Ratlosigkeit

      Ratlosigkeit

      Hallo zusammen,

      ich hoffe, es hat jemand Input oder eigene Erfahrungen zum Thema.

      Ich stecke seit ca. 2 Jahren in einer ES (wahrscheinlich effektiv eher seit der Pubertät, aber nie klinisch relevant), habe inzwischen deutliches Untergewicht. Ich treibe sehr viel Sport und esse sehr kontrolliert, habe aber feste Mahlzeiten.

      Ende letzten Jahres habe ich mit einer Ernährungsberatung begonnen. Zum Teil aus eigener Motivation heraus, zum Teil aber auch zur Besänftigung meines Umfeldes. Anfangs war ich motiviert, aber dann fiel ich schnell zurück in alte Muster. Corona kam, und eins führte zum anderen.

      Vor 3 Wochen habe ich der EB gesagt, dass ich mir eine Pause erbitte und ich über meinen weiteren Weg nachdenken möchte. Das habe ich nur bedingt getan, weil ich derzeit einfach nichts ändern will. Die Gründe sind vielschichtig, aber gleichzeitig diffus.

      Am Ende warte ich auf irgendwas. Darauf, dass es "Klick" macht in meinem Kopf - oder ich im KH aufwache; ein Gedanke, den ich ebenso peinlich wie tröstlich finde.

      Rein mit Vernunft betrachtet weiß ich, dass in dieser Richtung gerade nur ein oder zwei mögliche Enden liegen. Aber die Vernunft ist gerade nicht das, was überwiegt.

      lg Nunki
      Flügelwesen
      ...komm nicht auf Scherben zum stehn...
      Andreas Bourani

      tja, schwieriges Thema. wenngleich auch sehr bekannt.
      Ich glaube, einfach zu warten, bis etwas passiert, das kommt leider recht häufig vor in diesem Zusammenhang. Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich das aber nicht empfehlen, es wird nicht klikck machen. und wenn andere darüber entscheiden, was mit einem geschieht, so kann das auch sehr viele mitunter sehr gravierende langwierige Kolateralschäden verursachen.
      Ich kenne aber auch die Ratlosigkeit, die Sackgasse, das nichts ändern wollen. ich weiß aber leider auch, dass das eine der schlechtesten Optionen ist, die man hat.
      Du sagst, du hast eine Ernährungsberatung begonnen, hat das für dich etwas verändert? Die Frage die mir auch sehr vorkommt ist die: Weißt du, (zumindest ungefähr) welche Gründe hinter Deiner ES stecken? Hast Du je therapeutische Hilfe gehabt oder darüber nachgedacht, was dahinter steht? Eine Ernährungsberatung allein wird dir vermutlich nur insofern helfen können, als es helfen kann, dass sich die ES nicht extrem verschlimmert, aber solange das eigentliche dahinter nicht bekannt und daher auch nicht gestützt und bearbeitet werden kann, ist das halt nur bedingt hilfreich und wird vor allem Dir nicht helfen, dich ein Stück weit von deiner ES lösen zu können.

      Ich weiß auch, dass man das alles nicht wahrhaben möchte, nicht hören möchte und immer hofft, es könnte doch noch von irgendwo her plötzlich eine Lösung auftauchen, irgend ein Wunder geschehen, ohne dass man etwas ändern muss.

      Du schreibst, die Gründe, warum du abgebrochen hast, sind teilweise bekannt, teils doch diffus. Was ist das denn? Was stört Dich? Was wünschst Du Dir? Was sollte anders sein?
      Aus meiner Erfahrung ist es sehr schwer, allein da wieder raus zu finden, und so wie es sich anhört, hat sich das Problem in letzter Zeit eher verschlimmert als verbessert. Oder sehe ich das falsch? Woran könnte das liegen?
      Hast du da eine Ahnung?

      Es ist schwer, solange Du selbst nicht das Gefühl hast, etwas ändern zu wollen. Das ist einfach das A und O und das kann dir niemand abnehmen. Drängen des Umfelds macht es meist noch schwieriger, aber dennoch ist es glaub ich wichtig, sich nicht jeder Unterstützung zu verweigern sondern zumindest im Gespräch zu bleiben, mit irgendjemandem, dem Du vertraust.

      Du kannst natürlich auch warten, aber aus meiner eigenen Erfahrung heraus würde ich meinen, das macht es nicht einfacher. und der Tag, an dem dann "irgendetwas" passiert, wird kommen, früher oder später. Nur hast Du dann mitunter keine Möglichkeiten mehr, selbst mit zu entscheiden und auch wählen, was dir hilft und was nicht. Wer das tut und wie. Die Möglichkeiten hast du jetzt noch in vollem Umfang. und aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, ich würde es zumindest versuchen.

