viele Jahre clean. Gedanken haben nie aufgehört

      viele Jahre clean. Gedanken haben nie aufgehört

      Hallo Fories,

      ich bin's, schlehe. Ich war schon lange nicht mehr hier, habe das Forum bewusst nicht mehr aufgesucht. Selbst, als ich noch regelmäßig vorbeigeschaut habe, war ich nie extrem aktiv und habe auch einiges an ziemlichem Nonsense gepostet, glaube ich. Vielleicht kann ja trotzdem noch jemensch was mit meinem Nickname anfangen.

      Das leitet eigentlich direkt zum Thema über: Ich bin jetzt in einer vollkommen anderen Situation als vor ca. 7-8 Jahren. Ich lebe in einer WG in einer Unistadt, bin seit langem clean (>7 Jahre), bin relativ erfolgreich in meinem Studium, und so weiter.

      Was ist mein Problem? Die Gedanken an SvV sind niemals ganz weggegangen, in den ersten 4.5 Jahren, nachdem ich aufgehört hatte, habe ich praktisch täglich SvV-Bedürfnisse händeln müssen, danach ließ der Drang allmählich nach. Ich hatte gehofft, dass es dann allmählich nochmal weniger werden würde, aber das ist nicht geschehen. Immer und immer wieder ziehen Gedanken in diese Richtung durch meinen Kopf, die mich quälen. Diese Woche wurde irgendwann ein Extrempunkt erreicht, als wir uns in einem Seminar an der Uni mit ganz bestimmten V*rl*tz*ng*n auseinandersetzen mussten. Auch das ist ein Punkt, der mich nervt. An viele Trigger konnte ich mich gewöhnen, sie haben mit der Zeit ihre Stärke verloren, doch manches ist seit fast 7-8 Jahren einfach unverändert intensiv.

      Nun kenne ich offline einige Menschen, die mit SvV zu tun hatten, habe mich mit denen unterhalten, und festgestellt, dass meine Erfahrung nicht so "normal", zumindest, was diese Stichprobe angeht, zu sein scheint. Alle Gesprächspartner*innen hatten nur noch sehr sporadisch, wenn überhaupt, ernsthafte Gedanken an SvV.
      Auch wenn die Menschen weder repräsentativ noch sonstwas sind, bin ich daher gerade nun irgendwie doppelt frustriert, im Sinne von "liegt es am Ende an mir, wenn ja, woran eigentlich genau?".
      "Genervt" und "frustriert" sind dabei eigentlich ziemliche Untertreibungen. Wenn ich in meine Zukunft schaue, bin ich gerade irgendwie schon am verzweifeln.

      Wenn ich mich richtig erinnere, ist es hier immer sehr gern gesehen gewesen, konkrete Erwartungen an Antworten zu formulieren. Mich würde einfach interessieren, wie Menschen hier auf richtig lange Sicht mit SvV-Druck umgehen. Hat jemensch nach so langer Zeit noch erlebt, dass es irgendwann doch wieder besser wurde? Kann man sich damit einfach abfinden? Oder war es für euch notwendigerweise ein Zeichen, dass man "noch nicht genug Therapie gemacht" hat?
      Ich kann diesen Punkt, wie auch die anderen, bei Bedarf gerne näher beschreiben.
      Und achja, nein, ich bin schon lange nicht mehr in Therapie.

      Liebe Grüße
      schlehe
      Hallo Schlehe,

      Erste Freage: warst du in Therapie?

      Ich denke, wenn aufgearbeitet hat, und zufrieden mit sich und dem Leben, bzw. mit sich im Reinen ist kommen diese Gedanken nicht.

      Mir persönlich geht es ähnlich, deshalb geistere ich hier nach Jahre - bin auch schon ne weile "clean" hier rum.
      Habe aber nie richtig aufgearbeitet... manchmal heilt die zeit doch wunden und ab und an merkt man die Narben....

      Ich lenke mich ab wenn die Gedanken kommen..... das funktioniert ganz gut und da ich - so würde ich das sagen - mehr oder weniger mitten im Leben stehe und da gefordert werde klappt das gsnz gut.

      Das waren meine spontanen Gedanken zu dem Thema.

      Viele Grüße

      Evien
      ... Die Ironie des Lachens ist der erbitterte Kampf des Überlebens ...

