Vertrauensverlust in der Therapie

      Vertrauensverlust in der Therapie

      Hallo zusammen,

      ich bin gerade verzweifelt. Seit ziemlich genau einem Jahr mache ich (nach etlichen Jahren Verhaltenstherapie, Klinikaufenthalten mit Ergo-, Musik- usw. Therapie) eine Psychoanalyse. Es ist sehr anstrengend und ich hab in meinem Leben noch nie so viel geheult wie dieses Jahr, aber ich verstehe endlich viel mehr, komme viel tiefer an manche Probleme heran. Letzte Woche hatte habe ich mir die Spirale einsetzen lassen, es war lange Thema in der Analyse, nachdem ich akzeptieren konnte, dass Weiblichkeit, vor allem eben die Körperlichkeit bei mir große Themen sind, die mich unheimlich belasten. Ich habe jahrelang die Pille genommen (alles andere scheidet aus), nicht nur zur Verhütung, sondern auch um Kontrolle über meinen Zyklus haben zu können, also Kontrolle über meinen Körper. Ich habe mich dann intensiv von meiner Frauenärztin beraten lassen usw. und dann war letzte Woche eben der Termin. Das als Hintergrund.

      Im Moment habe ich viel zu tun mit dem Mangel an Trost, Verständnis und Ernstnehmen als Kind. So, ich war gut vorbereitet auf den Eingriff, meine Ärztin und Therapeutin fanden das für mich voll gut, ich fands absolut gut mich so entschieden zu haben (bin ich immernoch, ich spüre nichts mehr davon). Ich sollte vorher Schm*rzmittel nehmen, hab ich auch. Aber der Eingriff selbst hat so wehgetan, ich hatte noch nie solche Schm*rzen. Das war nicht lang, höchstens eine Minute, aber in dem Moment wurde mir schlecht und ich wäre fast ohnmächtig geworden. Ich hab dann mit meiner Therapeutin drüber gesprochen und hab eben dieses Trostbedürfnis gespürt, bin aber noch nicht in der Lage, mich selbst zu trösten. Zunächst ist sie total drüber weggegangen (vielleicht auch nur meine Interpretation) bis ich klar formuliert habe, dass mich weder meine Ärztin noch sie mich gewarnt haben, dass es eventuell sehr schmerzhaft werden könnte und ich mich deswegen unehrlich behandelt fühle. Und als wäre es egal, ob es mir weh tut (letzteres ist meine Interpretation, klar).

      Nun das eigentliche Problem: Meine Thera meinte dann, dass meine Ärztin sich schon etwas dabei gedacht haben wird, dass sie es mir vorher nicht gesagt hat. Und dann hat sie mir von einem Frauenarzt erzählt, der schwangeren Frauen, bei denen er den Eindruck (! nicht die Aussage!) hat, dass sie ein Geschlecht nicht annehmen können, das falsche Geschlecht sagt. Sie fand das sinnvoll, weil sonst könnten die Frauen ihr Kind nicht annehmen und eventuell verlieren. Na klar, und wenn sie ihr Kind dann nach der Geburt nicht annehmen können und sich verraten fühlen ist das egal oder wie? Seit drei Semestern (Master) arbeite ich intensiv mit der Medizinethik und bin daher aus guten Gründen der Meinung, dass medizinisches/pflegerisches Personal zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit verpflichtet ist, weil alles andere einen Machtm*ssbr*uch darstellt und die Würde des/der PatientIn verl*tzt. Gilt für mich eben umfassend, nicht nur bei Krankheiten sondern eben z.B. auch bei Schwangerschaft. Und damit zusammenhängend ist ja klar, dass ich das auch für mich selbst so sehe und will.

      So, und wie nun soll ich meiner Therapeutin jemals wieder vertrauen können, wenn sie diese Lügen und dieses über den Kopf hinweg Entscheiden gutheißt? Sie weiß ganz genau, dass ich Probleme mit dem Vertrauen habe, gerade in der Therapie und dadurch ihr gegenüber, darüber haben wir vor nicht allzu langer Zeit gesprochen. Und ich habe in letzter Zeit bei für mich schweren Themen öfter gesagt, dass das für mich ein Vertrauensbeweis ist wenn ich gewisse Themen anspreche und sie hat mir öfter für mein Vertrauen gedankt, wenn ich ehrlich von aktuellem destr*ktiv*m Verhalten erzählt habe. Aber wie soll ich ihr denn jetzt noch vertrauen? Wo belügt sie mich, weil sie meint, es sei besser so für mich? Ich kann nicht mehr glauben, dass sie das nicht tut. Ich stelle das ganze letzte Jahr infrage, alles, was sich bei mir geändert hat, frage mich, ob ich vieles wirklich aus mir heraus verändert habe (was zum Teil erheblichen Einfluss auf meine Zukunft hat) oder ob sie mich manipuliert hat. Hat sie wie der Arzt, dessen Lügen sie so gut findet, gedacht, sie wisse, was gut für mich sei und mich dahingehend manipuliert und belogen? Klar weiß sie in vielem, was gut für mich ist, sie ist extrem kompetent und hat durch ihre Erfahrung natürlich sofort viel mehr Einblick in mich als ich selbst. Aber hat sie mir immer ehrlich gesagt, was sie sieht? Es geht hier nicht um Verschweigen von Dingen, bei denen sie Sorge hat, dass ich dafür noch nicht bereit bin. Sondern wirklich um das Lügen. Die nächste Sitzung ist erst am Dienstag, gestern konnten wir nicht drüber sprechen, das Tor der Tiefgarage war kaputt (was sie by the way vorher wusste, ich in der Situation hätte mir natürlich nur aus Abwehr nicht am Abend schon eine Mitfahrgelegenheit/öffentliches Verkehrsmittel besorgt, das sagt sie immer, oft stimmt es auch - aber hier auch für sie? Ich weiß ich bin scheiße und ich selber hab noch weniger Bock auf mich und meine Themen, weil es für mich natürlich ungleich belastender ist und ich auch keine knapp 100€ die Stunde dafür bekomme) und deswegen hatten wir nichtmal 20 Minuten. Aber jetzt schlägt das Problem voll zu, ich bin neben mir, ich bin verzweifelt, ich bin wütend und ich hab ne scheiß Angst.

      Was soll ich denn jetzt tun? Wie kann ich ihr wieder so halbwegs vertrauen? Sollte ich das überhaupt? Wie kann ich das denn ansprechen, ohne auszurasten und ohne ihr ohnehin nicht zu glauben, was sie dazu sagt? Ich vertraue ihr gerade absolut nicht, dann werde ich auch dem nicht vertrauen, wenn sie mir erzählt, ich könne ihr vertrauen und sie lüge mich nicht an. Klasse. Aber ich kann nicht abbrechen, ich hab mich letztes Jahr bis auf die Intensivstation gebracht (was kaum wer weiß, die meisten glauben an andere Gründe außer ihr und meiner Ärztin und ein, zwei Freundinnen), ich brauch die Hilfe, ich schaff den Alltag sonst nicht und ich hab nen halbes Jahr gebraucht, sie nicht mehr extrem abzuwehren, das schaffe ich nicht nochmal bei jemand anderem.

      Sorry, ist jetzt doch länger geworden, das musste alles mal raus, ich muss das irgendwem mitteilen. Mit der Freundin, mit der ich sonst rede und die mich zumindest emotional gut abfangen kann, kann ich nicht reden, sie hat im Moment mehrere wichtige Abschlussprüfungen. Mit meinem Freund kann ich da auch nicht drüber reden, der steht grundsätzlich auf der Seite der Therapeutin und versteht nicht, warum mich das emotional so erschüttert. Ich verstehs ja auch nicht, aber ich bin grad emotional so durcheinander. Wenigstens kann ich mittlerweile mit sowas umgehen ohne mich zu betrinken, dafür rauche ich extrem viel. Danke euch fürs lesen und wahrnehmen und für jede Meinung oder Tipp, den ihr eventuell für mich habt.

