Rückfall nach 13 Jahren - könnte triggern!

      Rückfall nach 13 Jahren - könnte triggern!

      Liebe Forengemeinde,

      ich war hier vor langer Zeit einmal unter einem anderen Account, seitdem ist extrem viel passiert in meinem Leben. Ich habe die letzten 13 Jahre damit verbracht, mein Leben zu sortieren. Und in dieser Zeit ließ mich auch mein SVV endlich los. Natürlich hat die Zeit damals ihre Spuren hinterlassen, dennoch gehe ich insgesamt eher offen mit diesem Aspekt meines Lebens um, zumal ich so oder so eine ziemliche Baustelle bin. Damals war ich hier auch aufgrund zahlreicher psychischer Probleme, Sozialphobie usw. Mir haben zahlreiche Erinnerungen, die aus meiner Kindheit wieder hochgekocht sind, zu schaffen gemacht, jahrelanges Mobbing, Missbrauchserfahrungen aus der Schulzeit, Gewalterfahrungen. Hinzu kommt, dass ich in der damaligen Zeit mir auch über einige Aspekte meiner Selbst Gewissheit erlangte, welche ich partout nicht wahrhaben wollte. Damals begriff ich dass ich transident oder Transgender bin, was ich damals absolut nicht wahrhaben wollte.

      Ich habe in der Zwischenzeit seit damals erst einige Jahre ein Leben zwischen Partyexzessen und Alkohol geführt. Ich habe in den Tag hinein gelebt, irgendwann mein Studium abgebrochen und diverse andere Dinge "vollbracht" auf die ich nicht stolz bin. Dann folgte eine Phase der Stabilisierung, ich schaffte es mit 28 endlich eine Ausbildung abzuschließen in einem Beruf in dem ich auch heute noch arbeite. Es folgte eine erste Beziehung die an diversen Dingen zerbrach. In all dieser Zeit habe ich es geschafft standhaft zu bleiben was mein SVV betrifft.

      Ich lernte meine jetzige Frau kennen, wir heirateten usw. und ich führte ein sagen wir mal normales Leben, bis es eben vor anderthalb Jahren nicht mehr weiterging. Ich habe die Diskrepanz durch meine Transidentität nicht mehr ausgehalten sodass ich meinen Weg einschlug, die zu werden die ich jetzt bin. Natürlich liegt noch eine ganze Menge vor mir, ich stecke mitten im Angleichungsprozess, welcher wie ich bis vor kurzem dachte meine Psyche weiter stabilisiert. Leider belastet all das meine Beziehung erheblich, sodass die Trennung seit geraumer Zeit im Raum steht.

      Nun kam es natürlich auch zu einigen Rückschlägen auf meinem Weg, Anträge wurden von der Krankenkasse abgelehnt usw. Und irgendwas hat all das mit mir gemacht. Denn vor knapp zweieinhalb Wochen war diese innere Anspannung von damals plötzlich, durch Träume ausgelöst, wieder da. Ich habe es bis zu diesem Zeitpunkt so viele Jahre ohne geschafft, und dann ist es doch zu einem Rückfall gekommen..

      Und nun habe ich das Problem, dass dieser verdammte Druck von damals fast ständig präsent ist und mich zeitweise wahnsinnig macht. mit Skills habe ich es bei meinem Rückfall vor einer Woche einige Zeit geschafft, aber am Ende ging einfach gar nichts mehr. Momentan bin ich leider ziemlich verzweifelt, weil der Druck langsam wieder immer weiter anwächst und ich das einfach nicht mehr will! Ich bin aufgrund der ganzen trans-Geschichte seit anderthalb Jahren in Begleittherapie, das SVV von damals ist da natürlich bekannt, dennoch habe ich auch Angst, meine letzten Schritte was das Thema betrifft dadurch zu gefährden.. Ist gerade alles ziemlich beschissen.. Eigentlich bin ich glücklich mit all dem was ich erreicht habe, ich kann endlich so leben wie ich es für mich richtig empfinde, ich habe einen guten Teil meines Weges geschafft. Ich leite mittlerweile selbst eine Selbsthilfegruppe für andere Betroffene. Eigentlich geht es mir gut und dennoch... diesesr scheiß SVV-Druck lässt mich derzeit einfach nicht mehr los und ich weiß nicht warum?

      Musste all das einfach mal loswerden :( Ich hoffe ich habe kein wirres Zeug geschrieben.

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      Hallo Alessya, schade dass bislang noch niemand zum antworten gekommen ist.

      Also, zuerst würde ich sagen, dass du stolz auf dich sein solltest - 13 Jahre ohne SVV ist doch schon mal ein riesiger Erfolg, der auch durch Rückfälle nicht gemindert wird.
      Eigentlich bin ich glücklich mit all dem was ich erreicht habe, ich kann endlich so leben wie ich es für mich richtig empfinde, ich habe einen guten Teil meines Weges geschafft. Ich leite mittlerweile selbst eine Selbsthilfegruppe für andere Betroffene. Eigentlich geht es mir gut und dennoch (...)

