Ein Unfall und die Folgen... [Trigger]

      Ein Unfall und die Folgen... [Trigger]

      Hallo zusammen,

      ich bin noch dabei, zu überlegen, in welche Richtung dieser Thread gehen soll.
      Ich erhoffe mir eventuell Tips, Denkanstöße, usw., um mit der veränderten Situation umzugehen.

      Ich bin mir bewusst, dass das Thema triggern kann.
      (Inhalt: Es geht um Unfälle mit Verl**zungen und T**esfolge, Verlust, Traumata und der schwierige Umgang damit)


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      Eins vorweg zur Erklärung: mein Freund und ich sind seit einigen Jahren in einer festen (Fern-)Beziehung, aber aus verschiedenen Gründen wohnen wir derzeit noch getrennt (ca. 200 Kilometer auseinander).

      Folgendes ist passiert:


      Vor fast acht Wochen (am 16.12.2018) ereignete sich ein schwerer Autounfall, in den mein Freund, seine Mutter und sein elfjähriger Neffe verwickelt waren.
      Eins vorweg: es traf sie nicht die geringste Schuld daran.

      Das ist so passiert: Sie fuhren mit dem Auto die Landstraße entlang und ihnen kam eine Kolonne Autos auf der Gegenfahrbahn entgegen.
      Aus dieser Kolonne ist ein Auto ausgeschert, um die anderen Autos zu überholen ... und frontal in das Auto rein gekracht, in dem mein Freund und seine Familie saßen.

      Seine Mutter hat es leider nicht geschafft...

      Mein Freund und sein Neffe sind schwer verletzt worden, aber sind zum Glück beide auf dem Weg der Genesung.

      Mein Freund war die ganze Zeit im Krankenhaus und ist seit kurzem in einer Reha-Klinik. Wahrscheinlich noch bis Ende Februar/Anfang März.
      Anfangs war bei ihm nicht klar, ob er überlebt und wenn ja, ob er vielleicht halsabwärts gelähmt sein könnte... doch zum Glück hat sich seine Prognose stark verbessert.
      Er hat mittlerweile schon erstaunliche Fortschritte gemacht, alle OPs sind gut verlaufen, aber er ist noch nicht voll genesen und es bleibt abzuwarten, wie es sich in Zukunft bei ihm auswirkt. Sobald er aus der Reha entlassen wird, werde ich bei ihm sein, um ihm im Alltag zu helfen und für ihn da zu sein.

      Psychologisch wird das Ganze vermutlich sehr schwierig für ihn.
      Er hatte bereits vor dem Unfall seit Jahren psychische Probleme und dafür nur unzureichend Hilfe… deswegen wäre es wohl gut, wenn er sich dann professionelle Unterstützung sucht (da ich da auch an meine Grenzen stoße).

      Wie sein Neffe mit der Situation umgeht, weiß ich auch noch nicht.
      Er hat sehr an seiner Oma gehangen...
      Anders als mein Freund hat er den Unfall anscheinend bei vollem Bewusstsein miterlebt.


      Hinzu kam bei mir auch, dass vier Tage nach dem Unfall meine eigene Oma gestorben ist (zwar nicht unerwartet, da sie hochbetagt und schwer krank war) aber das ist auch etwas, das es für mich nicht einfacher macht. Obwohl meine Familie mir schon sehr geholfen hat, wofür ich auch sehr dankbar bin.



      Hm ja, falls jemandem irgendwas dazu einfällt, nur raus damit. ^ ^ Danke fürs Lesen!

      Liebe Grüße, Kasmo

      Liebe Kasmodiah,

      ehrlich gesagt weiß ich überhaupt nicht, was ich dazu sagen soll. Nur, dass es mir wahnsinnig leid tut, was dir und deiner Familie passiert ist.

      Ich glaube, dass es schwer ist, sich auf die Zeit nach der Reha vorzubereiten, da ihr beide vermutlich noch nicht einschätzen könnt, wie es deinem Freund dann körperlich und psychisch geht. Aber ich glaube wie du schon geschrieben hast, dass es ganz wichtig ist, dass er sich professionelle Hilfe sucht, um das ganze zu verarbeiten.
      Ein Freund von mir hatte einmal einen schweren Unfall bei der Arbeit und er hat leider trotz damaliger Therapie eine PTBS entwickelt. Ihm hilft es aber unheimlich, dass seine Freundin ihn unterstützt, vor allem klar benennt, was ihr auffällt, wenn er sich z.B. anfängt anders zu verhalten (zu viel Stress, zu viele Reize, mögliche Trigger, die er nicht bemerkt). Seine Familie spricht nie über den Unfall und er sagt, dass ihm das fehlt. Aber da ist natürlich jeder anders.
      Es wird sicher nicht leicht, aber ich glaube, dass ihr das schaffen könnt, wenn ihr ehrlich zu einander seid, was ihr von einander braucht und erwartet.
      Bist du denn noch in Therapie oder kannst du mit deiner Familie oder Freunden darüber sprechen, wie es dir geht?

      Ich wünsche euch alles erdenklich Gute,

      Granul
      It is possible to commit no error and still lose. That is not a weakness... that is life. (Jean-Luc Picard)
      Liebe Kasmodiah,
      bitte verzeih, falls meine Zeilen zu unbeholfen rüberkommen. Es fällt mir schwer im Angesicht eines solchen schrecklichen Ereignisses helfende Worte zu finden.