      Fylgja.
      Therapy only works when we have a genuine desire to know ourselves as we are. Not as we would like to be.
      ~ Hannibal, S2E9

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      hallo Fylgia,
      ich weiß nicht, ob ich dir wirklich einen Tipp geben kann, es ist schwer, wenn man die beteiligten Personen nicht kennt und die Situation nur aus der Erzählung.
      Aber ich will dir sagen, dass ich deine Reaktion, den Vertrauensverlust ´die Zweifel und emotionale Erschütterung sehr gut nachvollziehen kann. Ich finde es nicht ok, wenn Ärzte Therapeuten oder sonst wer, aber gerade solche Berufe, wo es sehr um Vertrauen geht, einem nicht die Wahrheit sagen oder über den Kopf hinweg entscheiden, was sie für richtig empfinden
      . Da würde ich genauso reagieren wie du und mich ernsthaft fragen, ob ich dieser Person weiter vertrauen kann/soll. Ich verstehe natürlich auch deine Zwickmühle, dass du die Unterstützung brauchst und es für dich schon so schwer war, einmal zu vertrauen, und jetzt das. Aber noch ist ja nicht alles verloren.

      Das ist jetzt nur mein persönlicher Eindruck/Erfahrung, aber vielleicht ist da auch was dran: Mir scheint, es ist ein Spezifikum der Psychoanalyse, dass das sehr distanziert und eher wenig empathisch rüberkommt/abläuft, was die Sache mit dem Vertrauen vielleicht auch schwieriger macht. Jedenfalls hab ich das so erlebt, deswegen ist mir das eingefallen, als du vom Vertrauen geschrieben hast.und ich bekomme am Rande manchmal mit, dass du dich nach der Therapie häufiger sehr mies fühlst, missverstanden, nicht ernst genommen oder in i-eine Richtung "interpretiert" , emotional aber kaum angenommen . Das macht eine tragfähige therapeutische Beziehung wohl auch schwer möglich,wenn sowieso schon Grundvertrauen fehlt , ist das emotionale Angenommenwerden für die Vertrauensbildung zu Beginn sehr wichtig, finde ich.
      Ich hatte einmal auch überlegt, eine Psychoanalyse zu beginnen und bin zu einer Therapeutin, die mir von einem Therapeuten aus der Klinik empfohlen wurde. Aber das war für mich gar nichts. Die Frau zeigte keinerlei Reaktion, alles was sie sagte, waren faktenbetonte kurze Stehsätze, alles wirkte ziemlich mechanisch distanziert.ich dachte, ich rede mit einem Stein, da kommt beziehungstechnisch gar nichts rüber von ihr für mich war das emotional eine Katastrophe und ich hab die Therapie nach den Probesitzungen nicht begonnen.

      Ich weiß nicht, ich glaube, dass das in der Psychoanalyse auch so gewollt ist, dass der Therapeut da keine emotionalen Regungen erkennen lässt, aber ob das für Menschen, die große Probleme mit dem Vertrauen fassen hilfreich ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist das für dich ja auch ganz anders, ist nur mein Eindruck.

      Ihre Aussagen finde ich persönlich ungeachtet dessen ziemlich erschreckend und unangebracht, Also ich kann deine Gefühle absolut nachvollziehen und ich kenne diesen gefühlsmäßigen Aufruhr gut, wenn man nach so einer Sache nicht die Möglichkeit hat, das möglichst gleich zu klären. Aber aus meiner Erfahrung kann ich auch sagen, dass ich auf gewisse Themen und Worte sehr sensibel reagiere, und es dann oft missverständlich bei mir ankommt, was der andere eigentlich gemeint hat. weil da so viel bei mir angestoßen wird dann. Im Nachhinein lassen sich die Dinge dann oft klären, waren nicht so gemeint, wie ich es aufgefasst hatte o.ä. was natürlich im akuten Gefühlsaufruhr nur bedingt hilft. Aber zumindest nimmt es vielleicht ein bisschen das Gefühl, dass jetzt alles aus ist, und kein Vertrauen mehr möglich? Dass zumindest das Gespräch noch Klarheit bringen kann.

      Mir hilft es dann oft zu schreiben, wie du es auch hier getan hast, aber auch nur für mich allein, um für mich eine Möglichkeit zu haben, die Angelegenheit i-wie zu"bearbeiten", auch wenn ein Gespräch erst später möglich ist, bzw. eine Art konstruktives Ventil für all die Gefühle und Widersprüche die dann auf mich einstürmen , zu haben.
      Das ist oft ein sehr zeitintensiver und energieraubender prozess, aber im Laufe des Schreibens "ordnet" sich trotz allem dann Stück für Stück in mir was und ich komme für mich zu einer gewissen Klarheit. Was sind meine Gefühle und warum, was ist da los gewesen, wie stehe ich dazu, was ist für mich da wichtig zu klären noch mit andern.
      und oft kommen dabei auch die Gefühle ein Stück weit zur Ruhe, weil auch sie durch das Schreiben in Fluss kommen, einen Ausdruck finden und "gehört" werden, wenn auch erstmal nur indirekt.
      Vielleicht kannst du das auch für dich versuchen, wenn du dazu die Möglichkeit hast und genug Ruhe findest. Manchmal setze ich mich aber auch einfach nur hin und fange an zu schreiben, auch wenn ich das Gefühl habe, mein Kopf kann gar nicht denken oder ich weiß vor lauter Gefühlen nicht wohin mit mir und hab den Drang ein destruktives Ventil zu suchen. Dann gelingt es dir vielleicht, für dich ein wenig klarer schon bis Dienstag zu haben, was da für dich ins Gespräch gebracht und geklärt werden muss. Ich würde das am Dienstag dann auf jeden Fall möglichst direkt ansprechen, was solche Sätze in dir auslösen und dass du aufgrund dessen jetzt sehr verunsichert bist, in wie weit du darauf vertrauen kannst, dass sie in eurer Arbeit dir gegenüber ehrlich und aufrichtig ist. Vielleicht kannst du ihr ja auch zwischendrin mailen, bei sowas wichtigem? Weiß nicht, ob das für sie ok ist.

      Vielleicht ergibt sich ja auch hier noch ein Dialog oder es kommen Anregungen, die dir auch noch weiter dabei helfen, Dich zu sortieren und innerlich wieder ruhiger und "fester" zu werden für das Gespräch am Dienstag. Das liegt jetzt noch weit weg, aber vielleicht magst du ja dann auch schreiben, wie es gelaufen ist und wie es dir danach geht.

      Ich wollte dir eigentlich vor allem sagen, dass ich das gut nachvollziehen kann und dich wissen lassen, dass du damit nicht alleine bist , wie du fühlst und das sehr verständlich ist.
      Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will."
      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
      Die Ursache bin ich selbst! (Thomas Bernhard) :thumbsup:

      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)