      Das sehe ich auch so; aber ich kann mir vorstellen, dass dich die Rückschläge (abgelehnte KK-Anträge) sehr belasten.

      dennoch habe ich auch Angst, meine letzten Schritte was das Thema betrifft dadurch zu gefährden


      Was genau meinst du mit gefährden?


      Liebe Grüße, Kasmo

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      Hi Kasmo,



      ja in der Hinsicht hast du vollkommen recht, 13 Jahre ohne SVV ist eine lange Zeit, die ich immer im Hinterkopf behalten sollte. Seit meinem letzten Rückfall habe ich es geschafft, dass es nicht nochmal passiert ist. Der
      Druck ist immer noch da, aber nicht mehr so stark, sodass ich damit einigermaßen zurechtkomme.

      Es ist eine enorme Belastung diesen Weg zu gehen, zwar bin ich seitdem frei und kann so leben wie ich möchte, gleichzeitig ist da nun die Belastung durch misgendern (falsche Zuordnung meines Geschlechts durch andere), die zerrüttete Beziehung und der Kampf mit der Krankenkasse. Das Thema ist
      ziemlich komplex, da es eine ganze Menge Richtlinien gibt, viele Einzelfallentscheidungen usw. Zumindest konnte ich mittlerweile einen Teil der beantragten Behandlungen bei der Kasse durchbekommen.

      Es ist so, dass ich mittlerweile meine Bartepilation genehmigt bekommen habe, derzeit kämpfe ich mit der Krankenkasse um die Kostenübernahme der geschlechtsangleichenden Operation. Da diese hauptsächlich aus formalen Gründen abgelehnt wurde, sollte ich diese hoffentlich bald genehmigt bekommen. Die letzte Baustelle die mir am meisten Kopfschmerzen bereitet ist das Thema FFS (Facial feminization surgery). Diese wird zu 100% von der Kasse abgelehnt, auch wenn neue Behandlungsrichtlinien etwas anderes besagen. Da bleibt dann nur der Klageweg um überhaupt eine Chance zu haben.

      Nun, mit meinem Weg gefährden meine ich folgendes: Es gibt eine ganze Menge von sogenannten Ausschlussdiagnosen die eine medizinische Behandlung bei Transgendern verhindern können. Das gilt z.B. für Borderline (was mehrfach bei mir ausgeschlossen wurde), Suizidgedanken, teilweise für Depressionen etc. Ich bin nach wie vor in einer verpflichtenden Begleittherapie, welche notwendig ist, um diesen Weg überhaupt gehen zu können. Solange ich aus psychologischer Sicht stabil genug bin, ist alles im Lot, ändert sich diese Einschätzung, ist dieser Weg für mich zumindest vorerst zuende.

      Ich habe Angst davor, dass ich irgendwann vor eine Wand renne auf meinem Weg und bei weiteren Rückfällen auch Probleme mit meinem restlichen Weg auftauchen.

      Liebe Grüße
      Alessya

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      "Ich habe Angst davor, dass ich irgendwann vor eine Wand renne auf meinem Weg und bei weiteren Rückfällen auch Probleme mit meinem restlichen Weg auftauchen."

      Du rennst nicht vor eine Wand, sondern für deinen Wunsch, eine Frau zu werden.
      Bleib tapfer. Ich muss sagen, ich habe das Gefühl, das du sehr geduldig bist. Wäre ich es, würde ich schon nach einem Arztbesuch, an dem ich einem Hinderniss ausgesetzt bin, ausflippen.
      Ich sehe, das es für dich sehr schwierig ist, aber du musst weiter machen. Ich weiss nicht was die Zukunft bringt, aber egal was sie bringt, der Weg und das Probieren sind nicht umsonst. Lieber probieren und scheitern als gar nicht erst zu versuchen.

      Sollte dein Therapeut zudem dich nicht unterstützen und wissen, dass das Ablehnen der Transformation für dich und für dein psychologisches Wohlergehen im Nachteil wäre? Dass die Transformation dich verzweifeln lässt, gerade weil es schwierig ist?
      Also sollte der Therapeut es nicht noch schwieriger machen.
      Und was die anderen Ärzte und die Krankenkasse angeht, naja muss echt schwierig sein.

      Aussersem: Liebe fängt nicht beim Geschlecht an, die geht weiter als das. Deine Frau sollte dich so akzeptieren wie du bist.

      Oder du findest jemand anderen, der dich so liebt wie du bist, wo du selbst sein kannst, anstatt deine Bedürfnisse zu bekämpfen. War ja klar, dass irgendwann es nicht für dich auszuhalten war. Du hast dich an das sogenannte Leben angeklammert, das ja "sooo toll verlief".
      Ignoriere nicht deine Bedürfnisse, nur damit dein Leben "toll" verläuft, denn in Wirklichkeit ist ja nicht alles toll gewesen. Du musst endlich auf dich hören, was du brauchst.

      Und dein Partner weiss natürlich nicht wie du aussehen wirst. Es muss erstmal abgewarten werden.

      Ich hoffe du findest dein Glück. Jemand, wie dich, das schon so sehr mit sich selbst kämpfen musste, verdient es glücklich zu werden, und du verdienst jemanden der dich in deinem Weg unterstützt.

      LG