      Höre die Schreie der Verzweiflung,
      Fühle die Schm*rz*n
      Denn etwas will st*rb*n
      Jede Nacht.
      .
      hallo,
      erst einmal find ich es toll, dass du dich so gut stabilisieren konntest und auch die Gedanken, der Drang nach SVV mittelfristig doch abgenommen hat.

      Was deine Fragen angeht, kann ich nur von meinen Erfahrungen berichten. Vielleicht ist da auch was hilfreiches für dich dabei.

      ich habe mich auch schon viele Jahre nicht mehr verletzt, ich weiß gar nicht genau wieviele. Der Drang oder die Gedanken daran waren bei mir immer nur in großen Drucksituationen vorhanden, das hat nachdem ich aufgehört habe, auch mit der Zeit mehr an bedeutung verloren. Was aber nach wie vor da ist, dass ich nach wie vor unverändert stark auf viele Trigger reagiere und da dann auch immer wieder Gedanken daran auftauchen, allerdings nicht mehr so , dass der Druck längere Zeit anhalt, es ist eine der alten Möglichkeiten, iwie Druck loszuwerden, die dann wieder ins Bewusstsein treten.

      Das SVv im engeren Sinn war bei mir nie so ein Hauptthema, mehr eine Begleiterscheinung dazu. Aber ich kenne das, was Du beschreibst, in Bezug auf Essstörung. Die Gedanken daran haben nie aufgehört, und ich kann es zwar aushalten und nicht mehr meinen Impulsen unbedingt folgen, aber es ist nach wie vor immer wieder belastend, vor allem, wenn ich wieder mit Belastungen und oder Triggern zu kämpfen habe. Ich habe mich auch oft wie Du gefragt, ob das jemals aufhört. und ob es an mir liegt, weil ich einfach noch nicht wirklich "gesund" bin. Dennoch, es ist langsam langsam doch vieles sehr viel besser geworden, und ich kann besser damit umgehen, wenn es mal wieder nicht so gut ist. ich kann es annehmen, dass es jetzt wieder mal so ist. und weiß, dass es auch wieder besser werden kann und darf. und dass ich es aushalten kann,Das war für mich eine Schlüsselerkenntnis
      Ich habe mich auch in bezug auf schädliche Verhaltensweisen stabilisiert, der Druck und Drang ist aushaltbar geworden, aber das war für mich nie ein alleiniges Kriterium, das Gesamtpaket, wie es mir geht, ob ich noch Therapie brauche , zu beantworten.
      Denn da hängen einfach oft viele Dinge ineinander, und nur, weil man sich nicht mehr verletzt und seine Gedanken daran meist in Schach halten kann, muss das noch lange nicht heißen, dass zugrundeliegende Probleme so weit bewältigt werden konnten, dass das nicht trotzdem noch mit da ist und immer wieder auch stärker werden kann, aber auch wieder schwächer.

      Ob man sich damit abfinden kann? Schwere Frage, abfinden finde ich so ein kategorisches Wort, und ich wollte und konnte mich auch nie damit abfinden, dass es "immer" so bleiben könnte. Aber ich hab nach langen Jahren zu einer anderen Sichtweise gefunden. Ich finde mich nicht damit ab, aber ich nehme es an und kann damit leben, mal mehr, mal weniger gut. Und ich versuche weiter , daran zu arbeiten, Strategien zu finden, die Triggern und Gedanken ihre Macht nehmen können, so gut es geht.
      so gut es geht, das ist das Motto für mich geworden, denn damit kann ich dranbleiben, immer weiter versuchen, etwas zu verbessern, auch wenn es mir vielleicht nicht gänzlich gelingt und auch nur sehr sehr langsam. Ich bleibe dran und es gibt Hoffnung. Und ich habe auch selbst erlebt, dass es auch, wenn es nicht verschwindet oder so klein wird, dass ich damit mit Leichtigkeit umgehen kann, es kann trotzdem wieder leichter werden, und manchmal auch wieder schwerer zwischendurch, aber in kleinen Schritten verändert es sich trotzdem hin zum besseren. und es war eine große Erleichterung für mich, als ich mir das selber erlauben konnte , damit zu leben und alles zu versuchen, damit es besser werden kann. So gut, wie es geht.
      und dass es ok ist, wenn ich mir dafür auch immer wieder Unterstützung hole in Form von Therapie. Dass es NUR darum geht, dass es mir besser gehen kann, und weitestgehend aufgehört hab, mich mit anderen zu vergleichen.
      Sicher gibt es menschen, die keine Gedanken mehr daran quälen, aber es gibt auch welche, die sie immer begleiten werden, mal stärker , mal schwächer. Aber das heißt nicht, dass sich das nicht auch verändern kann, immer wieder.