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      Liebe Fylgja,

      wahrscheinlich kannst nur du selbst Antworten finden auf die Frage wie und ob du ihr wieder vertrauen kannst. Oder im Gespräch mit ihr.
      Mein erster Gedanke ist keine spektakuläre Idee gewesen: Wenn du Angst hast mit ihr darüber zu sprechen und dann auszurasten, dann druck das hier oder Teile von dem Geschriebenen hier aus und gib ihr das? Oder schick es ihr heute noch per Mail oder Brief zu, falls das möglich ist?
      Wenn ich das Gefühl habe, es bis zum nächsten Termin nicht gut auszuhalten, dann mache ich das so. Damit ich weiß, es ist zumindest schonmal bei ihr und nicht mehr nur bei mir. Oder ich versuche es als Herausforderung und Aufgabe zu sehen und zu lernen, dass es aushaltbar ist bis zum nächsten Termin damit warten zu müssen und bis dahin mich selbst soweit abzulenken oder runterzuregulieren und zu merken: Auch wenn das gefühlt gerade wie sterben ist, kann ich damit umgehen. Egal wie mein Gegenüber sich verhält, das kann ich nicht beeinflussen, sondern ich kann nur beeinflussen wie ich selbst damit umgehe. Solche Situationen wird es immer wieder im Leben geben. Ich kenne die Verzweiflung und die Ohmacht, wenn da das Gefühl ist, dass der Mensch, der so eine wichtige Rolle spielt, etwas tut oder sagt was alles in Frage stellt oder etwas, das eigentlich unvereinbar ist. Das ist sehr schwer, aber eben auch etwas, mit dem man lernen muss irgendwie umzugehen und an dem man wächst, auch wenn es in dem Moment so unaushaltbar erscheint. Das klingt härter als es soll. Ich möchte dir damit sagen: DU entscheidest wie du damit umgehst. Du hast die Wahl, ob du mit ihr weiterarbeiten möchtest oder nicht. Ob du dir jemand neues suchst oder nicht. Ob du sagst: Das ist zu viel oder nicht.
      Dass die Konsequenzen schwer zu tragen sind (beide: Das Thema mit ihr zu besprechen oder aber auch zu erkennen, dass das für dich ein No-Go ist), das ist klar. Aber unabhängig davon bist du diejenige, die entscheidet.

      Ich wünsche dir, dass du das Wissen in dir hast, dass all das was du erreicht hast, nicht nur Teil deiner Therapeutin ist, sondern dass vor allem du an dir gearbeitet hast und du diese Dinge erreicht hast. Ich kann dazu nicht so viel sagen, ich weiß nicht wie eure Gespräche ablaufen und wo du denkst dass sie dich manipuliert haben könnte, aber du arbeitest an dir in erster Linie und auch wenn es sich nicht so anfühlt, hast du ja doch selbst auch ein bisschen das Gespür was da passend ist und was nicht an Impulsen, die sie dir gegeben hat?!?

      Du schreibst ja, sie ist durchaus kompetent und die Therapie auch hilfreich. Vielleicht ist es möglich da dann mehr zu differenzieren. Diese Aussage und Meinung, die sie da von sich gegeben hat: Hat das jetzt Einfluss auf ALLES andere, das du mit ihr erlebst, besprichst, bearbeitest?
      Ich weiß das nicht und ich muss sagen, dass ich mir die gleichen Fragen stellen würde wie du, trotzdem bin ich gerade nicht in der Situation und kann dir deshalb noch andere Gedanken dazu schicken.

      Und scheiß auf das Rauchen: Ich hab gestern wieder nach ein paar Monaten angefangen zu rauchen, aber ich höre auch in ein paar Wochen wieder auf, das weiß ich. Aber jetzt sind andere Sachen wichtiger als das. Also mach dir darum mal keinen Kopf.
      Ich werde an dich denken, wenn ich rauche.

      Alles Liebe,
      disarming
      For this is rock n roll, I’ve got a rock n roll soul
      And we are freedom fighters. For now...
      (The Tunics)


      ToWriteLoveOnHerArms
      Hallo Fylgia,
      es tut mir außerordentlich leid, dass solch ein Vertrauensbruch passiert ist. Alle anderen haben dir auch schon ihr Verstehen und Nachempfinden signalisiert, dem kann ich mich nur uneingeschränkt anschließen. Und ich hoffe, dass du mich nach meinen Zeilen nicht verdammst und verfluchst - aber ich trau mich einfach.

      Ich möchte dich bitten, dir auch einen anderen Gedanken näher bringen zu dürfen. Vorausschicken möchte ich dazu auch, obwohl wir uns in keiner Weise kennen, dass ich dich als sehr ratio-fähig einschätze und dir eine Menge Kompetenzen unterstelle. Auf dieser Grundlage meine weiteren Gedanken. Vielleicht kannst du ja für die nächsten Zeilen und Gedanken mal diese Oberwächterin über alle Fylgias in dir einschalten. Denn ich möchte, dass sie für dich arbeitet und auf dich aufpasst.

      Du warst in einer Situation, in die du nach sicherlich sehr intensiver Abwägung verschiedener Informationen gegangen bist. Du hast dich für diese Maßnahme entschieden, Basis war das Vertrauen auf die gegebenen Informationen. Ich möchte dir jetzt aber auch die Grenze dessen aufzeigen. Hättest du diesen Schritt getan, wenn du über den Schmerz, der eingetreten ist, Bescheid gewusst hättest? Wärst du den Eingriff entspannt angegangen, wenn du diese mögliche Nebenwirkung in diesem Moment als Information gehabt hättest? Es tut mir leid – aber voraussichtlich sicher nicht. Wenn ich unterstelle, dass die Ärztin über einen möglichen auftretenden Schmerz Bescheid wusste – wie hätte sie deiner Meinung nach handeln sollen? Hätte sie dir die mögliche Schmerzsituation aufzeigen und Ängste erzeugen sollen? Eine schwierige Frage, eine richtige Antwort kann es aus meiner Sicht in keiner Weise geben. Es ist eine „Patt“-Situation.

      Ich will es dir an einem Beispiel noch deutlicher machen und benutze dabei mein Bergsteigen. Als 17Jährige stieg ich mit einer Gruppe anderer Jugendlicher und auch erfahrener Bergsteiger auf eine Hütte auf. Am andern Morgen lockte der nahegelegene Berggipfel in der tollsten Morgensonne. Die verrückte (heute bewertet lebensmüde, leichtsinnig, etc.) Elfe stieg allein in die Wand ein und auf – ohne Ausrüstung, ohne Seil, ohne Sicherung. Damals fühlte ich mich noch so, dass nichts auf der Welt mich hindern könnte. Nach ca. 200 Metern Aufstieg machte ich eine falsche Entscheidung und unterschätzte die Griffigkeit des Felses, der Morgensonne, der Nachtkälte, etc. auch im August. Ergebnis da hing eine eben noch unbezwingbare Elfe hoffnungslos in der Wand fest – und konnte (traute sich) weder vor noch zurück. Im Nachgang erzählte man mir, dass ich so ca. ½ Std verbracht hätte, bis die beiden erfahrenen Bergsteiger mit Seil eingestiegen und mich heruntergelotst und heruntergeleitet hatten. Gefühlte Zeit: unbeschreiblich lang in der Wand. In diesem Moment jedoch hat mein Übercomputer eingeschaltet und emotionslos alle Gedanken und Optionen abwägen lassen. Ich hatte gar keine andere Wahl.

      Was ich sagen will – in der Hoffnung nicht klugscheißerisch etc. rüberzukommen: es gibt nicht immer die Wahl des Handelns. Ich unterstelle, die Ärztin hat in diesem Sinne mögliche Schmerzen verschwiegen, unter Berücksichtigung aller ihr zur Verfügung stehender Gedanken, Wahrnehmungen ihres Wissens aus ähnlichen Situationen etc. und dem Wissen über dich. Oder sie hat es einfach vergesen oder eine Fehler gemacht. Absolut nicht schön! Die angezogene Erklärung deiner Therapeutin sollte dagegen besser gestrichen werden.

