Therapie/ eigene Stabilität in Corona Zeiten

      Therapie/ eigene Stabilität in Corona Zeiten

      Hallo ihr,
      ich nehme mal solaines Post zum Anlass und schreibe ein bißchen was mich bewegt....
      ich bin seit wenigen Tagen aus der stationären Behandlung entlassen worden (das war so geplant, nicht wegen Corona), und komme nun in einen Alltag, den ich irgendwie nicht wieder erkenne. Ich habe kurz nach Entlassung erfahren dass ich aktuell meine Therapeutin ambulant nicht mehr persönlich sehen kann, meine Psychiaterin macht nur noch Telefontermine (aber die ist zuverlässig das muss man ihr wirklich lassen), erste Angst um eine AU oder ein Rezept hat sie mir genommen und habe ich per Post erhalten.
      Ich habe keine probleme mich selber zu beschäftigen, ich habe allerdings vor der Klinik meinen JOb gekündigt um mir wirklich Zeit nehmen zu können in der Klinik, das hat auch geklappt, ich habe allerdings nicht die Corona Krise eingerechnet, Bewerbungen sind total erschwert verständlich, man hängt in der Luft, und das schlimmste ist diese "Ausgangssperre" die überall in der Luft hängt.
      Ich gehe am liebsten alleine raus, aber ich muss mindestens 1x am Tag raus sonst drehe ich durch. Sport ist jetzt nur noch auf Joggen begrenzt, Schwimmbad hat zu, Sportkurse sind weg, die ganze Struktur halt... ich merke wie ich in meinem Umfeld tlw nicht verstanden werde weil die nicht wissen, was es für mich heisst, diese Sicherhiten zu haben.
      eine Reglementierung meines Rausgehens (und ich halte mich an alle regeln) wäre für mich der Horror, gleichzeitig muss ich immer aufpassen wieder in den Überlebensmodus zu kommen, damit die Panik mich nicht völlig behindert.
      Mein Zuhause ist nicht so einfach zu ertragen, daher ist es auch kein immer angenehmer Rückzugsort.
      Schwieirg ist für mich auch die "STimmung" draussen, die Angespanntheit überall, das Zurückweichen der menschen wenn man ihnen aus Versehen 10cm zu nahe kommt löst in mir aus ich bin eklig oder werde ausgestoßen. Früheres von jetzigem zu trennen fällt mir sehr sehr schwer...
      wie geht ihr damit um?
      Ich kann mich gut beschäftigen, Langeweile ist nicht mein problem, Genausowenig Zeit mit mir selber zu verbringen (zum Glück!) wer hier Tipps braucht kann sich gerne melden. Ich habe ANgst dass mein Sport wegfällt und ich dann in destruktive Verhaltensweisen falle, Kontrollverlust löst in mir unglaublich viel aus.
      ich kenne auch andere mit psych Erkrankungen und weiss dass es vielen gerade sehr schwer fällt...
      ich beruhige mich durch Klopfen (nach Bohne), Tappen, Yoga, Puzzeln, Schreiben, Serien gucken, aufräumen,.... falls das jemandem Hilft...

      ich weiss nicht ob das Thema so ok ist aber vielleicht kann jemand was sagen oder wie löst ihr das zB mit der Therapie? Telefonieren ist für mich nicht das gleiche. Und ich habe meine Therapeutin auch gebeten sollte es zu einer Ausgangsregelung kommen, dass sie mir ein Schreiben macht was für mich zwingend notwendig ist zur Stabilisieurng (natürlich ohne Gefährdung anderer) - meint ihr sowas ist möglich?

      Danke fürs Lesen und viel Kraft!
      Graf Zahl
      Wenn du nicht willst, dass die Angst dich einholt,
      darfst du nicht von ihr davon laufen.
      Liebe Graf Zahl,

      schön, dass du schreibst, wie es dir geht und es freut mich zu lesen, dass einige Dinge bei dir sehr gut klappen, dass du dich gut beschäftigen kannst und nicht alles schwarz siehst.

      aber nun zu den Dingen, die schwierig sind. Gibt es die Möglichkeit mit deiner Thera einen Videochat zu vereinbaren? Würde es dir helfen, wenn du ihr Gesicht und Mimilk siehst und deine Thera deine Mimik?

