritten gut tun könnte und versuchen, das zu genießen. Auch eine Erfahrung, die ich langsam lernen musste und noch immer muss. Vielleicht findest du ja ganz hinten in deinem inneren Kämmerlein Dinge, dir dir einmal gut taten. Probier sie wieder aus und schau, ob sie dir auch jetzt wieder gut tun.

      Einen Therapeuten zu bekommen, ist auch an meinem Wohnort ein mühseliges Unterfangen gewesen. Lass dich nicht entmutigen. Mir hat der konkrete Hinweis meines Psychiaters geholfen, dass ich mich auf seine Empfehlung beziehen sollte. Vielleicht kannst du ja auch von deinem Hausarzt, deinem Facharzt solch einen Hinweis bekommen. Viel Glück.

      lg Elfenspiegel (die jetzt wieder arbeiten muss :) ).
      Liebe Elfenspiegel, Danke für deine Antwort.
      Das Bild mit dem Dampfer gefällt mir sehr gut, tatsächlich erwarte ich immer schnelle, Sichtbare Fortschritte, deswegen passt mir der langsame Weg oft nicht. Wie kraftaufwendig das ist, weiß man meistens erst hinterher.

      Ich hatte das Glück, kurzfristig ein Erstgespräch bei einer Therapeutin zu bekommen, die mir dann wiederum einen kurzfristigen Termin bei einer befreundeten Psychiaterin besorgt hat. Und diese hat mich dann stationär eingewiesen. Krisenintervention. Da hab ich blöd geguckt und erst auch noch gegen diskutiert, aber dann hab ich eingesehen, dass ich anders nicht voran komme. Und
      jetzt bin ich unendlich dankbar, dass mir geholfen wird. ich werd wohl nochmal mehr dazu schreiben, im Moment hab ich da nicht so den Kopf für, wollte mich nur mal melden, damit dein Beitrag nicht noch länger unkommentiert bleibt :)


      Elfenspiegel schrieb:



      vielleicht kannst du die Zeit nutzen und herausfinden, was dir in kleinen Schritten gut tun könnte und versuchen, das zu genießen. Auch eine Erfahrung, die ich langsam lernen musste und noch immer muss. Vielleicht findest du ja ganz hinten in deinem inneren Kämmerlein Dinge, dir dir einmal gut taten. Probier sie wieder aus und schau, ob sie dir auch jetzt wieder gut tun.


      genau daran arbeite ich im Moment und tatsächlich habe ich das puzzeln für mich entdeckt, zuletzt hab ich das als kleines Kind gemacht, jetzt kann ich da wieder total drin aufleben. Andere Sachen wie malen oder lesen klappen je nach Stimmung mal besser oder schlechter. Tee trinken tut mir auch gut. Langsam stabilisiert sich alles ein wenig.


      liebe grüße, gleichgueltig
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      Hallo gleichgueltig,
      Klingt doch toll, dass das so geklappt hat. Dann drück ich dir weiter die Daumen, dass du Stück für Stück und einen Schritt nach dem anderen für dich vorankommst. Puzzeln hab ich auch ne ganze zeit sehr intensiv gemacht, u.a. auch in der einen Klinik, um ab und an die Zeit etwas auszufüllen. haben da teilweise zu Dritt über den Teilen gesessen, bis uns die Nachtschicht ins Bett gescheucht hat :D .

      Es freut mich auch für dich, dass - wie du schreibst - eine gewisse Stabilisierung eintritt. Bleib einfach am Ball und schau, was dir sonst noch gut tun könnte. Auch das Thema "sich einen Anker schaffen" könnte was sein, dann hast du so was wie einen "Rettungsanker", der dich unterstützt. Vielleicht kennst du ja das Thema, ansonsten schreib mir einfach eine PN.

