Probleme mit Abwertung

      Probleme mit Abwertung

      Bin so fertig derzeit ...
      hatte gestern wieder eine Therapiesitzung, nach 2 Wochen Pause wegen Schulferien.
      Ich hab von Anfang an gesagt, ich verdiene diese Therapie nicht, nehmen Sie andere mich richtigen Problemen. Als nach den Probesitzungen die ersten Ansätze für die Diagnostik kamen fühlte ich mich noch schlechter bzw. "unwerter" diese Therapie zu machen. Diagnose war PTBS und Soziale Phobie (SP: was ich aber schon wusste und auch akzeptierte)...
      Gestern haben wir wieder über die Dissoziationen gesprochen weil sie wissen musste wie schlimm es derzeit ist und wie lang die EMDR noch rausgehalten wird.
      Also habe ich angefangen zu reden ... bis ich angefangen habe wieder zu sagen, ich bin ein Hypochonder, ich habe keine Dissoziation, ich bilde mir das alles ein, ich bin daran schuld, ich will nur krank sein! Doch fühlte es sich so falsch an das zu sagen, als wär das ein Ego-State oder so ... ich selbst weiß nicht ob ich das gesagt habe bzw. hat meine Therapeutin dann gefragt, wer da rede...ich weiß es nicht.
      Ich kann einfach nicht verstehen das ich in der Ebene des Sozialen noch wie ein Baby bin weil ich ein Urtrauma aus dem Mutterleib habe (was ich mir nciht vorstellen kann!!)
      Nun weiß ich nicht ... was ich denken bzw. glauben soll. Was ist mit mir? Warum sage ich etwas, was ich nicht sagen will? Warum werte ich mich ab, warum kann ich einfach selbst nicht aktzeptieren, dass es so ist wie es ist? Kennt ihr das bzw. wie geht ihr im Alltag damit um? Mit sich selbst abwerten usw. ...
      Kann einfach nicht mehr ...
      Weltkehrt
      mein Blog über Schizophrenie und Depression

      Hallo symphony,
      mir geht es manchmal ähnlich wie dir. Es fällt mir dann echt schwer denjenigen zu glauben, die mich eigentlich nur wieder aufbauen wollen. Ich denke, sie sagen die lieben Worte nur, damit ich nicht mehr traurig bin, aber in Wahrheit denken sie doch das gleiche - das ich nichts kann, nutzlos bin, die anderen immer nur ausnutze,... Wenn gefühlte 90% sagen, wie schlecht du doch bist, fällt es dir schwer den anderen 10% Glauben zu schenken. Manchmal bin ich am verzweifeln an mir selbst, weil ich weder meinen Ansprüchen genüge, noch den der anderen zu genügen scheine. Man beleidigt mich regelmäßig.

      Ja, aber es gibt Menschen mit "richtigen" Problemen. Gut, ich habe in 3 Jahren meine halbe Familie verloren. Und das war ausgerechnet der Teil, der immer zu mir gehalten hat. Ich musste ihnen zusehen, wie das Leben Tag für Tag mehr aus ihnen schlich. Und letztendlich war ich zuspät im KH... Aber man, es gibt Leute, die haben "richtige" Probleme. Und weißt du symphony, wenn man immer nur verzichten soll und nie etwas zurückbekommt, kann das Leben manchmal echt hart sein. Ja, es gibt solche Tage, an denen fühle ich mich als Egoist. Ich habe tatsächlich Angst vor fremden Menschen. Ich grüße fast nie und schaue beschämt zu Boden oder tue so, als hätte ich gerade etwas spannendes ganz da hinten entdeckt, zücke das Handy, nur um schnell an den Menschen vorbei zu kommen. Gut, ich war noch nie der Mensch, der Freude strahlend auf fremde Menschen zugegangen ist und auch Bekannte einfach so umarmen konnte. Aber letztendlich zeigen ich den Leuten Ablehnung, ohne, dass ich sie auch nur näher kenne. Ich zeige völliges Desintresse. Auch damit kann man andere v*rl*tz*n - indem man sie ignoriert. Ignorieren ist auch eine Art Abwertung. Ich weiß, dass ich anderen mit meinem Verhalten wehtue und genau deshalb mache ich Therapie. Ich möchte andere nicht mehr v*rl*tz*n. Ich möchte anderen auch wieder vertrauen können. Ich möchte mit anderen wieder lachen können. Mir fällt es schwer zu sagen, ich brauche die Therapie. Nein, das fühlt sich falsch an. Ich brauche die Therapie nicht, ich komme gut alleine klar. Andere brauchen viel dringender Hilfe, haben viel schlimmeres erlebt. Aber ich v*rl*tze liebe Menschen und das br*cht mir das Herz.