      Die Ausgangssperren stehen uns glaub ich allen bevor, aber wenn ich das richtig verstanden habe, darf man dann trotzdem noch zur Arbeit, falls erforderlich, Einkaufen und zum Arzt gehen, nur nicht mehr "einfach so" raus. Ein bisschen, sozusagen homöopathisch rausgehen ist also noch erlaubt, zumindest wenn es dabei bleibt, was natürlich keiner sagen kann. Vielleicht hilft der Gedanke daran.
      Ich praktiziere mittlerweile meinen Sport (ich vermisse das Schwimmengehen und Bogenschießen usw auch sehr) bei offenem Fenster, dann wenn die Sonne reinscheint und im Gruppenvideochat mit zwei Freundinnen. So haben wir gestern zusammen Yoga gemacht und vor ein paar Tagen ein echt fieses Bauch, Beine, Po Training. Durch die frische Luft und unser gemeinsames Gelächter war es fast wie ein richtiges Treffen.
      Ansonsten geht draußen und alleine auch Inlineskaten super, Slackline laufen (wer noch eine hat :D ), Fahrradfahren, die guten alten Trimmdichpfade (oder mach dir einen selber, es gibt so viele Übungen, die man mit Parkbänken machen kann. such dir einen "Rentnerspazierweg" aus, an dem alle paar Meter eine Bank steht und mach Liegestützen, Klimmzüge, Situps usw, die Rentner sind aktuell kaum unterwegs)

      Was passt denn an deinem Zuhause nicht? Liegt es an den Menschen oder den Räumlichkeiten?

      Die Stimmung "auf der Straße" finde ich auch sehr gespenstisch, mit zurückweichenden Menschen habe ich allerdings kein Problem, das stört mich nicht und ist mir auch ganz recht. Könntest du dir vorstellen draußen über Kopfhörer Musik zu hören und dich damit ein wenig von den Reaktionen anderer abzulenken?

      Alles Gute, Avicienna
      ...und ein "gute-dinge"-tagebuch fällt mir zusätzlich noch ein.

      denn ja, die leute halten abstand/zucken auch mal (sagt eine kollegin, ich merke das nicht, bin da ja eh autistisch ;) ), aber ich finde eigentlich, dass man jeden tag mindestens ein supernettes erlebnis hat: leute die ganz normal und unhysterisch einfach das nötige tun, zb abstand halten, die einen beim joggen angrinsen in solidarität und "ja, wir findens alle scheiße, aer wir kommen da schon durch", leute, die am telefon oder per mail einfach superlieb und aufmerksam sind, sich plötzlich für alles bedanken, was vor 3 wochen noch als selbstverständlich kühl abgenickt wurde.

      die ausgangssperre, wenn sie kommt, ist auch nicht total. ich hab vorhin was zu achtsamem "müll-runterbringen" in italien gehört, wo man jeden schritt auskostet und alles ganz langsam in die tonne tut.
      klingt komisch, aber achtsamkeit ist genau der weg, den ich auch für erfolgversprechend halte, um nicht durchzudrehen.
      He could see that this might keep you safe.
      But safety had nothing to do with love.