      Jetzt jedoch zu deinem Thema Vertrauensverlust. Du wirfst (von mir vorsichtig gesagt) im Moment Alles in eine Waagschale: die erlebte Situation bei der Ärztin, den mangelhaften Erklärungsversuch deiner Therapeutin mit einem außerordentlich fragwürdigen Beispiel als Rechtfertigungsversuch, aber auch deine erreichten Therapiearbeiten und –erfolge. Sind das wirklich alles die gleichen Paar Schuhe? Auch ich finde Vertrauen in einen anderen Menschen ist ein sehr hohes Gut. Man sollte es nicht aufs Spiel setzen. Ob die Entscheidung deiner Ärztin unter diesem Aspekt eine gute war, mag ich nicht beurteilen – deine Reaktionen sprechen eher eindeutig dagegen.
      Doch es geht hier auch um deine Therapeutin und dich – eure Arbeit. Deine Therapeutin hat sicher im Rahmen eurer gemeinsamen Arbeit kommunikative und therapeutische Mittel eingesetzt. Warum meinst du, soll sie dich in der Vergangenheit manipuliert haben? Gibt es außer der wirklich bösen aktuellen Situation irgendeinen Hinweis für dich, dies so zu vermuten? Würdest du das ohne das aktuelle Ereignis so vermuten? Ich kenn mich jetzt nicht mit Medizinethik aus, aber ich vermute, es ist immer nur richtig, die 100%-Wahrheit dem Patienten mitzuteilen. Spielt da eigentlich die Verträglichkeit der Wahrheit seitens des Patienten eine Rolle? Wenn ja, wie fließt sie ein? Deine Oberfylgia müsste dir eigentlich sagen: die Ärztin hat dich nicht belogen, sie hat dir die mögliche Schmerzsituation verschwiegen, oder sie hat es vielleicht vergessen zu erwähnen. Vielleicht ist ihr einfach nur ein Fehler unterlaufen, ohne Wollen und Absicht. Nicht schön – aber passiert.

      Was nun?

      Du attestierst deiner Therapeutin eine hohe Kompetenz, eine therapeutische Kompetenz. Deshalb kann sie aber als Mensch doch etwas anders denken und handeln. Sie kann auch Fehler machen. Wenn aber Ihre Arbeit bislang für dich sich noch immer richtig anfühlt, wenn du dich richtig anfühlst, denn das ist es was ihr gemeinsam erreicht habt, dann war alles richtig – Zweifel hin oder her. Verzeih mir Fylgia – keine leichte Pille, aber schütte das Kind jetzt nicht mit dem Bade aus.

      Führe ein klärendes Gespräch, bereit dich vor, sei gnadenlos in deinen Fragen und erwarte mit Recht Antworten. Aber sieh sie auch als Mensch wie du ein Mensch bist, mit Unzulänglichkeiten.

      Vielleicht kannst du die Situation nutzen um bei dir zu klären, wieviel Vorschuss an Vertrauen du wirklich immer investieren musst oder willst. Vielleicht lassen sich ja auch praktikable dosierte Vertrauen handhaben – je nach Thema und Situation. Den Grad und die Wahl entscheidest immer du.

      Verzeih mir bitte, wenn ich nicht noch weiteren Spiritus in deine emotionalen Flammen gekippt habe, sondern auf Schadensbegrenzung bezüglich deiner Therapie geschaut habe.

      Mit liebem Gruß Elfenspiegel
      Hallo Fylgia,

      ich kann zum Therapiebereich wenig sagen, mag aber zwei Analogien aus meinem Leben nennen.

      Vertrauen war für mich immer schwer.
      Nach 1,5 Jahren guter Beziehung war ich eines Abends mal etwas sauer gelangweilt und angetrunken. Da SVV da kein Thema war, musste was anderes Dummes her ;) Handy des Freunds durchforstet und natürlich was gefunden. Ne Art Dateverabredung mit einer anderen in unseren ersten Wochen. Eigentlich Horror für mich.
      Aber: zurecht Stress mit ihm weil ich seine Privatsphäre getreten hab für entweder die Erkenntnis da war nichts oder schlimmer da war was?
      Ich hab mich entschieden, dass ich tolle anderthalb Jahre hatte und das nicht genauer wissen will. Selbst wenn da ein Vertrauensvruch war, war der es mir nicht Wert alles in Frage zu stellen.
      Jahre später hab ichs natürlich hinterfragt ;)

      Andererseits hab ich auch schon (schlimmer als Handy durchforsten) das Vertrauen einer Person missbraucht. Sträflich, dämlich, blöd.
      Und er hat sich entschieden mir dennoch wieder zu vertrauen.

      Was das Thema mit der Spirale angeht... hmm ich denke bei jeder OP und jedem Medikament kann der eine die Wand hochgehen und der andere merkt gar nichts. Nicht weil einer sensibler ist, sondern weil der Körper anders reagiert.
      Ohne die Vorgespräche mitgehört zu haben, kann ich das schwer genauer einschätzen.
      Aber ja ehrlich wär mir lieber.

      Ich kann nur übergeordnet sagen, dass Vertrauen für mich ein Stück weit Entscheidung ist.
      Die Entscheidung basiert sicher auf Erfahrungen im Leben und mit der Person. Aber wenn sie dir bisher gut tat und das die erste Irrung zwischen euch ist, denke ich lohnt ein offener Konflikt, Ansprechen, mehr als alles Gute mit in Frage zu stellen.

      Liebe Grüße, atme tief durch und tu was gut für dich ist :)
      Hey

      es ist ja schon viel gesagt worden und eigentlich kann ich mich den Vorredern nur anschließen

      Ich weis nicht ob es dir hilft aber ich hatte mal ähnliche Situation. Ich habe in einer WG gewohnt und wurde verdeckt gewogen. die Absprache war sobald ich Zielgewicht erreiche wird mir das gesagt, und genau das ist nicht gemacht worden. Ich habe dann 3 wichtige Personen (Gruppenleiterin, Gruppenleiter und bezugsbetreuer) gefragt warum mir das nicht gesagt worden ist und habe 3 unterschiedliche Antworten bekommen und mich natürlich komplett verarscht gefühlt. Denn wenn man Essstörung hat ist Gewicht hochsensibler Bereich. Für mich ist und war es der ultimative Vetrauensmissbrauch und bleibt es bis heute. Das Verdeckte wiegen habe ich natürlich sofort abgesetzt.
      Ich weis nicht ob bei dir die Gefahr besteht aber ich bin dann ein trotziges "Kinderverhalten" zurückgefallen. Nach dem Motto ihr habt euch nicht an informiertabsprache gehalten also halte ich mich auch nicht mehr an Absprachen (es gab z.b. die Absprache das wenn ich mich selbst verletzte oder meine Periode bekomme, den Betreuern mitteile weil es dokumentiert werden muss) Und das habe ich dann einfach nicht mehr gemacht. Wie gesagt war mein Umgang damit umzugehen und ich würde dir wünschen du findest einen anderen.
      Ihr Lieben,

      vielen, vielen Dank für eure Antworten, euch allen. Ich hab mich dadurch gestern wieder etwas beruhigen können, heute war dann ein sehr lieber Mensch zum gemeinsamen Backen da und davor konnte ich, nachdem ich alles nochmal durchgelesen hab von euch, sogar halbwegs gut was für die Uni tun. Ich merke aber, wie ich jetzt wieder nervös werde, wo mir das alles wieder durch den Kopf geht. Das wird vielleicht bis zum nächsten Gespräch so bleiben, aber das ist ok. Ich konnte mich dank euch ein bisschen distanzieren. Ich sehe, wie sehr ich wieder in mein schwarz-weiß-Muster gefallen bin, wie sehr wieder mein inneres trotziges Kind durchkam. Ich bemühe mich, mich jetzt nicht darüber zu ärgern - dann würde ich das wieder drehen und gegen die Therapeutin wenden. Und ich versuche, mich nicht zu sehr zu schämen. Ich versteh das jetzt ein bisschen besser, habe noch Angst, aber diese große Wut ist weg und das alles infrage stellen. Und ich kann ja entscheiden, was ich tue und hoffe, dass ich auch Dienstag noch der Ansicht bin, ihr zumindest einen Vertrauensvorschuss zu geben und zu schauen, was wir gemeinsam zu dem Thema herausfinden können.
      Ich möchte euch aber auch zu den einzelnen Threads noch was sagen. Und dann kuschel ich mich ein, schau eine Lieblingsserie und entspanne hoffentlich.