      Ich habe diesen Absolutheitsanspruch nicht mehr, wohl auch, weil es mir weitestgehend gut genug geht, um die noch vorhandenen Begleiterscheinungen relativ gut "mitnehmen " zu können, in meinem Leben, und das ist die Hauptsache. Dass ich damit leben kann, so, dass ich sagen kann, es ist ok für mich, meistens. und wenn es nicht ok ist, versuche ich trotzdem nicht zu resignieren und setze alles daran, damit es wieder besser werden kann. Es ist ein auf und ab , aber die Wellen werden kleiner, mit der Zeit. und manches verliert so unmerklich klein seine Spitzen, dass man es glaub ich oft gar nicht so sieht, aber dennoch bewegt sich etwas zum Guten hin.Und manches sieht man vielleicht auch erst viel später. So erlebe ich es. Insgesamt ist das Vertrauen darauf, dass es immer wieder auch besser wird und immer wieder eine Möglichkeit gibt, etwas zu verbessern, und die Basis, auf der ich stehe, zu verbreitern, für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse, die mich damit im Laufe der jahre entspannter werden ließ.

      Ich weiß nicht, ob Dir das jetzt eine Hilfe ist, so ist meine Erfahrung und mein Umgang damit. Vielleicht hilft dir auch das Wissen, dass du nicht die einzige bist, die da längerfristig mit Begleiterscheinungen zu tun hat. Wäre es vielleicht auch eine Option für Dich, noch einmal eine Therapie zu machen? Vielleicht nicht so stark symptomorientiert, mehr die dahinterliegenden Dinge betreffend, weil du auch davon schreibst, dass diverse Trigger dir immer noch so stark zu schaffen machen, wie früher?
      Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will."
      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
      Die Ursache bin ich selbst! (Thomas Bernhard) :thumbsup:

      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)
      Hi,
      also ich hatte mich Ende 2016 mit [...] geritzt, nicht sonderlich tief oder so. [...] Damals war ich knapp 15 Jahre alt. Nun bin ich ca. 2 Jahr später rückfälllig geworden, also Ende 2018. Diesmal war es dann krasser [...]. Hat sich im Laufe der Zeit ausgebreitet, hatte ca. 1 Jahr lang mind. 1x die Woche geritzt bis hin zu mehrmals am Tag.
      Ich hatte mich 2016 entschlossen eine Therapie zumachen, bis diese dann im März 2017 anfing, hatte ich mich nicht mehr geritzte, meine Eltern nahmen mir damals alle scharfen gegenstände weg. Und ich hatte damals auch keine Idee bzw Motivtation aufgrund von Depressionen mir einen Ersatz zu suchen.
      Nun bin ich seit dem 07.10.19 clean. Und denke fast täglich daran. Es gibt sehr viele trigger, mir hilft am besten etwas kreatives zu machen, aber gegen manche trigger ist es echt schwer dagegen anzukommen, ich habe meine Klingen selbst weggeschlossen, habe dann welche geklaut und diese auch weggeschlossen etc... Ich kann nur von diesen 2 Jahren clean reden, an denen ich auch drüber nachgedacht hatte, aber nicht wirklich einen Grund dazu hatte.
      Zur Zeit ist es halt schlimm Dinge zu tun, die bei mir Angst auslösen, meine PTBS triggern, Streit, Stress, ... beim Einkaufen eben Rasierklingen,... die Narben einer Freundin an den Armen sind sehr blass und lange her und triggern mich nicht, frischere Narben oder so aber schon. Also es ist nicht einfach.
      Ich weiß nur, dass ich schon immer den drang zum SVV hatte. Ich hatte mir als Kind häufig mit absicht meine Finger eingeklemmt, ein Mal hatte ich meinem Dad sein Rasiermesser genommen und mir in den Finger geschnitten. Es kann also schon so sein, wie du sagst, dass man eher dazu tendiert, welche, die dass vllt wegen dem "Trend" oder Gruppenzwang oder so mal angefangen haben, habe das vllt weniger in den Genen, wenn man das so sagen kann, ich hoffe du weißt was ich meine.
      Ich halte mich zur Zeit fern von triggern, es ist aber nicht unmöglich und dann wende ich skills an. Wichtig ist glaube ich, dass du im Kopf die Entscheidung selbst getroffen hast aufzuhören und dir das in den Momenten immer wieder vor augen hälst, um clean zu bleiben. Die Gedanken, können wir nicht steuern, nur beeinflussen in dem wir trigger vermeiden und uns falls es passieren sollte ablenken.
      best wishes
      tyler