      \julian barnes-the only story\
      Hallo, ich weiß nicht, ob ich was hilfreiches beitragen kann, im Grunde geht es mir recht ähnlich. Ich bin zwar aus Österreich, aber so wie ich das verstanden hab, hat Deutschland mit den Maßnahmen jetzt auch fast überall ziemlich nachgezogen. Für mich ist das obwohl ich nicht in der Klinik war trotzdem sehr überraschend so drastisch gekommen, ich dachte Anfangs nicht, dass mich das so stark betreffen würde, wenn meine Kurse für ein paar Wochen ausfallen, nicht so schlimm. Nicht damit gerechnet hatte ich, dass ich nicht mehr unbedingt zur Therapie fahren sollte (kann ich zwar theoretisch sogar noch, weil mein Therapeut die Praxis mit einigen Regelungen bislang weiterhin offen halten kann, aber ich muss relativ weit fahren und lebe in der Großstadt, im moment möchte ich längere Öffi und Zugfahrten lieber vermeiden, wir haben jetzt Telefontermin einmal die Woche vereinbart, aber ich befürchte, dass dasfür mich nicht gut klappt, ich bin beim telefonieren auch überhaupt nicht "gut", fällt mir schon schwer, ganz normale Telefonate zu führen, und übers Telefon therapie geht glaub ich für mich gar nicht, halt nur im absoluten Notfall als überbrückung, aber das wird wohl einige Zeit dauern. Ich darf und durfte zwar immer schreiben, aber es ist doch was ganz anderes als ein ganz direkter Austausch.Also in Österreich dürfen Psychotherapeuten auch ihre Praxen noch offen halten, ich denke, das wird auch in deinem Fall argumentierbar sein. Ich werde auch sobald es etwas lockerer wird, wieder versuchen, direkt in die Praxis zu kommen, mein Therapeut hat früher lange Zeit als Krankenpfleger gearbeitet, er hat das sicher gut im Griff und gestaltet es entsprechend sicher , damit die Ansteckungsgefahr minimiert ist. Er meinte auch, draußen sinkt das Ansteckungsniveau auf fast null, solange man nicht eng beeinander steht oder direkt angehustet wird, also ich würde auch sagen, such dir eine Strecke, wo wenig los ist, bzw. pass den Zeitpunkt an, wo am wenigsten los ist, wenn du momentan eh auch nicht arbeiten musst.

      Die Stimmung versuche ich mit Musik und Blumen und meiner Katze zu stabilisieren, bzw. mich bewusst mit anderen, freudebringenden Dingen zu beschäftigen. ich schaue auch nur noch sehr begrenzt in Zeitungen, Fernsehen oder soziale Medien meide ich ohnehin .
      Ich finde schon, dass das hilft. Wenn man sich das permanent reinzieht, macht das schon was, seitdem ich da bewusst drauf achte, dem aus dem Weg zu gehen, geht es mir bezüglich der Angst jedenfalls besser.

      Ich versuche also so weit als möglich , trotzdem meine gewohnten Strukturen beizubehalten, wo nicht möglich, suche ich zumindest nach einer ähnlichen Alternative.

      Mit dem rausgehen ist es für mich jetzt doppelt schwierig, ich hab da auch in Zeiten vor Corona immer wieder so meine Schwierigkeiten, rauszugehen, "sichtbar" zu sein , insbesondere Sport zu machen, weil ich immer noch recht große Probleme mit meinem Körper hab und es da dann eine ganz starke Tendenz zum erstarren gibt, einfach stillhalten und möglichst gar nicht sichtbar werden. Aber in den eigenen vier Wänden ist die Gefahr, erst recht zu erstarren noch viel mehr gegeben. Physiotherapie fällt ja bis auf weiters aus, meine Assistenz aufgrund der Körperbehinderung hab ich zur Minimierung des Kontakts auch auf das absolute Mindestmaß begrenzt, den Rest zwischen den Terminen versuche ich so gut wie möglich selbst zu machen. Das ist schwieriger und anstrengender als ich befürchtet hatte.
      Also an den Tagen wo ich alleine bin, bin ich oft echt platt, wenn ich auch nur das absolut nötigst (Essen warmmachen, Geschirr spülen und verräumen, Katze versorgen) Pflanzen gießen erledigt hab und schaff es nicht mit der Bewegung. Mein Fahrrad ist grad in der Reparatur und es ist ungewiss, wann es wieder zurückgebracht werden kann. Das ist für mich aber die einzige Möglichkeit, draußen bewegung zu machen. In der Großstadt ist es auch nicht ganz so einfach, Menschen auszuweichen, und seit einer Woche war ich jetzt nicht mehr draußen, krieg aber langsam zu spüren, dass das so nicht bleiben kann. Also werd ich versuchen, an den Tagen, an denen ich doch noch Unterstützung habe, doch zumindest kurz rauszugehen und auch an diesen Tagen ein minimum an Bewegung hinzukriegen. Aber so wie ich es verstanden habe, ist es momentan durchaus noch erlaubt, alleine rauszugehen, halt eher alleine und nicht gleich stundenlang, aber eine tägliche Runde Sport sollte also zumindest im Moment noch unproblematisch sein. Aber ich merke auch bei mir, dass allein das Wissen, da "begrenzt" zu werden oder womöglich ein grundsätzliches Verbot zu haben, mit meinem Inneren unglaublich viel macht. Das erinnert zumindest bei mir sehr stark an ein früheres Gefühl des "eingesperrt seins/werdens", das ich ja auch zum Teil selbst übernommen hab, und mich auch bei offenen Türen nicht unter Leute wage oder jedenfalls gegen sehr vieles an Ängsten/scham, was auch immer, ankämpfen muss, um es trotzdem zu schaffen. Das verschärft sich halt jetzt auch nochmal bei mir. Aber bei dir glaub ich, ist das solange es offiziell erlaubt ist, kein problem. Mach dir das bewusst, dass du das jetzt darfst, und sollte sich das ändern, wird es nur für eine begrenzte Zeit so sein, und du kannst dir Alternativen überlegen, evtl auch mit der Therapeutin gemeinsam.