      @ares
      Danke, das du das nachempfinden kannst, das hat mir sehr gut getan zu lesen. Ich hab mir mit Hilfe einer Beratungsstelle extra jemand gesucht, der kein "Kuscheltherapeut" ist, und mir die Stirn bieten kann - was auch gut ist und funktioniert. Aber ich spüre schon eine gewisse Empathie oder Emotion von ihrer Seite aus. Ich weiß nicht, wie echt das ist, aber ich möchte ihr das glauben. Sie sagt oft Dinge, die mir gut tun, merkt, wenn ich am Ende der Stunde extrem aufgewühlt ist und gibt mir Hilfestellung, erstmal aus dem Gröbsten rauszukommen. Oft gewinnt aber gerade dadurch meine Wut und Abwehr Oberhand - weil das darf ja nicht sein, ich darf nicht gut sein/umsorgt werden. Das ist wirklich ein Punkt, an dem ich mir noch sehr im Weg stehe. Sie geht immer recht gut von den Fakten weg, da ich immer wieder versuche, sie in eine intellektuelle Diskussion (ihre Worte) zu verwickeln - das kann ich besser als meine Gefühle auszuhalten. Ihre Aussage zu dem Arzt finde ich immer noch nicht ok - aber eben distanzierter. Ich werde auch mit ihr drüber reden, es gab schon einmal eine Situation, wo sie in der nächsten Stunde gesagt hat, dass das ein Fehler ihrerseits war. Jetzt, wo ich daran denke - eben das ist ja ein Grund, zu vertrauen. Das Schreiben ist auch für mich eine gute Möglichkeit, aber ich drücke mich gerade davor. Ich gehe auch erst schlafen, wenn mir die Augen zufallen und höre sonst ständig Musik, ich bin gerade zu feige, mich mit dem auseinanderzusetzen, was hochkommt. Aber hier im Forum geht es zum Glück trotzdem, warum auch immer. Mailen kann ich ihr zwischendurch, aber gestern wäre nur Abwehr bis zur Weigerung, am Dienstag zu kommen, herausgekommen. Ich denke, dieses fester werden, von dem du sprichst, ist eine gute Übung, also das mal hinzubekommen.

      @disarming
      Ich find es gut, das als Herausforderung zu sehen, bis Dienstag auszuhalten. Das ist ja nicht mehr so lange, bis dahin steht ohnehin viel an. Und ich will ja auch lernen, diese Gefühle und dieses Chaos selber zu sortieren - na gut, nun eben mit deiner und der Hilfe der anderen, aber besser, als es gar nicht hinzubekommen. Und was du sagst, bezüglich dem Verhalten anderer und von mir selbst: Das sagt sie auch immer. Es ist meine Sache, was ich aus etwas mache und es gibt immer die Möglichkeit, anders zu reagieren. Puh, ich vergesse das noch oft, weise gern jede Verantwortung von mir :rolleyes2: Ja, hm, es stimmt schon, dass sie mir Impulse gibt und ich das dann ja schon selber tue bzw. tun muss. Ich bin fast immer erstmal grundsätzlich dagegen, mittlerweile kann ich die Abwehr aber schneller überwinden. Nur frage ich mich dann eben, ob ich vielleicht zu viel als Abwehr interpretiere? Andrerseits tue ich ja die Dinge nicht trotz der Abwehr oder gegen sie, sondern wenn ich sie abgebaut habe. Dann kommen die Entscheidungen ja doch irgendwie aus mir und sind mir gegenüber ehrlich, oder?
      Und ja, es ist nicht alles scheiße und schlimm. Nie. Erklär das mal meinem trotzigen Kind, das nur in ganz oder gar nicht denkt. Mir fällt es schwer, mich da gerade nicht drüber zu ärgern, ich muss das doch langsam kapiert haben, sie ist ja nicht die erste, die mir das sagt. Aber irgendwie will ich das noch nicht loslassen. (Und da könnte ich jetzt wieder sagen, dass das total dumm von mir ist, aber ich lass das mit den Bewertungen jetzt wirklich mal...uff).
      Und danke für das mit dem Rauchen. Ich habs gelesen, als ich rauchend auf dem Balkon stand und hab mich da gut gefühlt, dass du an mich denkst. Ich krieg das auch wieder weg, war schon öfter so, hab ich ganz vergessen, ich rauch erst seit ca. zwei Wochen oder so wieder richtig - davor eben nur ab und an. Und irgendwie...brauch ich noch was für meinen rebellischen Teenager, der natürlich das Erwachsene ablehnt. Aber Rauchen ist im Moment immer noch vernünftiger als frühere Verhaltensmuster.

      @Elfenspiegel
      Danke, dass du da nicht noch Öl ins Feuer gegossen hast. Es ist viel wertvoller für mich, andere Sichtweisen zu bekommen, wenn du mich in allem bestätigt hättest, hätte mir das sicher nicht geholfen. Oberwächterin ist bei mir so eine Sache, dann läuft alles wieder mit Regeln, Geboten, Verboten und Strafen. Aber diese innere Distanz, das vernünftiger sein, das ist sinnvoll. Und danke, dass du mir da Kompetenzen unterstellst.

      Zu dem Eingriff an sich: Vermutlich hätte ich mich nicht getraut, wenn ich gewusst hätte, wie sehr es wehtun wird. Aber es ist ja nun kein lebensrettender Eingriff gewesen - und selbst dabei bin ich für die Freiheit der betreffenden Person. Ich denke, dass ich zu extrem reagiere - Schm*rzn sind für jeden anders und sie hat ja nun nicht gesagt, dass es gar nicht wehtun wird (im Gegensatz zu meiner Therapeutin). Ich werde das mit ihr in ein paar Wochen bei der Nachuntersuchung nochmal besprechen, ich denk sie versteht da mein Problem, sie ist sehr empathisch. Es war natürlich absolut nicht klug von mir - aber eine meiner typischen Abwehrreaktionen - gestern ausgerechnet für meine Medizinethikveranstaltungen zu arbeiten. Und dann nichtmal die wichtigen Texte, sondern die, die sich natürlich mit meinem Thema beschäftigen und mir recht geben :rolleyes2: Inhaltlich bleibe ich bei meinem Standpunkt, weil es Dinge tangiert, die mich schon seit meiner Jugend beschäftigen, vor allem das Thema Freiheit und Selbstbestimmung. Wir können gerne mal drüber schreiben, also über benevolent lies/Paternalismus, wenn du magst - aber erst mit etwas Abstand.
      Du hast meine Extreme gut erkannt und das hilft mir zu sehen, dass nicht ein Punkt alles andere zunichte macht - zumal ier sowieso de Frage ist, warum ich so heftig reagiere. Und ich habe immer mehr den Eindruck, dass das viel weniger der eigentliche Gegenstand (also die Schm*rzen) sind, als alte Gefühle und Verluste. Ich kann auch gar nicht begründen, wo oder wieso sie mich manipuliert haben sollte. Das ist nur so eine irrationale Angst. Vielleicht tut es mir gut, nochmal mit ihr über das Vorgehen zu reden, sie erklärt mir das eigentlich immer recht gut. Aber vielleicht muss ich einfach nochmal hören, dass es Sinn und Hand und Fuß hat, was sie tut?
      Du hast recht, ich entscheide, wann ich wie viel vertraue. Es ist nur...wenn sie sagt, dass ich über etwas nicht reden muss, wenn ich es gerade nicht will, dann muss ich es genau deswegen tun. Ich "muss" ihr dann beweisen, dass ich eine "gute" Patientin bin und "richtig" mitarbeite. Da frage ich mich grad, wieso es mich eigentlich wundert, wenn ich dann emotional am Rad drehe, wenn ich Dinge aus mir herauszerre, die noch Zeit brauchen. Ich "muss" eben gut sein, egal, was es kostet. Hmpf.

