Dissoziative Zustände im Unterricht

      Dissoziative Zustände im Unterricht

      guten abend,

      ich war die letzten monate leider wieder sehr inaktiv hier... sorry dafür...
      aktuell stehe ich leider mal wieder vor einem ziemlichen problem und hoffe, dass hier jemand einen guten rat für mich hat...
      seit ende des letzten schuljahres bin ich im unterricht immer mal wieder "weg". sprich, ich nehme die realität nicht richtig wahr, fühle mich wie in watte gepackt und komplett taub. meiner therapeutin habe ich schon von diesen zuständen erzählt. sie meint, dass das in richtung dissoziation geht. zu dem zeitpunkt waren diese zustände aber noch nicht so stark und ich konnte das ganze gut überspielen.
      seit diesem schuljahr ist das ganze jedoch nochmal schlimmer geworden. ich stecke im unterricht über mehrere stunden hinweg in diesen zuständen fest und komme nicht mehr raus. das belastet mich ziemlich, ich will mein fachabitur nämlich schaffen und habe diesbezüglich auch einen großen willen. ich habe schon zusammen mit meiner therapeutin skills herausgesucht, die diese zustände abschwächen können und natürlich habe ich davon auch welche in der schule dabei und wende sie an. aber irgendwie helfen diese skills immer seltener.. langsam weiß ich echt nicht mehr, was ich noch machen soll, dass das besser wird. ich weiß nicht mal, was mich da triggert. ohne grund schaltet meine psyche ja nicht in den schutzmechanismus... aus verzweiflung habe ich vor ca. eineinhalb monaten mal mit dem schulpsychologen meiner schule geredet, um mal eine neutrale meinung zu bekommen. er meinte, dass ich unbedingt in eine klinik gehen sollte. dagegen sträube ich mich aber ein bisschen. ich glaube schon, dass es mir helfen könnte, allerdings bin ich von der sozialphobie her wieder sehr instabil geworden und ich will das schuljahr auch nur ungern wiederholen, das würde nämlich wieder eine neue klasse bedeuten... ich weiß langsam echt nicht mehr, was ich noch machen soll... ich bin am überlegen, nochmal mit meiner pädagogik/psychologie lehrerin zu reden. sie hat mir schon paar mal einen guten rat gegeben und mir mut gemacht. allerdings habe ich angst, dass es dumm rüber kommt, nochmal um einen rat zu fragen...
      habt ihr vielleicht eine idee, was ich noch machen kann? kennt vielleicht jemand starke skills, die man halbwegs unauffällig im unterricht praktizieren kann? ich weiß echt nicht mehr, was ich noch machen soll ;(

      liebe grüße
      Hallo pferdemaedchen,

      also, erstmal finde ich es super, dass du dir professionelle Hilfe gesucht hast. Das ist schon ein großer Schritt :)

      Bzgl Auslöser, hmm, wäre es vielleicht auch möglich, dass zu viele Sinneseindrücke dich stressen? Also z.B. der Lärm im Klassenraum, grelle Beleuchtung, die Anwesenheit von 30 anderen Personen, jede/r macht Geräusche, kruschpelt mit den Sachen herum, redet mit anderen, der/die Lehrer/in redet laut, usw. ... also dass dich das alles stresst und dann dein Unterbewusstsein quasi auf Abschirmung schaltet? Wäre das möglich?
      (ich spekuliere jetzt mal)

      Pferdemaedchen schrieb:

      (...) ... ich bin am überlegen, nochmal mit meiner pädagogik/psychologie lehrerin zu reden. sie hat mir schon paar mal einen guten rat gegeben und mir mut gemacht. allerdings habe ich angst, dass es dumm rüber kommt, nochmal um einen rat zu fragen...


      Ich würde sagen, frag sie ruhig :) sie ist bestimmt froh, wenn sie dir helfen kann, oder?


      (...)
      habt ihr vielleicht eine idee, was ich noch machen kann? kennt vielleicht jemand starke skills, die man halbwegs unauffällig im unterricht praktizieren kann? (...)


      Ein Igelball wäre eine Möglichkeit (den kann man in der Jackentasche oder unterm Tisch unauffällig in die Hand nehmen und drücken).
      Hier im Forum gibt es 2 Threads mit Skills, bzw Ideen. Vielleicht ist ja was hilfreiches für dich dabei :)

      Ideensammlung: Wenn es einen überrollt

      Skills


      Liebe Grüße & alles Gute für dich
      Kasmo
      ~ Wir sind für Euch da! ~
      Liebes Pferdemädchen,

      Um schneller aus diesen Dissoziationen zu kommen hat mir eines extrem geholfen: das Wissrn um die polyvagale Leiter.
      Das ist ein Schema/die Reihenfolge, nachdem die verschiedenen Nervensysteme aktiv werden. Bei einem bedrohlichen Reiz wird erst vom normalen auf das zu Flucht/Kampf übergeschaltet, dann auf das zur Dissoziation. Auch zurück geht es in dieser Reihenfolge!

      Wenn man sich also aus der Dissoziation lösen will, muss man zuerst durch den Flucht/Kampfmodus.
      Seitdem ich das weiss probiere ich mich gezielt in diesen zu versetzen, oft renne ich ein Stück oder versuche *vorsichtig* aggresive Dinge zu denken. Danach ist weiteres Regulieren um wieder in den normalen Zustand zu bringen unbedingt nötig, sonst kippt man schnell wieder zurück.
      Mehr dazu hier: dis-sos.com/die-polyvagale-leiter/
      Ich hab die Informationen sehr knapp gehalten, empfehle den verlinkten Artikel zu lesen.

      Harte Skills muss ich manchmal ersetzen, da sie bei mir sonst zu einer Gewöhnung führen können.

      Vielleicht könntest du auch sicherheitsgefühl-verstärkende Skills suchen und dann regelmlässig anwenden.
      Ich reagiere gut auf Eiswürfel/eiskaltes Wasser und nehme jeweils eine Thermoskanne mit.
      Vielleicht eine dieser brennenden Salben, Murmel im Schuh, Chili essen, Minzöl... Achtsamkeit auch super wichtig! Aber das weisst du bestimmt schon.
      Falls du strukturell dissoziiert bis hilft es vielleicht auch, gegen innen zu sagen, vermitteln, dass alles ok ist, Disso nicht nötig und aufpassen wichtig. Bei mir hilft das grad wenn der Auslöser unbekannt ist teilweise immens hilfreich.

      Alles Liebe
      Vom Nüsschen
      Hey, das erinnert mich so an mich selbst. Ich war damals in der 10. Klasse und die Noten katastrophal schlecht, wegen meiner ausgeprägten Schul- und sozial-Phobie wollte ich aber die Klasse auf keinen Fall wiederholen und ich kam wirklich nur wegen einer Note noch ins nächste Schuljahr. Das bereue ich jetzt, weil mein Realschulabschluss furchtbar ist und ich dann nach der 11. Klasse die Schule abgebrochen habe. Ich kenne deine Sorgen, neue Menschen, neue Klasse, alles noch schlimmer. Allerdings ist das ja auch Teil deiner Problematik die du hast und es geht ja darum dass du, auch wenn du es nicht glauben kannst dass das jemals geht, irgendwann möglichst angstfrei bist. Und unter den Umständen wenn die Angst nicht mehr alles beherrscht kannst du die Schule weitermachen. Ich habe ein paar Jahre später meine Fachhochschulreife drangehängt. Prinzip gibt es immer die Möglichkeit die Schule nachzuholen. Gesundheit sollte vorgehen.
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