      Ich kämpfe da auch mit mir selbst.
      Ich hab zwar eine Art Crosstrainer zuhause und könnte theoretisch auch drinnen was machen, bislang hab ich mich da aber erfolgreich davor gedrückt. Ich hab mir für mich vorgenommen, dem Thema Rausgehen und Bewegung mal die höchste Priorität einzuräumen und es als erstes nach dem Frühstück zu erledigen, quasi als die wichtigste aller Aufgaben. Ansonsten hab ich auch nicht solche Probleme, mich allein zu beschäftigen, ich brauch auch sonst viel Zeit für mich allein. Vor einer Woche war ich noch draußen, da hab ich in meiner Umgebung noch nichts von ängstlich ausweichenden Passanten bemerkt, obwohl da grade Hamsterkäufe Hochzeit hatten. Das hat mich eher verwundert, ich hatte damit gerechnet, mehr gestresste , aggressive und ängstliche Reaktionen zu erleben, doch die Leute kamen mir großteils sogar freundlicher und aufmerksamer vor (vielleicht auch, weil sie mich wegen dem Rollstuhl als besonders gefährdet betrachten, sonst ist das aber eher eine Seltenheit). Bei uns wird auch oft gegen 18 Uhr aus dem offenen Fenster musiziert oder gesungen, nur für 10-20 Minuten, aber es gibt ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Ansonsten versuche ich mich mit dem Balkon zu beschäftigen, an der aufblühenden Natur zu erfreuen oder mit meiner Katze zu beschäftigen. Ich bin mit meiner Chorgruppe jetzt verstärkt auf whatsapp in Kontakt, und ansonsten halt kurz. Videochat ist mir unheimlich, das mache ich nur mit meinem kleinen Neffen, aber sonst nciht. Ich hab auch überlegt, wie es wäre, Videotelefonat mit meinem Therapeuten zu machen (theoretisch wär das möglich) aber ich hab irgendwie eine Abneigung dagegen, i-wie macht mich das total unsicher und ängstlich.

      Ich schreibe sonst viel, das war schon immer eine Möglichkeit für mich, schwierige Zeiten durchzustehen, ich hoffe auch, dass es mir gelingt , mich wieder mehr mit meinem Instrument zu beschäftigen, und es wieder zu erleben, wie es ist, wenn man in der Musik so richtig aufgehen kann.

      Mehr hab ich für mich auch noch nicht gefunden, so geht es mir zur Zeit. Vielleicht ist da trotzdem i-ein Anstoß dabei, der jemandem helfen kann. falls jemand noch Ideen hat, bin ich auch froh, wenn es noch Anregungen gibt.
      Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will."
      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
      Die Ursache bin ich selbst! (Thomas Bernhard) :thumbsup:

      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)
      Danke fürs Schreiben!
      Ich antworte Mal gesammelt und hoffe das ist ok.
      Ich glaube ich komme schon "besser" zurecht als andere weil ich wirklich gut alleine sein kann und das im Alltag sogar eher brauche. Und nun sogar eine Ausrede habe mich nicht mit sozialen Kontakten zu treffen.... und ich meine Zeit so oder nicht mit SHoppenoder soziale Treffen verbringe. Meine Wohnsituation ist eine WG, die überfordert mich sowieso oft und ich habe nun das "Problem" dass ich derzeit keine Arbeit habe und alle anderen von zuhause aus Arbeiten, sprich die WG ist voll. Diese Woche ist es zum Glück etwas entspannter weil 2 weg sind, insgesamt versuche ich auch hier mich zu adaptieren und mit radikaler Akzeptanz, weil ich es gerade einfach nicht ändern kann. Die WG war schon vor der Klinik schwieirg sodass ich sowieso überlegt hatte auszuziehen. Einfach durch die Nähe und Hellhörigkeit und fehlenden Rückzug.
      Ich darf das alles auch nicht Dramatisieren. Video kommt für mich nicht in Frage aus Gründen des Datenschutzes und auch Video generell schwierig. Aktuell sieht es ja so aus als könnten wir uns zum Spazieren sehen (ich darf die Räumlichkeiten wo sie arbeitet nicht betreten, da hat sie leider keinen EInfluss drauf). das hat mich erleichtert. Mir fehlt gerade persönlicher professioneller Kontakt, alle sind umgeschwenkt auf Telefon und es macht mich auch unsicher weil ich eigentlich kein "Problem" darin sehe, wenn ich doch ausreichend Abstand halte etc.

      Mir persönlich macht auch diese Ungewissheit zu schaffen, wie lange das alles dauert. Kontrollverlust sozusagen von AUßen, das erleben ja viele genau so. ich merke da nur meinen fehlenden Puffer innerlich....
      Ja Achtsamkeit ist für mich auch wichtig, ich mache viele Übungen zur "weiten Achtsamkeit", das drosselt meine Angst und macht übergeordnetes kleiner.
      Danke für eure Worte und das teilen wie es euch geht. Ich schreibe mal wieder!
      Viele Grüße und bis bald
      Graf Zahl
      Hallo, nochmal ich. Ja, das kann ich gut verstehen, dass das in der WG schwierig ist. Ich bin in der jetzigen Situation noch dankbarer als sonst, dass ich nun schon länger in meiner eigenen Wohnung wohnen kann. Das klingt gut, dass ihr euch beim Spazieren gehen treffen könnt. ich hoffe auch, dass das so bleiben wird. Teilweise kommen mir die Maßnahmen auch unsinnig vor, ich meine, wieso ist es relevant, wie lange ich draußen i-wo bin, solange ich den Abstand einhalte und alleine bin oder eben in der nötigen Distanz? Es gibt immer wieder Berichte, wo die Polizei trotzdem Leute aufhält oder dringlichst auffordert, sich wieder in Bewegung zu setzen, ansonsten Verwaltungsstrafe.
      und die vielen ganz gewöhnlichen Leute, die sich jetzt aufgerufen fühlen, andere zu maßregeln oder zu kritisieren,ihnen Unverantwortlichkeit oder Regelbrüche unterstellen, obwohl sie sich an die offiziellen Regeln halten, die Möglichkeiten, die es noch gibt, aber trotzdem nutzen, machen mir schon Angst. und hemmen mich schon auch nochmal, überhaupt rauszugehen.

      Aber ich versuche auch, mit meinen vernunftgesteuerten Anteilen da einen Ausgleich zu schaffen. Hab jetzt überlegt, mit einer Assistenz im Auto zur Therapie zu fahren, das ist zwar auch nicht optimal, aber auch nicht gefährlicher, als wenn sie mir in der Wohnung hilft. und zumindest derzeit offenbar noch möglich. Von meinem Therapeuten hab ich diesbezüglich heute ein "ok" bekommen, muss es nur noch mit der Assistenz absprechen, ob und wie wir es am besten abwickeln können.

      Graf Zahl: Was genau versteht man unter "weite Achtsamkeit"? ich kenne zwar verschiedene Achtsamkeitsübungen, die ich auch regelmäßig mache, aber der Begriff ist mir unbekannt. Kannst du da ein Beispiel geben? Danke, das wäre super, ich denke, das kann mir und wahrscheinlich auch anderen auch helfen.