      Niemand wünscht sich oder anderen etwas Schreckliches, so was wie einen Unfall. Und doch passieren solche Ereignisse jeden Tag, jede Minute und treffen uns. Manchmal sind wir nur mittelbar betroffen, da wir das Geschehen nur durch Nachrichten wahrnehmen. Aber manchmal sind wir direkt betroffen, ob als Freundin, Partnerin, Familienangehörige, die direkt in den Unfall verwickelt ist, oder als der Mensch, der diese schreckliche Nachricht von den Verletzungen oder sogar dem Tod nahe stehender Menschen übermittelt bekommt.

      Solches Geschehen reißt uns den Boden unter den Füßen weg, zeigt uns, wie schwach und verletzlich wir jederzeit sind, und stellt plötzlich riesige Herausforderungen an uns in unserer Gesamtheit. Wir sind als Partnerin einerseits plötzlich gefordert, Stärke und Kraft für den direkt Betroffenen zu zeigen, und möchten dies auch von ganzem Herzen tun, ihm dieses Gespür des so wichtigen Haltes zu vermitteln … und uns selbst fehlt vielleicht gerade in diesen Momenten selbst dieser kleine Anker des Haltes und der Kraft.

      Deshalb möchte ich dir gerade als erstes diesen kleinen Punkt der Kraft und Stärke für dich wünschen, dass du, auf welchem Weg auch immer, durch weitere Freunde in deinem/in eurem Freundes- und Bekanntenkreis, aber vielleicht auch durch die Familie, durch das Aufgenommen-Sein in diesen Kreis, dich eingebettet weißt in ein gutes Netzwerk an helfenden Händen und helfenden Worten und Gedanken.

      Vor dir, vor euch liegt ein längerer und auch sicherlich beschwerlicher Weg, bis die ersten direkten und offensichtlichen Wunden beginnen zu heilen, bis die Eindrücke dieses Geschehens und seine Folgen für dich/ für ihn und seine Familie und ihre vordergründige Wirkung verblasst. Aber es bleiben die tiefer liegenden Auswirkungen und Verletzungen, die Kraft – ja manchmal Kraft bis zur Zerreißprobe – einem abfordern. Auch hier hoffe ich für dich und deinen Freund, für seine Familie, dass ihr gemeinsam diesen Weg schaffen und zu einem guten Ende bringen könnt. Liebe, gegenseitiges Stützen und Vertrauen, der gemeinsame Weg werden einerseits Trost für das Geschehen andererseits aber auch der schützende Mantel für die Seele sein.

      Es ist sicherlich gut, diesen Weg in fachlicher Begleitung zu gehen, sei es psychologischer Art, sei es aber auch vielleicht seelsorgerischer Art. Hier die Personen eures Vertrauens und damit die bestmögliche Unterstützung und Hilfe zu finden, das wünsche ich euch.

      Ich wünsche dir und deinem Freund und seinen Angehörigen
      alles Liebe und alle Kraft dieser Erde
      Elfenspiegel

      Neu

      Liebe Kasmodiah,


      Es tut mir unendlich Leid, was deinem Freund und seiner Familie passiert ist.
      Und, dass deine Oma verstorben ist und dass das zeitlich so nah an dem schlimmen Unfall passieren musste und auf einen Schlag so viel Leid über dich gekommen ist.

      Als (ehemalige) Rettungsassistentin möchte ich auch was dazu sagen, bitte entschuldige, wenn es abgeklärt wirken sollte:
      Alle!!!! Beteiligten müssen sich so schnell wie möglich Hilfe holen! Stichwort Posttraumatische Belastungsstörung!
      Vor allem, wer psychisch vorerkrankt ist, aber genauso Gesunde. Es ist wahnsinnig wichtig über all das zu reden, damit keine Folgeprobleme entstehen.

      Eine Therapie ist sicher ein guter Weg (für deinen Freund und ganz besonders auch für seinen Neffen) . Je nachdem wo du, dein Freund und sein Neffe wohnen, gibt es begleitend auch die Möglichkeiten ein Trauercafe zu besuchen bzw Selbsthilfegruppen für Trauernde. Sodass gibt es auch für jüngere Menschen und für Kinder und Jugendliche ist mir aus München ein Trauertreff bekannt. Vielleicht gibt es an dem Wohnort des 11-Jährigen auch so etwas ?
      Einfach ein geschützter Raum, an dem man reden oder schweigen kann, weinen oder still sein darf und keine Maske tragen muss hilft manchmal.


      Ansonsten sage iCh aus eigener Erfahrung: nach belastenden Einsätzen (bei denen teilweise auch Bekannte verwickelt waren, was im ländlichen Raum scjobmal vorkommt, dass man das Unfallopfer oder Verursacher persönlich kennt) ist es unglaublich wichtig zu reden.
      Womit komme ich gerade nicht klar?
      Womit kann ich leben/ Was ist geschehen, das ich akzeptieren kann?
      Wie geht es mir?
      Was dringt gar nicht zu mir vor und warum?


      IcH wünsche dir und deinem Freund, dass ihr miteinander reden könnt, wenn einer reden mag, dass ihr auch zusammen schweigen könnt, wenn die Worte versagen und dass niemand seinen Kummer und Schmerz in sich einschließt.

      Viele Grüße
      Avicienna
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