      [Edit: Details entfernt, bitte Löschregel 04 beachten/Avicienna]
      stay strong

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Avicienna“ ()

      Liebe Menschen,

      vielen Dank für eure lieben Antworten. Ich bin gerade unter der Woche leider irgendwie zu sehr im Stress und zu erschöpft, mich mit euren Texten auseinanderzusetzen und hoffe, dass ich euch am kommenden Wochenende bald zurückschreiben kann.

      Liebe Grüße
      Schlehe
      Hallo schlehe.

      Ich kann nur aus meiner Perspektive sagen, dass die Gedanken an "aktives" SVV auch bei mir nie ganz weggegangen sind (passiv autoaggressiv verhalte ich mich ja leider immernoch - ich verl*tze mich nicht mehr bewusst, aber bin leider schon immer wahnsinnig gut darin gewesen, mir unbewusst selbst Probleme zu schaffen und mich unglücklich zu machen). Ich hab nie mitgezählt wie lange ich mich nicht mehr geschn***en habe, aber könnten mittlerweile um die 10 Jahre sein.

      Selbst als ich mal über einen längeren Zeitraum zufrieden war, kamen die Gedanken immer mal wieder hoch, auch wenn mich irgendein Kleinkram getriggert hat. Aber das hab ich nie als dramatisch empfunden, solange ich nicht nachgegeben habe. Auch wenn ich das so mit Aussagen meiner Mutter vergleiche bzgl. ihrem Alkoholismus denke ich, dass das nie völlig aus dem Gehirn verschwinden wird, egal wie lange man clean ist. Es war für mich daher immer einfach wichtig, im entscheidenden Moment eben NICHT zum M*sser zu greifen, und ich glaube an die entsprechenden Gedanken und Bilder in meinem Kopf habe ich mich mit der Zeit gewöhnt, ich lasse sie vorbeiziehen und es stört mich nicht wirklich.

      In zufriedeneren Zeiten konnte ich teilweise sogar Kraft ziehen aus solchen Momenten, weil ich auch einfach stolz war, dass ich die Bilder so klar vor Augen hatte und es trotzdem sein lassen konnte.

      S.
      Liebe Menschen,

      vielen Dank nochmal für eure lieben Antworten. Aus "nächstem Wochenende" sind jetzt irgendwie zwei Wochenenden später geworden. Sorry also für die späte Antwort. Dafür hatte ich jetzt etwas Zeit, selbst über das Thema nochmal nachzudenken.

      Ich denke, vieles was ich an Frustration empfinde, liegt daran, dass ich erwartet hatte, dass es "irgendwann ganz aufhört". Ich hatte nicht erwartet, dass es innerhalb der, vielleicht ersten fünf Jahre, aufhört, ich hatte nur erwartet, dass es besser wird: und das ist immer passiert. Wenn die Schritte auch mit den Jahren immer kleiner geworden sind, ist es tatsächlich immer weniger SvV-Druck geworden mit der Zeit. Jedoch, wie gesagt, hatte ich erwartet, dass es "irgendwann" ganz weg geht. Vielleicht ist für mein Gehirn "irgendwann" nach sechs oder sieben Jahren, oder in einem anderen Lebensabschnitt. Ich hätte als Schülerin damals sicher nicht erwartet, dass ich immer noch dadurch belastet bin, wenn ich im vorletzten Jahr eines langen Studiums studiere. Und ich glaube, dass das tatsächlich das eigentliche Problem war.
      Ob es nach soundsovielen Jahren in der Abwesenheit anderer Probleme "komplett gut" sein sollte, dazu haben wir keine Studien, wir können es nicht wissen, wir können es nicht vorhersagen.
      Was wir wissen, ist, dass Menschen divers sind, und dass wir dementsprechend auf die gleiche Vergangenheit verschieden reagieren. Es wundert mich daher nicht länger, dass meine Bekannten zum Teil nach einem Jahr clean nie wieder ernsthaft an SvV gedacht haben, und dass es auf der anderen Seite Menschen gibt, die jahrzehntelang damit kämpfen. Ich denke daher, liebe Evien (übrigens, nochmal danke für deine Antwort), dass man solche absoluten Aussagen gar nicht treffen kann. Und ja, ich war in Therapie. Bei der Anzahl an Menschen in diesem Forum, die zum Teil sehr lange in Therapie waren und die bis heute zu kämpfen haben, finde ich deine Behauptung ziemlich gewagt.