      @Swollen
      Danke, dass du mir nochmal klar machst, dass es eine Entscheidung ist, zu vertrauen. Ich bin da nicht hilflos meinen Gefühlen ausgeliefert (wieder das kindliche Muster), sondern ich kann (und vor allem darf) da auch steuern. Ich denke, ich unterstelle da einfach viel zu viel. Denn wie du sagst: Jeder ist anders empfindlich, Schm*rz ist subjektiv. Und selbst wenn das Vorgehen meiner Ärztin falsch gewesen wäre (und nicht ich und sie einfach ein anderes Verständis haben), dann wäre es eben so. Bin ich zu mir gnadenlos, dann bin ich es auch zu anderen. Und das ist schade, weil es so viel erschwert und andere verl*tzt. Ich müsste langsam wirklich wissen, woher dieses Klammern an Regeln und Verboten herkommt.

      @Junimond
      Uff, dein Erlebnis hätte mich ebenso aus den Socken gehauen. Vielleicht sind das ja die Punkte, an denen man entscheiden sollte, was noch akzeptabel ist für einen und was nicht. Ich will das halt frei entscheiden und solange ich innerliche rumrandaliere geht das ja nicht. Wie bei dir auch falle ich da auf mein trotziges Kind zurück bzw. meinen Teenager - je nach dem, da steckt irgendwie beides drin, ich versteh noch nicht genau welche Anteile an mir wie mit reinspielen. Und danke dir für deine Wünsche, ich find es so offen, dass du deinen Umgang beschrieben hast.



      Naja, soweit von mir. Ich versuche mich daran festzuhalten, dass sie auf meiner Seite steht. Das hat sie öfter gesagt und wenn dem nicht so wäre, dann hätte sie mich vermutlich gar nicht genommen. Sie hat schon in der ersten Stunde gesagt, dass ich extrem viel Widerstand zeige/zeigen werde (hab ich für arrogant gehalten, dass sie das so schnell sagt, aber sie hatte völlig recht, das ist schon lang mein typisches Muster) - ich denke, sie hätte leichtere Patienten haben können. Also will sie mir wohl wirklich helfen und mich nicht fertig machen. Ja, hm, ich brauch jetzt wieder etwas Abstand, um da nicht wieder reinzurutschen in mein Chaos. Und ich mekr, dass ich jetzt doch anfange, wütend auf mich zu werden, anstatt auf die Therapeutin bzw. die Ärztin. Ich hätte das ja alles verstehen müssen, ich weiß doch um meine Muster, die Woche davor war so gut und jetzt hab ich wieder alles kaputt gemacht etc. Ich sehe aber, dass das nichts bringt, das wäre das Selbe nur anders herum. Ich lass das Thema jetzt für heute mal, guck ein paar Folgen Serie und kann dann hoffentlich schlafen. Ich denk ich berichte dann mal, wie es läuft.

      Danke euch für eure Erfahrungen und Hilfestellung. Es tut mir gut, nicht alles alleine sortieren zu müssen.

      Liebe Grüße
      Fylgja
      Therapy only works when we have a genuine desire to know ourselves as we are. Not as we would like to be.
      ~ Hannibal, S2E9

      den einzigen tipp den ich dir noch geben kann ist die Entscheidung nicht übers Knie zu brechen. Ich habe das mit dem wiegen an einem Samstag erfahren. Am Samstag und Sonntag war ich so tief verletzt/enttäuscht das ich beim Sozialamt anrufen wollte um die Betreuung dort abzubrechen bzw. die Maßnahme zu beenden. Weil dieser Vetrauensmissbrauch keine Basis war mehr weiterzuarbeiten. Aber am Wochenende habe die Ämter zu man kann also nicht an einem Wochenende die Maßnahme beenden. Und bis montag hatte ich damals Zeit welche Konsequenzen das für mich hat wenn ich das tue. wie gesagt es war und bleibt der ultimative Vertrauensmissbrauch für mich!! Und mir ging (wie dir) es in den Tagen danach sehr schlecht. Ich hatte da Glück das ich nur noch Montag und Dienstag arbeiten musste. Bei der Arbeit musste ich mich stark zusammenreißen um nicht vor dem PC loszuheulen währen dich Belege eingegeben habe. Ab Mittwoch hatte ich dann Urlaub, da war mir zwar langweilig aber es tat gut allein zu sein und kein zufriedenes Gesicht mehr machen zu müssen. Vieleicht kannst du ja von meien Verhalten was für dich ableiten und "fehler" die ich gemacht habe nicht machen? ich wünsche dir das du alles sotiert bekommst
      Hey liebe Fylgja,

      kann gerade nicht so viel antworten, nur ganz kurz, weil es mich erschreckt hat zu lesen, dass du schreibst, dass du zu extrem reagierst wegen der Spirale und wie es dir damit geht :Du hattest solche Schmerzen, dass du fast ohnmächtig geworden bist. Das ist schlimm, sehr schlimm. Und ich finde es nicht zu extrem, dass du dir da mehr Empathie und Mitgefühl wünschst. Ganz genau: Für jeden sind Schmerzen anders, und deshalb ist es für andere vielleicht nicht so wichtig, aber du scheinst da ja ausführlich drüber gesprochen zu haben vorher und dann war es so eine schlimme Situation für dich und deine Schmerzen so extrem. Das ist für mich fernab von irgendeiner Überreaktion wie es dir damit ging/geht. Nur weil es für andere nicht so schlimm ist, muss da bei dir nicht näher drauf eingegangen werden? Jeder Patient ist anders und ein guter Arzt geht auf diese Individualität ein.
      Nur weil eine Spinne mir keine Angst macht, muss es dann also für jemanden mit einer Spinnenphobie auch nicht schlimm sein? Das kann ich also beide gleich behandeln? Ich finde, gerade wenn jemand da solche Probleme mit hat, dann achte ich da besonders drauf.
      Vielleicht verstehe ich gerade was total falsch, dann vergiss das wieder, aber das konnte ich so nicht stehen lassen.

      Beim Lesen deiner Antwort hat sich irgendwie ein kleines schlechtes Gefühl bei mir breitgemacht und du hast es dann selbst am Ende formuliert: Du merkst, dass du auf dich wütend wirst.
      Und genau das macht mir Bauchschmerzen. Ja, vielleicht sind da Muster bei dir aktiv, vielleicht ist irgendwas Abwehr, vielleicht reagierst du manchmal wie ein kleines Kind - trotzdem darf es dir mit ihrem für dich nicht richtigem Verhalten (dieser Befürwortung des Verhalten des Arztes) schlecht gehen und du darfst darüber wütend sein und das schlimm finden und es als einen Vertrauensbruch ansehen - ohne dass du deshalb wütend auf dich bist, ohne dass das alles andere zwischen euch nichtig macht.

      Manches ist nicht immer ein Muster von einem selbst, manches ist einfach vom Gegenüber echt scheiße und nicht richtig. Wie du damit umgehst, das ist ja nochmal was anderes. Ob du darauf mit mustern reagierst usw.

      Das war mir nur noch wichtig zu sagen. Wie gesagt, wenn ich was falsch verstanden habe, dann vergiss es einfach wieder.
      Ich kenne das nur von mir, dass ich immer denk, ich übertreibe oder reagiere zu extrem, weil irgendwas angetriggert wurde und oft ist es wirklich so, dass etwas getriggert wurde, aber es gab auch Situationen wo mein Gegenüber sich schlichtweg falsch verhalten hat und wenn ich wieder gedacht hätte "Ach, bin wieder ich, ich bin schuld, ich bin zu anstrengend und reagiere jetzt wieder so scheiße" anstatt zu sagen "Das ist jetzt mal nichts was mit irgendwelchen Mustern zu tun hat, das ist jetzt wirklich nicht richtig", dann hätte ich nie gelernt da zu differenzieren und auch mal auf andere wütend sein zu DÜRFEN und Diskrepanzen auszuhalten (naja, der Lernprozess finden noch statt ).