      Jetzt erst mal ein paar entspannte Stunden für dich zu Ostern und schreib mal gelegentlich, wenn dir danach ist, wie's so bei dir voran schreitet.

      lg Elfenspiegel
      Ich habe das Gefühl, mir schlägt gerade alles über dem Kopf zusammen.
      Anfang Mai wurde ich entlassen, etwa da haben auch meine Medikamente angefangen zu wirken und seitdem geht es mir gut...
      Zwei Wochen später wurde ich dann in der Tagesklinik aufgenommen, wo ich ja auf der Warteliste stand. Es gefällt mir hier auch echt sehr, aber ich kann es nicht akzeptieren, wenn es mir gut geht...

      wenn ich einmal nen schönen Tag hatte, muss ich das am nächsten Tag "ausgleichen", es muss mir also deutlich schlechter gehen. Darüber habe ich heute mit meiner Psychologin geredet, ich verstehe auch, warum es so ist. ich identifiziere mich über meine Krankheiten, glaube, ein gesundwerden nicht verdient zu haben und brauche die Aufmerksamkeit, wenn es mir schlecht geht. Sie hat mich aber heute mehrmals provokant gefragt, warum ich denn überhaupt gegen mein dysfunktionales Verhalten arbeite (und damit: warum ich überhaupt hier bin), wenn ich doch so froh bin, wenn es mir schlecht geht. Und wenn Glücklichsein für mich so schrecklich ist.

      Und ehrlich gesagt weiß ich es gerade nicht. Eigentlich gibt es keinen plausiblen grund, warum ich mich behandeln lasse. Ja, als es mir schlecht ging habe ich das nicht mehr ausgehalten. Aber jetzt
      , wo es mir gut geht, halte ich das gefühlt noch viel weniger aus. Ich überlege, den Aufenthalt abzubrechen..aber wie soll es dann weiter gehen? ich sehe gerade absolut keine :unhappy: Lösung

      Wieso kann ich nicht einfach froh sein, dass es mal gut läuft?
      "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten." - Hilde Domin
      Hey,

      ich glaube wichtig ist, dass du dich behandeln lässt nicht damit dich jemand dauerhaft stützt und dir Zeit widmet, sondern um wirklich “gesund“ zu werden. Das erfordert Mut, Lzst Lösungen zu testen und zu finden, Frustrationstoleranz - wobei man auch das trainieren und neu lernen kann.
      Sofern das das Ziel deiner Behandlung für dich ist, bietet der Thread schon zig Gründe in Behandlung zu bleiben.
      Wenn du magst lies seine Beiträge: wieviel Zeit hast du mit Hausarzt, Beratubgsstelle, Urlaubssemester, Klinik etc verbracht? Wieviel hättest du als “gesunder“ Mensch in der Zeit tun können, Nebenjobs, Lernen, Kontakte knüpfen, Hobbies finden oder pflegen?
      Wieviel Kraft hast du mit krieg ich die Uni hin, wie krieg ich es hin, bin ich die Thera wert, soll ich die Tagesklinik weitermachen gedanklich (bin hin zu gefühlt Körperlich) verbracht?
      Abgesehen von der größeren Unbeschwertheit, der größeren Toleranzschwelle gegenüber Stress, Selbstbewusstsein etc pp die es zu gewinnen gilt.

      Ich will sagen, es gibt Hunderte massive plausible Gründe. Klar wirst du nicht mit Behandlung in nem Jahr singend durch die Welt tanzen, aber wenn du dran bleibst wird es pö a pö. Auch “gesunde“ strampeln sich mit sich selbst ab und lernen in jeder Phase über sich und die Welt dazu.

      Bitte entschuldige die blöde Formulierung gesund/nicht gesund. Ich will nur darstellen, dass du dich jetzt selbst belastest und das Ziel ist, dass dich “nur“ die Welt belastet und du die Belastung dazu besser schultern kannst.

      So wie du schreibst klingt es für mich so als wäre es dir bisher selten länger gut gegangen, als wäre das also neu für dich.
      Wer bin ich ohne mein altes Verhalten? Wie geh ich auf Leute zu, wenn nicht dysfunktional? Wie bekomm ich auch wenn es mir gut geht Aufmerksamkeit? Was passiert wenn es mir schlecht geht und ich aufgrund der Besserung meine Stützen abgebaut hab?
      Wenn ganz viel Neu ist, macht das ohne Ende Angst.
      Aber nur weil es dir gut geht und du an bestimmten Verhaltensweisen arbeitest... musst du nicht sofort alles anders machen. Du wirst zwangsläufig hier und da dysfunkrional agieren. Und du darfst es finde ich. Du kannst und musst nicht alles sofort ändern, die alten Verhaltensweisen sind als Netz noch da.
      Und schöner und wichtiger: die alten werden durch neue ersetzt.
      Du bekommst Zuwendung wenn es dir schlecht geht. Therapiestunden, besorgte Familie etc. Aber wenn du lernst Zuwendung zu akzeptieren, zu fordern etc wenn es dir gut geht, oder bevor es dir richtig schlecht geht, ist das noch schöner - und dennoch Aufmerksamkeit.