      Liebe ares, ich danke dir für deine Worte.
      ... " Aber ich hab nach langen Jahren zu einer anderen Sichtweise gefunden. Ich finde mich nicht damit ab, aber ich nehme es an und kann damit leben, mal mehr, mal weniger gut. Und ich versuche weiter , daran zu arbeiten, Strategien zu finden, die Triggern und Gedanken ihre Macht nehmen können, so gut es geht."
      Du bist so voller Stärke und Hoffnung, es tut gut, das zu lesen. Irgendwie hast du damit die Seite in mir angesprochen, die auch so gedacht hat, und vielleicht auch so geantwortet hätte, wäre das der Thread einer anderen Person gewesen.

      "Ich habe diesen Absolutheitsanspruch nicht mehr, wohl auch, weil es mir weitestgehend gut genug geht, um die noch vorhandenen Begleiterscheinungen relativ gut "mitnehmen " zu können, in meinem Leben, und das ist die Hauptsache."
      Genau, das ist ein viel realistischeres Ziel, und wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, habe ich das weitgehend auch erreicht. Du hast Recht mir dem, was du in den folgenden Zeilen ansprichst. Eigentlich würde es für mich Sinn machen, zu schauen, wie ich noch besser im Alltag damit zurechtkomme, auch, weil ich was studiere, wo ich später zumindest ab und an manchen Triggern vermutlich begegnen werde.

      "Wäre es vielleicht auch eine Option für Dich, noch einmal eine Therapie zu machen? Vielleicht nicht so stark symptomorientiert, mehr die dahinterliegenden Dinge betreffend, weil du auch davon schreibst, dass diverse Trigger dir immer noch so stark zu schaffen machen, wie früher?"
      Die Trigger sind zurzeit eigentlich ausschließlich Dinge, die SvV selbst betreffen, also V*rl*tz*ng*n, Material, mit dem ich mich v*rl*tz*n könnte, so etwas. Ja, über Therapie habe ich tatsächlich mal wieder nachgedacht, ... finde es gerade schwierig, zu entscheiden, ob mir das wirklich nochmal was bringen kann.

      Ja, auch das Wissen, dass ich nicht die einzige damit bin, ist schon hilfreich.

      Hey tyler, auch dir nochmal danke für deine Zeilen. Ja, es stimmt, den Zusammenhang von "Intensität" des SvVs und wie lange man danach noch mit Begleiterscheinungen zu kämpfen hat, den habe ich auch schon beobachtet, auch wenn man da natürlich keine fixen Aussagen treffen kann. Viele von den Menschen in meinem Umfeld, die sich ein paar Mal v*rl*tzt haben, und das auch eher "impulsiv" als "bewusst", ging es schneller besser, als wenn Menschen jahrelang damit zugebracht haben. Ja, ich mache mir tatsächlich auch oft klar, wie "weit" ich es schon geschafft habe, um weiterhin clean zu bleiben. Skills verwende ich auch ab und an. :)

      Hey Shizuka,
      wenn ich von dir zitieren darf "ich lasse [die Gedanken] vorbeiziehen". Das ist irgendwie schön und da hast du total recht...: auch bei mir sind jedes einzige Mal in meinem Leben, in dem ich mich davon total in die Ecke gedrängt gefühlt habe und nichts mehr machen konnte, die Gedanken auch wieder von alleine vorbeigezogen. Ich habe es tatsächlich auch in den letzten sieben Jahren geschafft, jedes Mal ruhig zu bleiben und mir nicht w*h zu tun. Das heißt: Ja, auch wenn ich in meinem Leben vielleicht noch einige emotionale Herausforderungen zu meistern habe, wird es auch immer wieder besser werden.
      Ziehe ich Kraft daraus? Ich weiß nicht, vielleicht sollte ich das.