      Ich glaube nicht, dass Du wirklich erleben möchtest, wie es ist, wenn andere dir die Entscheidungen abnehmen. Ich hab das erlebt, das wünsche ich niemandem. Auch wenn ich weiß, dass es sich oft so anfühlen mag, als wäre das der einfachere Weg, weil man einfach nicht weiter weiß. Aber gerade deshalb ist es wichtig, sich nicht abzukapseln, um wieder Perspektiven zu finden, Anhaltspunkte, Stütze, Motivation. Die kommt nicht aus dem Nichts. Das ist mal sicher.

      Hast Du irgendeine Person, an die Du dich wenden könntest? Warst du schon mal in Therapie aus anderen Gründen? Könnte man da evtl noch mal anfragen? Es soll ja erstmal nur eine Stütze und Begleitung sein, damit du selbst wieder weißt, wie es weitergehen soll, damit du einen Weg für dich findest.

      .
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      ..."vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist...." (Rilke)
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      DER KRIEG IST VORBEI! (meine exsupervisorin)
      Hallo,

      ich kann mich ares in allen gesagten Punkten anschließen. Auch ich kenne dieses Gefühl, nichts ändern zu wollen, aber dabei darf man nicht vergessen, dass man eben auch ein soziales Umfeld hat- und früher oder später wird der Punkt kommen, an dem sich irgendwer aus diesem Umfeld dazu verpflichtet fühlt, "dich vor dir selbst zu retten", vielleicht ein Mensch, von dem du das gar nicht erwartet hättest. Aus der Sicht des Anderen durchaus nachvollziehbar, aber für einen erwachsenen Menschen, der es gewohnt ist, eigene Entscheidungen zu treffen, ist dieses Gefühl des Ausgeliefert-Seins so ziemlich eines der schlimmsten und zerstörerischsten Dinge, die einem passieren können- zumindest ist das meine persönliche Erfahrung. Und da du nochmal ein Stück älter bist als ich, wäre es für dich wahrscheinlich noch schlimmer. Ich will dir damit keine Angst machen, aber ich hoffe einfach, dir diese Erfahrung ersparen zu können. Denn ich dachte immer, als erwachsener Mensch kann mir sowas nicht passieren, solange ich nicht so untergewichtig bin dass ich nicht mehr aus dem Bett komme und somit der Punkt "Eigengefährdung" aus dem Unterbringungsgesetz greift - aber das geht auch ganz ohne Unterbringungsgesetz, es wird immer irgendein Druckmittel geben, sodass du letztendlich keine Wahl hast.

      Wenn du noch nicht bereit bist, etwas zu verändern, wäre es zumindest eine Option für dich, dein derzeitiges Gewicht zu halten? Das wäre vielleicht eine Art "goldener Mittelweg"- einerseits kannst du die ES "behalten", andererseits sieht dein Umfeld, dass sich dein Zustand nicht laufend verschlechtert und du die ES auf eine gewisse Art und Weise "kontrollieren" kannst.
      Wenn du es nicht schaffst, genug zu essen, wäre vielleicht spezielle Trinknahrung eine Option. Falls du die nicht magst (geht mir persönlich so, weil ich damit viel Negatives und Unfreiwilliges verbinde) gibt es die übrigens auch als neutrales Pulver, das man sich überall reinmischen kann.

      Alles Gute für dich
      wild_angel
      If everything seems to be going against you,
      remember that the aeroplane takes off against the wind,
      not with it...
      (Henry Ford)

      ~~~~~~~~
      Ich versuche nach den Sternen zu greifen, doch das Universum expandiert....
      Hallo

      ich kann mich meinen beiden Vorrednern nur anschließen.
      Ich habe mal eine Freundin über das Amtsgericht zwangseinweisen lassen, auch wenn es nicht viel gebracht hat. Denn überl*bt hat sie die Essstör*ng leider nicht.

      Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das man was ändern wollen muss, sonst funktioniert es nicht. Und selbst wenn man ändern will ist es immer noch unglaublich schwer, da der Gegener im Kopf so unglaublich stark ist.
      Wie sieht es aus mit therapeutischer Hilfe? Essen ist letztendlich nur ein Symptom. Auch wenn man das Essen wirklich verlernt und eine Ernährungfachkraft hilfreich ist. Ich arbeite selbst mit einer Ernährungsfachkraft. Für mich ist das sehr hilfreich, bei mir geht es um Gewicht halten. Ich habe aber auch viel Therapie hinter mir.
      hallo nunki,

      ist ja schon viel richtiges geschrieben worden. ich hänge mich mal auf den dem satz
      Am Ende warte ich auf irgendwas. Darauf, dass es "Klick" macht in meinem Kopf - oder ich im KH aufwache; ein Gedanke, den ich ebenso peinlich wie tröstlich finde.


      warum peinlich und warum tröstlich? angst vor kontrollverlust und gleichzeitig der wunsch, die kontrolle total abgeben zu können?

      es macht aus meiner sicht nicht so viel sinn, die ernährung in den griff zu bekommen, wenn die darunter liegenden probleme nicht gelöst oder ein anderer umgang damit, eine andere haltung dazu gefunden ist.

      um was geht es dir (eigentich) bei der kontrolle deines essverhaltens - und warum kannst/willst du das nicht anders - auf gesündere weise - lösen?
      manchmal können wir etwas nur dadurch klären, dass wir uns dem stellen, was wir nicht wissen.
      /pina bausch/
      Hallo zusammen und danke für eure Antworten.

      ares schrieb:


      Du sagst, du hast eine Ernährungsberatung begonnen, hat das für dich etwas verändert? Die Frage die mir auch sehr vorkommt ist die: Weißt du, (zumindest ungefähr) welche Gründe hinter Deiner ES stecken? Hast Du je therapeutische Hilfe gehabt oder darüber nachgedacht, was dahinter steht? Eine Ernährungsberatung allein wird dir vermutlich nur insofern helfen können, als es helfen kann, dass sich die ES nicht extrem verschlimmert, aber solange das eigentliche dahinter nicht bekannt und daher auch nicht gestützt und bearbeitet werden kann, ist das halt nur bedingt hilfreich und wird vor allem Dir nicht helfen, dich ein Stück weit von deiner ES lösen zu können.


      Am Anfang war ich fast sowas wie motiviert und habe direkt nach dem Start bei ihr meine Kalorienzahl sehr erhöht. Das hat aber nicht lange angehalten - wahrscheinlich, weil ich zu sehr in meinen festen Strukturen gefangen bin und bisher nicht bereit war, etwas an diesen zu ändern (z.B. Essenszeiten).
      Therapeutische Hilfe hatte ich die letzten 2 Jahre aufgrund meiner dort im Vordergrund stehenden Depression, letztes Jahr gab es auch einen Klinikaufenthalt. Der hat mir einerseits bei der Depression und bei der Verarbeitung eines schwierigen Themas geholfen, aber dort ist hat auch die ES enorm an Platz in meinem Leben zugenommen - evtl. eine Symptomverschiebung, ich bin bisher nicht ganz dahinter gekommen.
      Derzeit ist es so, dass ich mich echt therapiemüde fühle, ich habe keine Lust, zu graben und mich zu öffnen. Dass das wenig hilfreich ist, weiß ich aber genauso.


      Du schreibst, die Gründe, warum du abgebrochen hast, sind teilweise bekannt, teils doch diffus. Was ist das denn? Was stört Dich? Was wünschst Du Dir? Was sollte anders sein?
      Aus meiner Erfahrung ist es sehr schwer, allein da wieder raus zu finden, und so wie es sich anhört, hat sich das Problem in letzter Zeit eher verschlimmert als verbessert. Oder sehe ich das falsch? Woran könnte das liegen?
      Hast du da eine Ahnung?


      Bisher sehe ich es als Pause, nicht als Abbruch des Programms. Warum mir das wichtig ist, zu sagen, weiß ich gerade selber nicht ;-P
      Die ES bietet eine Beschäftigung und das Gefühl von Kontrolle. Den lieben langen Tag kann ich übers (Nicht-)Essen nachdenken und habe damit wenig Platz für andere Gedanken und Ängste. Ich weiß, da kommt die fehlende Therapie ins Spiel - aber siehe oben =/ Und die Hoffnung, dass sich andere (meine Mama z.B.) um mich sorgen und damit an mich denken. Irgendwie sowas.


      Hast Du irgendeine Person, an die Du dich wenden könntest?