      Ich hab selbst solange mich mit meiner Krankheit identifiziert und Zuneigung erpresst.
      Heute kann ich sagen “ich bin gestresst, ich schlafe schlecht, xy schwirrt mir im kopf rum, uch weiß es ist irrational aber xy macht mich fertig“ und bekomme due gleiche Aufmerksamkeit bevor der Teekessel panisch pfeift. Und belaste dabei noch nicht mal meine Beziehungen.

      Ich hoffe ich klinge nicht zu barsch, belehrend oder projeziere zuviel ;)
      Eigentlich will ich nur sagen: Nur Mut. Das was jetzt neu und fremd ist, ist übermorgen angenehme Gewohnheit.
      Sei es neues Verhalten oder das sich-gut-fühlen.
      Liebe Swollen, danke für deine Antwort. Ich habe sie damals gelesen, kam nur nicht dazu, dir zu antworten und irgendwann hab ich es vergessen.
      Deine Worte sind weder barsch noch belehrend und projezierend, sondern hilfreich.

      Ich habe den Aufenthalt durchgezogen und bin jetzt in ambulanter Therapie, da habe ich zum Glück relativ schnell jemanden gefunden, mit dem alles passt. Außerdem hab ich meine Psychiaterin gewechselt. Es ist wirklich krass, wo ich vor einem Jahr stand. Und die Verbesserung macht mir Angst.
      Ich "darf" ja nicht gesund werden.
      Ich "will" ja nicht gesund werden.
      Fühlt sich gerade mal wieder auswegslos an, deswegen hab ich wohl heute wieder hergefunden.

      Andererseits hast du natürlich recht wenn du sagst, dass ganz schön viel meiner Zeit für meine Krankheit(en) draufgeht. Wenn ich so darüber nachdenke ist das zwar traurig, fühlt sich aber auch richtig an. "Das hab ich so verdient. " Woher weiß ich, ob das ein Glaubenssatz oder eine realitsische Einschätzung ist? Das hat mit in allen Therapien noch niemand verraten.


      Swollen schrieb:



      Ich will nur darstellen, dass du dich jetzt selbst belastest und das Ziel ist, dass dich “nur“ die Welt belastet und du die Belastung dazu besser schultern kannst.

      Das klingt auf jeden Fall schön.

      Ja, es stimmt, der gute Zustand ist ungewohnt und neu und macht Angst. Meine Therapeutin in der TK meinte auch zu mir, dass sobald ich "gesund genug" bin, ich automatisch meine Zeit lieber für was anderes als fürs kranksein verwenden will. Kann ich mir nur nicht vorstellen. Ich weiß nicht wie andere Leute das machen - sich nicht über die Krankheit definieren und mit "einer anderen Art von Aufmerksamkeit" konform gehen. Vielleicht kann ich das ja gar nicht, vielleicht stimmt mit mir irgendwas nicht. (hier wieder - Glaubenssatz oder realistische Einschätzung? Ich weiß ja, wie es aussieht, aber ich könnte doch auch recht haben?)

      Tut mir Leid, wenn das irgendwie zu wirr war, um es zu verstehen.

      Edit: ich lasse das jetzt nicht so negativ stehen, wie ich es geschrieben habe.
      Ich habe viel erreicht, ich hab meinen Studiengang gewechselt, mich beim Sport angemeldet, ich hab Ängste abgebaut, die Beziehung zu meiner Familie verbessert, neue Menschen kennengelernt. Es ist nicht alles schrecklich. Veränderung kann gut sein. Ich kann es aushalten, zu sagen, dass mir positive Dinge passieren...
      "Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise, wie einem Vogel, die Hand hinhalten." - Hilde Domin

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