      Ich hoffe, meine Antwort kommt nicht falsch rüber und damit möchte ich auch gar nicht nichtig schreiben was du in deiner Antwort geschrieben und für dich erkannt hast.

      Und ich finde es eine gute Taktik, nicht alles auf einmal zuzulassen, wenn es gerade nicht anders geht. Du hast für dich gesorgt und dich abgelenkt und dann wieder hier geschrieben und dich damit auseinandergesetzt. Das ist doch sehr gut. :)
      Wie die geschüttelte Cola-Flasche. Dreht man sie plötzlich auf, explodiert sie. Dreht man sie ein bisschen auf, wieder zu, wieder etwas auf, wieder zu... dann beruhigt es sich.

      Und du hast sicher nicht alles kaputt gemacht. Ich wüsste jedenfalls nicht womit. ;)


      Alles Liebe,
      disarming
      For this is rock n roll, I’ve got a rock n roll soul
      And we are freedom fighters. For now...
      (The Tunics)


      ToWriteLoveOnHerArms
      Hallo ich nochmal,
      Hier wurde so vieles gesagt, was ich nicht so gut ausdrücken konnte. Zu meinem Punkt mit dem Vertrauen und der Empathie: für mich hat Vertrauenkönnen , sich einlassen können sehr viel mit der "Wahrhaftigkeit" von der du sprichst meines Gegenübers zu tun, sprich Authentizität. Mit dem Wort Kuscheltherapeut verbinde ich Empathie nicht , dh, für mich ist "andere Positionen haben /aufzeigen oder "mir die Stirn bieten können" kein Widerspruch dazu, ob ich mich trotzdem angenommen und verstanden fühlen kann und vertrauen kann.
      Es ist mehr das Gespür, ob es jemand eben ehrlich und "gut" im besten Sinne mit mir meint, auch wenn das manchmal oder auch öfter heißt, dass wir nicht nur lieb und freundlich miteinander sind und uns immer im Einvernehmen befinden und es keine Divergenzen geben darf oder kann, damit das nicht gefährdet wird.Ich jedenfalls finde es eigentlich eher beruhigend, wenn ich merke, dass auch Therapeuten nur Menschen sind, mit Fehlern und allem pipapo. das ist für mich zumindest nach der heftigsten eigenen Unsicherheit nach so einer Sache eher ein Indiz, dass dieser Mensch mir gegenüber authentisch ist und ich ihm grade AUCH deshalb vertrauen kann. Weil er sich eben nicht verstellt
      Das ist mir i-wie noch wichtig zu sagen. Du hattest aber eh geschrieben, dass du dich da schon grundsätzlich gut aufgehoben bei ihr fühlst, das war mir nicht so klar, weil ihc einfach fast nichts darüber weiß.

      Die anderen haben viel gesagt, was ich auch unterschreiben kann., nur nicht so gut ausdrücken.Auch was disarming zu deiner Reaktion gemeint hat, empfinde ich ähnlich. Ichweiß nicht, wie sehr du Deinem Gespür für dich selbst vertraust oder ein solches wahrnimmst: Wenn da was da ist, wünsch ich dir, mehr und mehr drauf vertrauen zu können, und dass gerade bei Dingen, wo Emotionen im Spiel sind, nie nur ein schwarz oder weiß, richtig oder falsch gibt, sondern hunderte Arten von grau, die alle zu ihrem Zeitpunkt total ok sind, wurscht, ob da jetzt grad i-welche Muster im Spiel sind oder weiß der Teufel was.Ja und? und wenn es so ist, dann heißt das ja auch nicht, dass du das von jetzt auf gleich ändern kannst oder dass das überhaupt schon geht.
      . Es ist nunmal so. und das darf auch so sein. und hat seine Gründe.und es darf auch seine Zeit dauern, bis wieder eine andere Färbung Platz haben KANN. und wann das soweit ist, das spürst und entscheidest DU im Endeffekt, mit allen Deinen Voraussetzungen, die IMMER mit dabei sind die trotzige kleine Fylgia genauso wie die Medizinethikstudentin und was es da sonst noch alles gibt . und jede Färbung darf da sein, darf bleiben so lange sie braucht und darf Platz machen, wenn was anderes dran ist. und da gibt es keine, die weniger oder mehr "berechtigung" hätten. Tja, das klingt jetzt blöd, und ich weiß nicht, ob verständlich wird, was ich sagen will oder vielleicht ist das für dich eh gar kein Thema, weder auf der rationalen noch auf der emotionalen Ebene. hm. ich glaub ich komm nicht ganz zum Punkt, wohl weil ich da auch ganz schön knabbere immer wieder dran und ein wenig angst hab, dass es zu sehr von meiner Erfahrung mit mir in diesen Dingen aus gesprochen klingt, und für dich gar nicht passt, weil ich dich ja auch gar nicht so kenne. Falls ja, sorry, wollte trotzdem versuchen, was konstruktives beizutragen.
      vielleicht noch eins, ganz kurz bevor ich still bin: Zeit. Gib dem ganzen und Dir und dem Dich mit manchem Auseinandersetzen können Zeit. Ich finde es auch wirklich gut, nicht alles auf einmal zuzulassen. Klar, der Zwischenzustand ist oft scheiße und auch schwer auszuhalten, aber es hat ganz bestimmt seine guten Gründe, warum das nur Stück für Stück geht. und ist bestimmt besser zu handhaben als wenn alles auf einmal mit vollem Karacho an die Wand fährt.
      Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will."
      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
      Die Ursache bin ich selbst! (Thomas Bernhard) :thumbsup:

      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „ares“ ()

      Nur ganz kurz von mir: Gespräch fand statt, morgen und übermorgen ja auch noch mal. Es war ganz schlimm und unheimlich wichtig zugleich. Ich bin fix und alle aber ich denk es geht weiter und löst sich und irgendwann irgendwie kann ich auch besser loslassen. Ich bin im Moment noch zu aufgewühlt und hab eine scheiß Angst, ich kann grad nicht mehr dazu schreiben. Ich versuch jetzt mich ganz da drauf zu konzentrieren, auf die Therapie und vielleicht auch noch ein bisschen Alltagsbewältigung, ich will ja eigentlich auch in der Uni noch was tun. Ich meld mich dann in ein paar Tagen wenn alles bissle ruhiger in mir ist.

      Danke euch
      Fylgja
      Therapy only works when we have a genuine desire to know ourselves as we are. Not as we would like to be.
      ~ Hannibal, S2E9

      So,

      hier bin ich nun wieder im Forum und finde auch Zeit, mich endlichendlich hier im Thread zurückzumelden.

      Also es ist...wie soll ich sagen. Ich war wieder voll in der Abwehrschiene drin. Die letzte Sitzung vor Weihnachten war katastrophal, ich war so aggressiv und hab mich so daneben benommen, bis meine Therapeutin sagte, sie habe auch ihre Grenzen. Ok, das saß dann - im Nachhinein. Hab dann per Mail um Entschuldigung gebeten, sonst hätte ich die Weihnachtspause nicht so gut überstanden. Sie hat auch cool reagiert.
      Also, nun ja, da ich nun mal mega in der Abwehr drin war, habe ich vieles, was sie gesagt hat, nur schwarz-weiß gesehen. Ich wollte sie schlecht darstellen (auch hier) und ich wollte dass sie so scheiße ist, wie ich sie sehe. Naja. Ich versteh es mittlerweile, ich projiziere ganz viel von meiner Mutter auf sie und dann ist da eben dieses ständige Ich hasse dich - verlass mich nicht Spielchen. Ich finde nach wie vor manche ihrer Aussagen nicht gut, aber ich merke, dass ich das jetzt ohne krasse Emotionen so sehen kann. Wobei diese - wie du es nanntest, disarming - Diskrepanz schon noch sehr krass ist. Aber im Moment gehts.
      Ich hab viel geweint und viel von ihr geträumt und mich innerlich viel an ihr festgehalten und sie gleichzeitig oft weggestoßen. Jetzt hat es sich etwas eingependelt. Ich hoffe, dass ich das in der nächsten Sitzung nach der Weihnachtspause auch so hinbekomme - zumal eine mehrwöchige Pause vor uns steht, weil ich ein Praktikum mache. Und Pausen sind für mich allein sein = verlassen werden = nicht geliebt werden = totale Katastrophe. Aber ich hab - worauf ich stolz bin - mir ein, zwei Strategien überlegt und ich hab auch in den letzten Wochen nichtmal Frustgetrunken.