      Nicht wirklich... meinen Mann vielleicht. Aber ich finde es unendlich schwer, überhaupt darüber zu sprechen, und ich will ihn nicht als Therapeutenersatz mißbrauchen.

      wild_angel schrieb:

      Hallo,
      Wenn du noch nicht bereit bist, etwas zu verändern, wäre es zumindest eine Option für dich, dein derzeitiges Gewicht zu halten? Das wäre vielleicht eine Art "goldener Mittelweg"- einerseits kannst du die ES "behalten", andererseits sieht dein Umfeld, dass sich dein Zustand nicht laufend verschlechtert und du die ES auf eine gewisse Art und Weise "kontrollieren" kannst.
      Wenn du es nicht schaffst, genug zu essen, wäre vielleicht spezielle Trinknahrung eine Option. Falls du die nicht magst (geht mir persönlich so, weil ich damit viel Negatives und Unfreiwilliges verbinde) gibt es die übrigens auch als neutrales Pulver, das man sich überall reinmischen kann.


      Ohne genau sagen zu können, warum, sträubt sich sehr viel in mir gegen das nicht "richtig weitermachen". Da spielt das riesengroße "ich stelle mich ja doch nur an" mit rein, welches sich durch mein Leben zieht und dann der Meinung wäre, wenn das geht, dann kann ich auch einfach wieder normal essen.

      Junimond schrieb:

      Hallo
      Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das man was ändern wollen muss, sonst funktioniert es nicht. Und selbst wenn man ändern will ist es immer noch unglaublich schwer, da der Gegener im Kopf so unglaublich stark ist.
      Wie sieht es aus mit therapeutischer Hilfe? Essen ist letztendlich nur ein Symptom.


      ...siehe oben =/

      solaine schrieb:


      warum peinlich und warum tröstlich? angst vor kontrollverlust und gleichzeitig der wunsch, die kontrolle total abgeben zu können?


      Ambivalenz ist mein zweiter Vorname. Das ist nichts, was ich erklären kann.


      um was geht es dir (eigentich) bei der kontrolle deines essverhaltens - und warum kannst/willst du das nicht anders - auf gesündere weise - lösen?


      ... ich weiß es nicht. Ein großer Teil von mir will es nicht wissen, weil es doch gerade - vermeintlich - so gut funktioniert.

      Ich würde ja gerne wollen. Aber wie bekomme ich mich dazu?
      Flügelwesen
      ...komm nicht auf Scherben zum stehn...
      Andreas Bourani

      das war das, was ich sagen wollte und ja, wäre ein anfang. was will sie dir sagen, worum geht es eigentlich dahinter?

      aber ganz ehrlich: wenn du nicht ausgerechnet jetzt zuhören willst, würde ich das auch verstehen. in der aktuellen ausnahmesituation ist es vielleicht ja auch sicherer, beim bekannten zu bleiben. der wunsch, dasss sich etwas verbessert, sollte schon stark sein, dann kannst du die situation vielleicht auch nutzen. :)
      manchmal können wir etwas nur dadurch klären, dass wir uns dem stellen, was wir nicht wissen.
      /pina bausch/
      Hallo Nunki,

      das, was wir sagen (schreiben) oder auch nicht sagen, wird den Menschen neben uns beeinflussen. Klingt schon fast philosophisch, das soll es aber aus meiner Sicht gar nicht sein. Was ich vielmehr mit meinen nachfolgenden Zeilen versuchen möchte, ist auch ein Stück weit dir vor Augen zu führen, dass unser ganzes Leben jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, ja jede Sekunde durch genau diese Zwickmühle beschrieben werden kann. Du sagst: das ist doch klar, das ist doch trivial. Dann leg meine Zeilen einfach weg … und das war’s. Und doch weiß ich – du wirst weiterlesen. Siehst du, das meine ich mit Beeinflussung. Ob ich nun will oder nicht, ich habe dich ein Stück weit beeinflusst. Nun aber zum Kern (aus meiner Sicht deines Themas).

      Vielleicht noch vorneweg: ich kenne mich mit Essstörungen nicht aus. Und was ich in diesem Fall noch machen möchte: ich möchte dich an einen älteren Thread erinnern. Versuche ich sonst eher zu unterlassen. ;)

      Du bist momentan mit deinem „Jenga-Turm“ an eine Grenze angekommen. Nimmst du einen Stein an der falschen Stelle heraus, wird der Turm vermutlich wackeln, mindestens wackeln. Vielleicht stürzt er ja auch ein? Nimmst du einen Stein an der richtigen Stelle heraus, könnte der Turm weiter bestehen – zwar wackelig, aber er steht eben noch. Was also willst du tun?