      Bezüglich der Ungewissheit versuche ich mich wirklich auf das unmittelbare "Jetzt" im Außen zu fokussieren, maximal für eine Woche vorauszudenken (das ist leider unumgänglich allein wegen der Assistenz, und dann von Tag zu Tag zu handeln, jeden Tag auch sowas wie die Gute Dinge Liste am ende zu machen, damit ich auch sehe, was TROTZDEM alles gut geklappt hat oder schön oder sonst i-wie positiv war.
      der Satz, "Jetzt ist es so, und das geht ganz gut, wenn es sich ändern sollte werde ich wieder weiter schauen und andere Möglichkeiten finden, aber jetzt ist es noch nicht so weit und jetzt ist es ok", den sage ich mir jetzt oft innerlich, wenn die Angst kommt.und zum Glück habe ich mittlerweile einen gewissen Grundstock an positiven Erfahrungen, dass ich das auch in der Vergangenheit schon oft geschafft hab, und das beruhigt mein Innen schon ein wenig. Ich versuche mir auch immer wieder in Erinnerung zu rufen, was ich alles an Unterstützungsmöglichkeiten aktivieren könnte, wenn es nötig sein sollte. Telefonnummern, Menschen, die mir trotzdem Hilfe zugesichert haben, Freunde, die ich kontaktieren kann, innere Helfer, Umorganisation im Äußeren... Das macht die Angst auch kleiner und die befürchtete Krise handlebar.

      Ich bin auch ein kleines bisschen froh, dass ich jetzt zwangsläufig mehr auf mein Innenleben fokussieren muss, das entzieht sich, wenn ich zu viel im "Außen" zu tun habe, immer wieder völlig meinem Bewusstsein und ich kriege kaum einen Zugang, was da innen grad wirklich los ist, es ist nur so ein schwammiges Gefühl, dass da was brodelt, was ich nicht wirklich sehen und spüren kann und somit auch nicht damit in einen Umgang kommen. Auch wenn sich da grad wieder eher die schwierigen Dinge offenbaren, sie werden doch klarer und das macht es mir eher möglich, da einen Einfluss drauf zu nehmen, der das Ganze auch wieder stabilisieren kann.
      Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will."
      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
      Die Ursache bin ich selbst! (Thomas Bernhard) :thumbsup:

      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)

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      Hallo ares
      Weite Achtsamkeit ist sozusagen die Konzentration auf alles und nichts. Man fokussiert nicht, sondern man nimmt alles wahr an Reizen aber lässt sie vorbei ziehen. Nimmt sich wahr dabei im Kontakt mit der UMgebung, bearbeitet nichts, Hält nichts fest. alles darf da sein, nichts wird bewertet. vielleicht ein bisschen wie der innere Beobachter? ich habe versucht etwas dazu im Internet zu finden bisher erfolglos. Ich habe es aus einem Buch der Achtsamkeit.
      Ja WG ist schwierig auch weil ich davon ausgehe dass diese Maßnahmen noch länger anhalten werden. umso mehr hoffe ich dass ich bald Arbeit finde damt ich ab und zu hier raus bin...
      Meine Therapeutin und ich haben nun eine andere sichere Lösung gefunden das hat mich sehr sehr erleichtert. Hier ist es zum Glück noch nicht so dass die Polizei wenn man alleine irgendwo sitzt einen anspricht, ich hoffe das bleibt so. Polizei an sich triggert mich auch sehr, das Ordnungsamt ebenfalls, ich habe keine AHnung wie ich damit umgehen würde.... mir macht das Totalitäre auch sehr Angst, die Überwachung, die BEschränkungen. Das ist meins das weiss ich aber ich kann dem nicht entkommen. Sonst sagt man ja immer man fliegt - nur wohin? esist überall so, und man darf ja auch gar nicht mehr weg.... über sowas darf ich gar nicht weiter nachdenken dann kommt Panik.

      Klappt es mit der Assistenz zum Therapeuten zu fahren?

      Ja, du hast recht mit dem maximal in Wochen denken. Ich versuche gerade in Tagen zu denken. Bzw bis Ostern.

      deinen Absatz mit dem Innenleben kann ich total nachvollziehen und geht mir ganz ganz genauso. ein bisschen schmunzeln musste ich weil ich mich davon so angesprochen gefühlt habe. Danke dass du davon geschrieben hast!

      Ich wünsche dir einen möglichst guten Sonntag
      viele Grüße Graf Zahl