      Vielleicht hilft es dir, es ebenso zu sehen. Du tust damit nicht nur etwas für dich, sondern auch für dein Umfeld.

      LG, Evo
      Also, ihr beiden... ich bin der Meinung, dass man Probleme nur schwer in "klein" oder "groß" einteilen kann.
      Ab wann hat ein Mensch ein "richtiges" Problem? Ich frage mal umgekehrt: Wann ist ein Problem denn "falsch"?

      Ein Problem ist ein Problem. Und wenn man eines hat, dann sollte man es nicht bewerten, ob es nun klein oder groß ist, man sollte es lösen.
      Denn wer zu lange bewertet, dem kann sein Problem mit der zeit über den Kopf wachsen, und dann hat er womöglich auch ein "richtiges" Problem.

      Bitte nehmt euch selber auch ernst, eben damit das Problem nicht noch wachsen kann,

      Auch auf die harmloseste Erkältung muss man Acht geben, damit aus ihr nicht noch eine schwere Lungenentzündung werden kann.
      Hey,

      ich kann mich Wolkenflug nur anschließen.

      Es gibt da dieses schöne Zitat von Korczak, "Alle Tränen sind salzig".
      Alles, was einen belastet, ist eben ein Problem, und alles was einen in der Lebensqualität einschränkt ist es wert auch beachtet und behandelt zu werden.
      Du hast ja auch die Diagnose PTBS bekommen, du hast also wirklich offiziell eine "Bestätigung", dass du wirklich ein ernstzunehmendes Problem hast.

      Ich glaube, dass viele das Problem haben, dass sie versuchen sich selbst nicht einzugestehen, dass es eben wirklich "schlimm" ist. Wenn man es immer wieder kleinredet und auch anderen gegenüber sagt, dass es eigentlich ja gar nicht so schlimm ist, dann glaubt man es irgendwann auch selbst. Wer gesteht sich denn schon gerne ein, dass er wirklich ein psychisches Problem hat?

      Hast du dieses Thema denn mal in der Therapie angesprochen?

      Liebe Grüße,
      Dragonfly
      Von verrückten Leuten kann man eine Menge lernen.
      (Die Mitte der Welt - Andreas Steinhöfel)
      einzig wahres Zitrönchen
      & Chefin des Chi-Kreiselwurm-Verschwörungskommandos


      Danke ihr 3 (vorher nicht wirklich in der Lage war, zu antworten :( )

      Ich hab es des öfteren angesprochen, aber ich habe noch nicht das Gefühl das es bei mir selbst so 100%ig angekommen ist, dass ich es verstanden habe oder akzeptiert.
      In letzter Zeit geht es für mich nicht weiter oder sagen wir es so, ich habe Angst vor der Therapie, finde einige Ansätze nicht (mehr) richtig oder kann den Gedankengängen meiner Therapeutin folgen.

      "Du hast ja auch die Diagnose PTBS bekommen, du hast also wirklich offiziell eine "Bestätigung", dass du wirklich ein ernstzunehmendes Problem hast. "

      Am Donnerstag hab ich in der Krisenintervension mit einer anderen, mit vertrauten (aus der Klinikzeit vorheriges Jahr) Therapeutin geredet, die meine Therapeutin kennt wegen Weitervermittlung etc. und die nicht ganz mit ihren Ansichten mitgeht. Mit ihr habe ich darüber geredet das ich nicht denke traumatisiert zu sein, für mich war Trauma bis dato Kriegserfahrung, ein schlimmer Unfall, V*rg*w*ltig*ng und Punkt, das war's. Ich kannte diese "schwammige" Grenze nicht - Vernachlässigung, Schäden durch pränatale Diagnostik, M*ssbr**ch (im weitesten Sinne) und auch die Aussage "Für ein Kind kann fast alles traumatisierend sein." Ich denke ... bei einer anderer Therapie wäre ich mit 99%iger Wahrscheinlichkeit kein PTBS-Patient, sondern "nur" depressiv, angstneurotisch etc. was ja im weitesten Sinne in PTBS eingefasst werden kann bzw. sich manchmal so verhält.
      Weltkehrt
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