      Danke nochmal an alle und liebe Grüße
      schlehe
      Liebe schlehe,

      Ich war in den letzten fast 20 Jahren immer mal wieder "clean", über kürzere oder längere Zeit.
      Begleitet hat mich der Gedanke an SvV aber in jeder Phase, das Verlangen war oft da. Vielleicht habe ich mich deswegen dann doch immer wieder selbst verletzt.
      Nun ist es anders. Ich habe mich seit über 3 Jahren nicht verletzt und in dieser Zeit viel an den Ursachen gearbeitet. Ich habe dbt gemacht und habe unglaublich viel mitgenommen und auch Dinge entdeckt, bei denen ich mir gar nicht bewusst war, dass sie unterschwellig Selbstverletzungsdruck auslösen.
      Und ich habe gelernt zu handeln, wenn das Verlangen danach dann doch mal auftaucht. Entweder entgegengesetzt, indem ich mir bewusst gutes tue, oder wenn es nicht anders möglich ist, dann über Ersatzschmerz. Das Verlangen einfach aushalten und wegschieben funktioniert bei mir nicht auf Dauer, ich muss bewusst etwas tun, damit es dann auch wirklich verschwindet und ein wenig länger weg bleibt als davor. Mittlerweile sind die Momente wirklich selten, in denen ich daran denke oder eben etwas tun muss.

      Vielleicht hilft etwas davon dir ja.
      Dragonfly
      Von verrückten Leuten kann man eine Menge lernen.
      (Die Mitte der Welt - Andreas Steinhöfel)
      einzig wahres Zitrönchen
      & Chefin des Chi-Kreiselwurm-Verschwörungskommandos


      Liebe Dragonfly,

      vielen Dank für deine Antwort. Voll schön, dass du es irgendwie "geschafft" hast. Eine DBT habe ich nie gemacht, finde das Therapiekonzept (von dem, was ich davon bisher gehört habe) ziemlich gut. Ich weiß bei mir auch mehrere Dinge, die mir helfen und mit denen ich handeln kann. Meistens ist das leider nicht ganz ausreichend, manchmal schon. Ersatzschm*rz wäre vermutlich sehr effektiv, lehne ich persönlich aber ab, weil ich denke, es würde emotional letztendlich einen ähnlichen Impact auf mich haben wie eine reale V*rl*tz*ng.
      Ja, danke. Zu wissen, dass es bei dir nach so langer Zeit - 20 Jahre? vor 20 Jahren war ich noch vier und im Kindergarten... - fast ganz weg sein kann, hilft schon sehr.

      Viele Grüße
      Schlehe
      Hallo Zusammen

      Ich bin im Februar 5 Jahre r*tzfrei. Am Anfang schwer, dann einfacher, jetzt wieder schwerer. Es klingt kacke es so auszudrücken, aber ich konnte mir in den letzten Jahren tatsächlich etwas aufbauen, und die grösste Motivation momentan ist jetzt, dass ich mich das alles nicht kaputtr*tzen möchte. Schwierig ist es einfach, dass man nach so einer langen Zeit das Netzwerk irgendwie verloren hat, zumindest ich. Entweder sind die ehemaligen Mitstreiter*innen zu sehr in ihrer Krankheit, oder dann doch zu gesund, als dass man gemeinsam irgendwo hinarbeiten kann. Das führt dann wohl dazu dass man Nächte lang Cartoons schaut und sich das Passwort dieses Forum neu zuschicken lässt... Aber um ehrlich zu sein, ich glaube nicht dass es irgendeine Antwort darauf gibt, irgendwann dafon komplett loszukommen.
      "I am who I am, take it or leave it,
      A rebel at heart,
      No gods, no masters,
      My time has come."

