Erfahrungen: Teilsiege bei Angststörungen

      Erfahrungen: Teilsiege bei Angststörungen

      Hey,


      da ich seit einiger Zeit wieder extrem mit einer generalisierten Angststörung (Ängste stürzen sich auf unterschiedliche Themen) zu kämpfen habe, dieser unfassbare Mist sich jetzt bereits seit meiner Kindheit hält und ich nicht das Gefühl habe, dass mich bislang jemand verstanden hat (von brauchbarer Hilfe möchte ich gar nicht erst anfangen) würde mich interessieren, ob es hier Personen gibt, die tatsächlich Besserung erfahren konnten. Am wichtigsten wäre die Frage: Wodurch geschah dies? Wer hilft euch? Werdet ihr verstanden?


      Mein Hauptproblem ist vermutlich eine völlige soziale Isolation (bis auf meine Mutter, aber die ist vielbeschäftigt und beruflich extrem eingespannt), meiner Vermutung nach soll durch die Angst Kontrolle und Sicherheit erlangt werden, da es ja wirklich immer um das Planen und Absichern von Eventualitäten geht (ich stelle mir in solchen Situationen wahnhaft Notfallpläne zusammen und bin derzeit stolzer Besitzer von 5000 Notfall-Dokumenten...wer da nicht bekloppt wird). Ich fühle mich momentan einfach völlig verloren und...ja, möchte das nicht mehr ganz alleine ertragen.


      Vielen lieben Dank fürs Durchlesen.
      Menschen, die v*rl*tzt wurden, sind gefährlich, denn sie wissen, dass sie überleben
      Hallo Sin Ratziel

      ich bin von dem Thema nicht direkt betroffen, daher kann ich hinsichtlich deiner Frage leider nicht so viel dazu beisteuern.

      SinRatziel schrieb:



      (...) meiner Vermutung nach soll durch die Angst Kontrolle und Sicherheit erlangt werden, da es ja wirklich immer um das Planen und Absichern von Eventualitäten geht (ich stelle mir in solchen Situationen wahnhaft Notfallpläne zusammen und bin derzeit stolzer Besitzer von 5000 Notfall-Dokumenten...wer da nicht bekloppt wird).


      Für mich klingt deine Vermutung sehr plausibel. Wahrscheinlich liegt darin auch der Knackpunkt zur "Lösung" (unpassender Begriff, aber mir fällt gerade nichts besseres ein).


      Ich fühle mich momentan einfach völlig verloren und...ja, möchte das nicht mehr ganz alleine ertragen.


      Das ist definitiv verständlich. Aber Angsterkrankungen sind weiter verbreitet als viele ahnen; sehr viele, die darunter leiden, trauen sich nicht, mit jemandem darüber zu reden oder haben die Befürchtung, dass Ahnungslose sie dann für "verrückt" halten. Aber es ist sicherlich (auch hier im Forum) ein verbreitetes Phänomen (weiß nicht, ob dir der Gedanke etwas hilft).

      Liebe Grüße,
      Kasmo

      Hallo,

      also Angststörungen kenne ich aus dem Verwandtenbereich. Das einzige was geholfen hat war eine Therapie die einem aus der Isolation hilft. Zuerst war es so das wir sie so für 10-15 Min in der Woche besucht haben (nach Absprache). Irgendwann wurde das gedreht und wir bekamen Besuch.
      Heute geht Sie mit Ihren Neffinen zu lokalen Fußballspielen. Natürlich war es ein langer weg, sie hat es geschafft.

      Edit: Sie sagte gerade am telefon gesagt, dass Ablenkung wichtig war. Sie hat parallel zuhause die Klasse 11 und 12 gemacht (später dann Abitur).
      Hey - herzlichen Dank für eure Antworten. ^^

      @Kasmo: Das muss wohl richtig sein, denn nachdem ich letzte Woche eine grandiose Panikattacke hatte, mich st*rb*ns*l*nd fühlte und es wirklich unerträglich wurde, blieb mir keine andere Lösung, als mit Mandalas, Pumuckl-Folgen und ganz trivialen Dingen den Versuch eines radikalen Umbruchs zu starten und all die wichtigen und schweren Gedanken sich selbst zu überlassen. Ich glaube, wenn gar nichts mehr geht und man erzwungenermaßen eine "Jetzt kann mich alles gern haben, ich halts nicht mehr aus"-Haltung einnimmt (weil nichts anderes mehr bleibt), dann wirds langsam wieder. Einfach diese Spannung irgendwie durchbrechen.

      Doch, es hilft mir, wenn ich mir vor Augen halte, dass es kein einsames und unsägliches Leid ist, das beinahe unmenschlich daherkommt.
      Ich habe auch herausgefunden, dass sich aktuell mehr und mehr Dinge in unserer Gesellschaft in Richtung Sensibilität orientieren, es beispielsweise immer mehr Angst-Zahnärzte gibt und sich mehr und mehr Menschen Gedanken über das Miteinander und den vorsichtigen Umgang mit Lebewesen machen. Das hilft auch, denn einer der Anfänge meiner Angst liegen in der frühen Entdeckung, dass vieles im alltäglichen Leben unnötig brutal abläuft - aber ohne Weiteres von der Norm akzeptiert wird...naja, wohl mehr und mehr "wurde".


      @Nord: Dann hast du wohl nachgefragt, das ist lieb, danke. :) Das macht Sinn...wenn man übermäßig viel Zeit hat, seine Notfallpläne mit all ihren Absurditäten ins Genaueste zu beleuchten, dann wird es verdammt eng. Vor allem, wenn man niemanden hat, den man fragen könnte, wie er die Lage so ganz realistisch und ohne Angst einschätzt. Soziale Isolation soll wie F*lt*r wirken - das kommt tatsächlich hin.

      Ich war an sich, bis vor anderthalb Jahren, ebenfalls in Klasse 13 (gibts hier noch) und sollte Abitur machen. Aufgrund meiner Angststörung benötigte ich allerdings einen Nachteilsausgleich, was bedeutet, die mündlichen Prüfungen sollten per Skype durchgeführt werden (ich habe selektiver Mutismus, spreche in bestimmten Situationen nicht). Die Rektorin rastete aus und verwies mich der Schule. Das war möglich...mich traf der Schlag. Aber es stimmt schon: Ansprache, Anerkennung, das Gefühl, irgendwo dazuzugehören, Freunde und das Wahrgenommenwerden, sind sehr wichtig.



      Liebe Grüße und nochmals danke.
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