      Es war gut, keine übereilte Entscheidung zu treffen - da habt ihr vollkommen recht. Und auch vielen lieben dank an eure letzten Antworten, @ares @disarming und @Junimond.

      Der Vergleich mit der Colaflasche ist super. Sie hat den Vergleich mit einem Dampfkochtopf gebracht, ist ja das selbe. Akzeptieren, dass da starke Emotionen sind und eben ab und an Druck rauslassen, nicht anstauen und dann alles auf einmal.

      Gestern war ich bei der Nachsorge bei meiner Frauenärztin. Ich hab fast geheult, einfach nur wegen dem ganzen emotionalen Chaos. Aber ich bin dann recht schnell klargekommen. Ich hab gemerkt, wie viel ich aus einer Situation mache und dass ich da nicht hilflos bin, sondern schon auch einen Einfluss haben kann, wie ich mit etwas umgehe.
      Ich hoffe nun einfach, dass ich das bis Dienstag zur nächsten Sitzung aufrecht behalten kann. Ich will endlich weiterkommen. Es nutzt mir doch nichts, mich immer an meinen alten Mustern festzukrallen und alles um mich herum (wie meine Thera sagte) in Schutt und Asche zu legen - und mich dabei gleich mit zu verbr*nn*n. Ich will nicht in einem Jahr zurückgucken und merken, dass ich nichts geändert habe. Ich will loslassen, auch wenn es sich furchtbar anfühlt. Als würde ich fallen und fallen und nur noch fallen. Sie meinte mal, sie würde mich halten, dafür sei ja die Therapie da. Ich hab mir nun ein Symbol geschaffen (einen Karabinerhaken mit einem Stück Seil dran, also eine Sicherung wie beim Bergsteigen) das ich immer dabei hab und das ich oft unbewusst anfasse und auch oft, wenn ich denke, mir zieht es grad den Boden weg.

      Was du, ares, gesagt hast, finde ich auch ganz wichtig. Ich weiß, dass sie mir gut tut, dass sie es gut mit mir meint, dass sie mir wirklich helfen will. Es gibt so viele Situationen, in denen sie das klargemacht und ihre Empathie ausgedrückt hat. Und gerade das löst dann wieder Wut aus, weil...sie DARF das einfach nicht...gleichzeitig will und brauche ich das. Dieses Gegensätzlich auszuhalten ist schwer, auf Dauer würde ich es gerne auflösen. Aber das geht wirklich nur, wenn ich ihr nich ständig unterstelle, dass sie sich über mich lustig macht und mich nicht ernst nimmt und mir schaden will. Es ist unfair, so von ihr zu denken, ich verstehe aber mittlerweile ein bisschen, warum ich das tue und dass das dem Selbstschutz dient.
      Dass da alle Facetten sein dürfen finde ich...fast schon eine provozierende Aussage. Aber ich stimme dir absolut zu. Ich wehre mich nur innerlich noch, weil das bedeutet, auch die Seiten zuzulassen, über die ich nichtmal in meinem Tagebuch wirklich schreiben kann. Aber es darf eben sein. Ganz egal, wie und ganz ohne Wertung. Naja, uff...da wird noch einiges auf mich zukommen. Aber mal diese Verbote und Gebote loszulassen und einfach zu dürfen, das klingt schon sehr nach der Freiheit, von der ich als Teenie immer geträumt habe.

      Und danke auch dir, Junimond. Die Erinnerung daran, mir Zeit zu lassen, war wichtig. Ich habe meine Wut und meine Verl*tzung in de rWeihnachtspause nicht gepflegt, ich hab erstmal weggeschoben und abgelenkt und dann mich portionsweise dem zugewandt. Ich bin da noch nicht auf stabilem Boden, aber es war besser, als mich zuzusaufen oder Medis zu m*ssbrauchen oder sonst irgendein destruktiver Scheiß.

      Ja, also ich bin euch allen die ihr hier geantwortet habt, echt dankbar. Ihr habt mir sehr geholfen, mich aus diesem schwarz-weiß-Denken zu lösen und mal langsam zu machen. Die Pause hier im Forum - und damit auch von dem und verwandten Themen - war da auch echt hilfreich. Ich hab Angst vor nächster Woche, vor den Terminen und - meinem Denken entsprechend - ob sie mich noch "lieb hat". Aber ich bin jetzt auch ein kleines wenig neugierig, da mehr rauszukriegen über mich und vielleicht ist da ja nicht nur alles ganz schlimm und furchtbar, sondern es wartet auch Gutes und vielleicht werde ich ja wirklich gehalten. Und lerne irgendwann auch, mich selbst zu halten und zu sichern. Und ich verstehe, dass ich meine Meinung haben darf, dass ich die auch verteidigen darf - aber eben nicht aus Wut, kindlicher Verl*tztheit und kindlichen Schemata heraus, sondern weil ich nach Nachdenken zu dieser Meinung komme. Aber auch da darf ich mal loslassen und gucken, was dann passiert - ohne gleich Angst zu haben, zu fallen und am Grund zu zerschellen.

      Ohje, das war jetzt sicher etwas wirr, aber so empfinde ich grad und ich bin froh, dass ich das hier mit eurer Hilfe durchkauen und entwickeln konnte. Wie gesagt: Angst vor der nächsten Zeit, aber auch Neugier und ein bisschen...naja...mehr Selbstkritik/-humor was meine Wahrnehmung angeht.

      Alles Liebe
      Fylgja
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      ~ Hannibal, S2E9

      Hallo Fylgia,

      ich habe lange überlegt, ob und wie ich dir ein paar Gedanken dazustelle. Ich bitte dich es mir zu erlauben.

      1) Wow – deine Art zu reflektieren und aus den Gegebenheiten einen Weg zu suchen und zu finden.

      2) Willkommen bei den Bergsteigerinnen. Karabinerhaken können Halt geben – viel Halt ;) . Aber es hängt auch davon ab, ob man in ihrem Umgang geübt ist. Also könnte das Üben dir Vertrauen in ihre Funktion und in sie geben. In einer Seilschaft muss man gegenseitig vertrauen. Therapie kann wie eine Seilschaft sein.

      3) Wenn man im Berg unterwegs ist, ist es wichtig, erst zu schauen, dann zu steigen (meine Erfahrung, mag auch andere geben :D ). Auch das Lernen durch Versuch und Irrtum gehört dazu, das aber in sicherem Umfeld.

      4) Bergsteigen kann auch an die eigenen Grenzen führen. Dieses Lernen für den aktuellen Moment zu akzeptieren kann lebensrettend sein. Training und Vertrauen in sich kann diese Grenzen sehr weit hinausschieben und damit zu neuen Horizonten führen.

      Ich wünsche dir für deine nächsten Therapieschritte das rechte Maß zwischen Geschwindigkeit/Fortschritt, dem Verankern und der Festigung des eigenen Vertrauens.

      Mit liebem Gruß die Elfe
      Hallo liebe Fylgja,

      schön, dass du nochmal berichtet hast wie es weitergegangen ist und dass dir die Antworten hier ein wenig geholfen und dich etwas durch diese schwere Zeit begleiten konnten.

      Ich wünsche dir für das Kommende viel Kraft und Durchhaltevermögen!

      Alles Liebe,
      disarming
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