"Übergriffe" auf Partys

      "Übergriffe" auf Partys

      Hallo :)

      Dieses Thema beschäftigt mich aktuell sehr. Ich muss vielleicht als "Vorgeschichte" erwähnen, dass ich in meiner Jugend sexuellen Missbrauch erlebt habe.
      Mir passiert es immer wieder, wenn ich feiern gehe, dass Menschen mich ungefragt in sensiblen Bereichen anfassen, mir Küsschen auf die Wange geben oder mir völlig fremde Menschen von ihren schlimmen Erlebnissen (sei es Missbrauch oder Gewalt in der Kindheit) erzählen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass mich das triggert. Meine Freunde sagen, es würde an meiner Art liegen offen auf Menschen zuzugehen und dass ich doch froh sein soll, dass man mir so schnell vertraut bzw. ziehen sie die Übergriffe auch ein bisschen ins Lächerliche. Mein Geburtsgeschlecht ist männlich, auch wenn ich mich eher als genderfluid bezeichnen würde, das spielt vielleicht auch eine Rolle bei der Bewertung der Berührungen, denn ich glaube dass diese Art von Belästigungen bei Frauen ernster genommen werden würden. Wobei ich hier keine sexistischen Theorien aufstellen will. Ich beziehe mich hier eher auf meine persönlichen Erfahrungen.
      Jedenfalls haben mich die letzten Partys jetzt in ein ziemliches Loch gerissen. Ich habe mich jetzt erst eine Woche komplett im Bett verkrochen und schaffe es inzwischen wieder jeden Tag vor die Tür zu gehen und auch mal 2-3h am Stück Zeit mit Anderen (obwohl es teilweise gute Freunde sind) zu verbringen. An arbeiten ist so überhaupt nicht zu denken, obwohl es gerade jetzt für meine berufliche Zukunft so wichtig wäre.

      Meine Frage ist im Grunde sehr simpel: Wie schaffe ich es in Zukunft mich vor solchen Übergriffen zu schützen?
      Hallo,

      ich kann sehr gut nachvollziehen, dass dir ungewollte Berührungen von fremden Menschen sehr unangenehm sind. Mir geht das auch so, ich mag das nichtmal bei Freunden, für die es ganz natürlich ist, sich zur Begrüßung ein "Küsschen" auf die Wange zu geben, mir ist das unangenehm.Ich sage das aber auch, zumindest im nachhinein, wenn ich mich von dem "schreck" erholt hab. Klar können das manche nicht verstehen, aber die meisten respektieren das. Wer es nicht respektiert, von dem halte ich mich fern. Auch fremden Menschen gegenüber kann man Grenzen aufzeigen.

      Ich weiß ja nicht, wo du da immer feiern gehst, in Clubs oder Diskotheken ist das vermutlich etwas schwierig und auch nur begrenzt erfolgversprechend, da meist schon grundsätzlich beengt und auch nicht unbedingt ein Ort, wo da sensibel mit Grenzen umgegangen wird. was aber nicht heißt, dass man es nicht trotzdem tun sollte. Seine Grenzen aufzeigen und schützen.Das ist nicht immer einfach, aber man kann es Stück für Stück lernen.

      Wenn es Dir allerdings so große Probleme bereitet, dass Du danach so fertig bist, dass Du Dich eine Woche im Bett verkriechst und nicht mehr arbeiten kannst, würde ich solche Orte erstmal meiden bzw. nur noch im vertrauteren Rahmen feiern. Ich mag sowas ja generell nicht so, deshalb ist das für mich auch nicht so ein Problem, und ich fühle mich generell im kleineren vertrauten Kreis viel wohler und hab auch dementsprechend eher Freundschaften, wo die Leute ähnlich drauf sind. Ich bin halt so und mittlerweile finde ich das auch ok so. Ich muss keine Partylöwin sein. Aber ich weiß nicht, wie das bei Dir ist, ist nur mein Umgang damit.
      Natürlich ist auch die Frage, ob Du schon mal an eine Therapie gedacht hast oder sogar eine machst. Da kannst Du auch lernen, Dich nach solchen triggernden Erlebnissen wieder zu stabilisieren und deine verletzten Anteile zu versorgen. Hast Du schon mal Erfahrung mit Stabilisierungsübungen gemacht? Es gibt dazu auch einen festen Thread im Forum.

      Mir helfen Imaginationen sehr gut, aber da muss man schon ein bisschen dranbleiben und ohne Anleitung ist es am Anfang vielleicht auch schwer, da was hilfreiches rauszuziehen. Aber mir hilft das sehr gut und ich hab das im Rahmen meiner Therapie gelernt und wende es immer mehr auch allein an und komme so schneller wieder aus dem ärgsten raus.
      Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will."
      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
      Die Ursache bin ich selbst! (Thomas Bernhard) :thumbsup:

      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)
      Danke für deine Worte.

      Ich war bis 2013 in Therapie und habe ein ambulante DBT gemacht. Ich habe dort auch gelernt mich selber zu beruhigen und mich bis zu einem gewissen Grad im Gleichgewicht zu halten. Bisher bin ich so auch stabil geblieben, obwohl seit dem manche unschönen Dinge passiert sind.
      Meine Freunde gehen gerne mal in einen Club oder eine Disco und ich gehe dann eben mit. Ich bin dann aber meistens bei draußen vor der Tür, weil da eben mehr Platz ist. Ich weiß nicht, was die letzte Party so besonders schlimm gemacht hat, dass ich komplett ins Wanken gekommen bin. Vielleicht liegt es ein bisschen an der hohen Anzahl der Überschreitungen, die dort stattgefunden haben oder ich war vorher schon leicht angreifbar.
      Ich glaube das Thema "Grenzen setzen" ist ein wunder Punkt bei mir. Ich habe es nicht gelernt, auch in der Therapie nicht. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich keinen Bezug zu meinem Körper habe und es mir deshalb schwer fällt zu spüren, wenn mir jemand zu nahe kommt, bevor etwas passiert.
      Ich werde auf jeden Fall wieder in Therapie gehen. Alles andere wäre wohl Quatsch.
      Mein Bedarf an unübersichtlichen Situationen ist jetzt erstmal gedeckt. Ich werde so schnell nicht mehr weggehen. Ich arbeite an einer Rezeption mit viel Publikumsverkehr. Ich will nicht schwach wirken, aber ich glaube aktuell nicht, dass ich dorthin schnell wieder zurückkehren kann, denn wenn ich mit fremden Menschen in Kontakt komme, fange ich sofort an auf sie irgendwelche Sachen zu projizieren, die so natürlich nicht da sind.
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