      Und genauso empfinde ich deine Zeilen, wenn du über dich und die Essstörung schreibst. Dabei bleiben, weiter den Versuch unternehmen zu kontrollieren, oder doch der andere Weg? Essstörung als Wegweiser, hinzusehen auf das, was da vielleicht dahinter steckt? Verantwortung ein Stück weit weggeben, andere entscheiden lassen – das klingt einfach. Aber ist es wirklich das, was du – was ich/wir wollen? Wollen wir dann mit der Folge an Konsequenzen leben? Für heute, für morgen, vielleicht für unser weiteres leben? Ich glaube fest, dass viele unserer Entscheidungen sehr langfristige Auswirkungen haben. Sie also als solche in fremde Hände zu legen, kann man machen. Aber willst du das wirklich? Aus den anderen Antworten hast du ja schon gelesen, dass es soweit kommen kann, dass andere entscheiden. Aber letztendlich basiert dann auch diese Situation auf einer Entscheidung, die wir schon lange davor getroffen haben. Vielleicht war oder ist uns das nur nicht immer so bewusst.

      Letztendlich wollen wir für eine Entscheidung eine Garantie, eine Garantie, dass unser Leben in dem von uns gewünschten Sinn weiter verläuft, bequem - vielleicht besser umschrieben mit: „nett“ und „schön“. Doch diese Garantie gibt es nicht – kann sein, kann nicht sein. Das schmeckt mir ganz und gar nicht, ist unbequem, ist nervend, ich könnte weglaufen davor, etc. Wie geht es dir damit? Wenn dir jemand eine Garantie gäbe, dein Leben würde mit einer Entscheidung gegen ES soundso verlaufen, du würdest vermutlich gar nicht weiter überlegen. Aber was, wenn da ein Zweifel bleibt, dann wäre sie wieder da – die Zwickmühle … und schon sind wir wieder am Anfang.

      Du hast viele Gedanken und Hinweis zu deiner Frage erhalten. Zusammengefasst ist ein Signal für mich klar: ES ist kein Spiel. Ein bisschen schwanger geht nicht, vielleicht in Gedanken, für eine endliche Zeit. Und dann? Erst nur ein Symptom, ein Warnsignal, dann rutscht und schiebt sie sich immer weiter nach vorn und fängt an, dein Leben zu beeinflussen; dann wird ihr Einfluss immer stärker; und dann … übernimmt sie vielleicht das Ruder für dich. Lässt du das zu, willst du das für dich, willst du diesen Weg?

      Beeinflussung?!

      Ich mal noch mal ein Bild - wie das letzte Mal :) - da ist ein Kapitän auf einem Schiff mit wertvoller Ladung, mit Menschen an Bord. Ein Unwetter zieht auf, er steuert auf eine unsichere See zu: Sandbänke und Riffe, dahinter wahrscheinlich Land. Auf der anderen Seite die See, mit Wellen, die sich langsam immer höher türmen. Welche Entscheidung trifft er für sich, sein Schiff, die Ladung, die Menschen an Bord? Und wenn er keine trifft, wird entschieden – der Sturm, die Situation entscheidet. Will er das Resultat einer solchen Entscheidung? Zufall? Glücksspiel? Fatum?

      Oder wird er nach all seinem besten Wissen und Gewissen, mir allem was er bisher gelernt und erreicht hat ... entscheiden? Ja – das ist ein Risiko. Er kann die Situation mit seinen Erfahrungen und den Erfahrungen und dem Wissen der anderen abwägen. Aber dann ist es an ihm zu entscheiden.

      Du hast es sicher schon gemerkt – du bist der Kapitän. Vielleicht bleibt noch Zeit der Diskussion, vielleicht kann der Kapitän noch eine Zeit lang in der einen Richtung steuern, um sich dann anders zu entscheiden. Vielleicht? Meine Bitte an dich: wäge ab, aber lass dann nicht das Schicksal entscheiden oder den Zufall oder was auch immer. Entscheide du, für dich, für dein Leben, für ein gutes Leben.

      Bis der Kapitän die Unwägbarkeiten seiner Situation überwunden hat, bis er vielleicht wieder in ruhiges und damit „sicheres“ Wasser gelangt, braucht es viel Wissen, viel Kraft und Mut, Unterstützung kann helfen.

      Irgendwann wird er stolz auf sich sein, stolz sein, dass er den Mut hatte zu entscheiden. Die Menschen, denen er damit das Leben gerettet hat, werden die Situation des Schiffes nie vergessen.

      Du wirst deine Situation nie vergessen; aber du wirst stolz sein, dass du dich entschieden hast …
      für das Leben entschieden hast.

      So wie der Kapitän nicht nur für sich entschieden hat, so berührt auch deine Entscheidung immer auch andere und deren Leben, ob wir es nun wollen oder nicht.

      Lg Elfenspiegel