      Arch Enemy
      Hallo, ich möchte auch noch kurz etwas dazu schreiben. Ich bin eigentlich seit über 11 Jahren clean. Mittlerweile wirklich gut im Leben angekommen, mit Familie und gutem Job, tollem Haus usw.
      Meine Motivation ist immer mein Kind...für sie versuche ich immer nach vorn zu blicken.
      Ich glaube schon, dass es anders wird, nach all den Jahren. Man reift ja auch. Heute mit 40 sehe ich vieles anders als mit Mitte 20. Das ist einfach so und man geht generell mit Problemen anders um. Was nicht heißt, dass der Druck weg geht. Das tut er nicht. Die Gedanken sind immer noch da. Wie bei einem trockenen Alkoholiker. Wenn es für ihn kompliziert wird, denkt er ans trinken. Wir denken dann eben daran, uns selbst zu verletzen. Egal wie.
      Derer Formen gibt es viele. Manche hören nicht auf, manche sind eben nur nicht auf der Haut sichtbar, passieren aber auf anderen Ebenen...jeder hat seine Geschichte dazu.
      Man sollte es dann eben nur nicht als Katastrophe sehen, sondern als Rückfall. Nicht mehr.
      Ein Motto von mir lautet mittlerweile: größtmögliche Normalität.
      Es wird besser :)
      LG M.
      "Der Dir Neues zeigt, zeigt das Altes weicht, auch wenn Dein Schmerz bis an den Himmel reicht..."
      Vertrauen ist die stillste Art von Mut...
      Quiero que me sostengas sin hacerte cargo mi
      Hey schlehe
      Ich habe mir eine App im Playstore runtergeladen, bei der habe ich eingetragen, wann ich das letzte mal ger*zt habe und die rechnet mir monate tage stunden etc aus, dass echt motivierend.
      Ich hatte in letzter Zeit momente in denen ich dachte, jetzt hab ich es besiegt und kurz drauf dachte ich erneut daran.
      Seit ich mich nicht mehr selber verletzte ist mir aufgefallen, dass ich eher agressiv bin und einen Drang habe Dinge zu zereißen oder kaputt zu machen... Das finde ich schlimmer, als mich selbst zu verletzten, da ich dann auch Dinge, die mir was bedeutet haben und eigentlich noch bedeuten von Personen zerstöre und sie nachher nicht mehr heile sind und ich die Person enttäusche. Wenn ich mich zum beispiel r*tze, dann verheilt die Haut wieder, zwar mit Narben, aber es ist ganz. Aber manche dinge, die ich zerstört habe, kann ich nicht mehr heile machen, weil ich sie zum Beispiel verbrannt habe. Zudem ist es sehr gefährlich, dinge zu verbrennen, weil ich damit auch mein Umfeld in gefahr bringe. In diesen Situationen denke ich aber nicht soweit. ich denke nur soweit, dass ich es nicht in der Wohnung verbrenne, wegen den Rauchmeldern, dafür aber zum Beispiel auf dem Balkon.
      Hast du so ähnliche Erfahrungen und Beobachtungen gemacht?
      Best wishes
      tyler
      stay strong
      Hey ihr Lieben,

      vielen Dank für eure weiteren Antworten.

      Hey crocuta,
      vielleicht könntest du einen neuen Thread aufmachen, um das für dich selbst zu besprechen?

      Hey Momento,
      es stimmt auf jeden Fall, das man mit der Zeit auch gedanklich reifer wird und viel ruhiger mit Situation umgehen kann als noch als Jugendliche. Bei mir ist das ähnlich. Vielen Dank für deine motivierenden Worte!

      Hey tyler,
      ja, ganz früher habe ich tatsächlich auch die Erfahrung gemacht, dass ich etwas aggressiv geworden bin, wenn mich einige Tage lang nicht mehr v*rl*tzt hatte. Mit der Zeit wurde das aber sehr viel besser. Jetzt verlagert sich das längt nicht mehr. Was du beschreibst, klingt sehr bedrohlich. Du verbrennst Dinge zu Hause auf dem Balkon? Ich muss dir zwar widersprechen, dass SvV "besser" ist als solches Verhalten - denn SvV hinterlässt an deiner Seele höchstwahrscheinlich langfristige W*nd*n, da ist mehr als das, das du verheilen siehst - aber du musst dir auf jeden Fall ein anderes Ventil suchen. Es gibt ungefährliche Methoden, Dinge zu zerstören, z.B. zerreißen. Das habe ich früher manchmal auch gemacht. Wenn verbrennen von Dingen bei dir wesentlich wirkungsvoller sein sollte, dann bitte auf keinen Fall dabei alleine sein und bitte zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen treffen. Bitte bring dich nicht länger damit in Gefahr!

      Liebe Grüße
      schlehe
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