Eigeninitiative

      Eigeninitiative

      oder: Der Mut zu Leben.

      Wortbedeutung:
      Eigeninitiative nennt man allgemein die Bereitschaft des Einzelnen, die Initiative zu einer Handlung selbst zu ergreifen, wenn diese Handlung seinen eigenen Zielen und Interessen dient bzw. zur Lösung eines individuellen Problems beiträgt. Ebenso bezeichnet man die zugehörige Handlung als Eigeninitiative. Als Initiative (von lat. initium, Anfang) bezeichnet man den Anstoß zu einer Handlung oder den ersten Schritt zu eben dieser Handlung. Weiter gefasst wird der Begriff Initiative auch benutzt, um die Fähigkeit einer Person, aus eigenem Antrieb zu handeln, Entscheidungen zu fällen oder Unternehmungsgeist an den Tag zu legen, zu bezeichnen. Quelle

      Und wenn ich das lese frage ich mich wirklich, was ist damit passiert? Ist es Angst vor dem eigenen denken? Angst vor Anstrengung? Angst davor Verantwortung für das eigene handeln zu tragen? Sind die meisten User noch einfach zu jung (Steine finden sie am Forums Portal)? Oder ist das ein Deckmantel? Ist es Bequemlichkeit? Was läuft schief?

      Ich habe lange darüber nachgedacht diesen Text zu schreiben, aber ich möchte es darauf ankommen lassen. Ich persönlich will es wissen. Ich möchte die Beweggründe einfach wissen. Ich will nerven, unnett sein, provokativ, lästig, unnötig und vor allen dingen eine Antwort, oder zumindest das Nachdenken darüber.
      Nicht von den üblichen Verdächtigen sondern von denen auf die folgendes zutrifft.


      Ich möchte wissen warum "Kranke" sich nicht mit ihrer Krankheit auseinander setzen.
      Ich möchte wissen warum Medikamente blindlings geschluckt werden, ohne das man weiß für was sie eigentlich sind.
      Ich möchte wissen warum man reale Hilfe hat aber dennoch immer zuerst auf die virtuelle zurückgreift.
      Warum reale Hilfe abgelehnt wird, um sich dann in den weiten des Netzes zu verstecken.
      Warum warten hier so viele auf ein Wunder anstatt zu ihren eigenen Helden zu werden.
      Warum wird destruktives Handeln bestärkt mit 10-mal "kenn ich auch" anstatt auf den einzigen Lösungsvorschlage im ganzen Beitrag einzugehen.
      Warum wird wenn einmal Kritik kommt aus 10 Kanonen zurück geschossen ohne etwas gesagt zu haben.



      Warum es nicht verstanden wird das es hier nur um eins geht, um dein Leben.
      Nicht ihres noch seins noch um meins, sondern deins.








      Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
      Zartbitter
      "Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen glücklich zu sein!"
      Voltaire
      *Prachtmädchen*
      manchmal ist man über eine (anstehende) situation verzweifelt.. man kennt die lösung.. doch man weiß dass man sie nicht schaffen wird.. deshalb sucht man hier nach wundertipps und -tricks.. sich selbst zu überreden es einfach zu tun..
      und weil es einem mit diesem hinausschieben.. der verzweiflung..nicht gut geht sucht man auch ein bisschen beistand..einfach eine reaktion..

      ja ich kenn das von mir selbst.. meistens stell ich bei der 3. oder 4. antwort fest dass es alles auf eine ganz einfache lösung hinausläuft.. die ich nicht sehen wollte weil ich es net schaffen werde sie zu benutzen...

      und naja ich benutez nicht ZUERST die virtuelle hilfe.. aber oft benutze ich sie ZUSÄTZLICH in der hoffnung dass mich menschen die auch ein bisschen sensibel (unfreundlich ausgedrückt hysterisch sind.. also mit kleinen probs schon nicht gut umgehen können) michbesser verstehn

      und naja das "ich kenn das auch".. sagt man eben um dem anderen zu zeigen.. dass er nicht der einzige ist der in dieser art "krank" ist..
      um den jenigen mit solidarität ein wenig aufzumuntern..
      darin seh ich nichts schlimmes solang man DAZU noch en lösungsvorschlag schreibt.. oder wie meintest du das?

      ich verstehe deinen post.. wie gesagt mir gehts bei meinen eigenen psts oft so dass ich nachher erkenne dass es alles auf meine eigeninitiative hinausläuft aber ich wollt auch mal die andere position erklären..

      (PS.: fand deinen beitrag gar net so provokativ^^)
      Herzlichen Glückwunsch zu einem phantastischen Beitrag! (Und das ist keine Ironie, ganz ehrlich.) Und nebenbei auch: herzlichen Dank, aus zwei Gründen. Nr 1 lautet, dass ich das nur unterschreiben kann und mich selbiges zumindest im Ansatz heute auch schon fragte, bzw resgnierte und Nr 2 ist die simple Einsicht mich nicht freisprechen zu können.

      Derzeit besitze ich wohl kein Stück Eigeninitiative, wenn es danach geht. Aktiv mache ich gar nichts, ausser, nichts zu tun. Es ist alles weggeregelt, abgestellt und irgendwo eingeschnürt in die Ecke geworfen. Innerlich schreit und wütet etwas und es will ausrasten, es will sich völlig den bescheuerten Mustern, Gedanken und Kreisläufen der gestörten Psyche hingeben, es will alles ausleben, durchleben, rauslassen. Und ich mache nichts dagegen, ausser es zu ignorieren. All die verdammte Kraft geht zur Zeit darein so zu tun, als sei nichts, und tatsache, es klappt, alles ist ganz weit hinten, aber es kratzt und es macht fertig dieses Kratzen zu ignorieren.
      Also bekenne ich mich der Bequemlichkeit schuldig. Und warum? Weil ich es derzeit nicht gebacken bekomme mich der Angst zu stellen, was wohl passiert, wenn ich wieder hinsehe.
      Ich schiebe ein paar kleine Probleme an der Oberfläche hin und her, vielleicht als Alibi. Aber ansonsten bin ich zu feige mich ans Telefon zu setzen, mir einen neuen Termin zu holen und endlich eine ambulante Therapie zu suchen.

      Hm, vielleicht mag ich in manchen Punkten nicht zu denen gehören, die du eventuell ansprechen wolltest, denn ganz so betrachte ich mich nicht, aber es ist etwas, worüber ich selbst seit mehreren Tagen nachdenke, was bei mir los ist, warum das alles gerade so schräg läuft. Und die fehlende Eigeninitiative, warum auch immer jetzt genau, ist sicher ein ganz guter Ansatz. Deswegen wollte ich eben dennoch etwas dazu schreiben.
      Ich warte auf das Wunder, dass jemand mir so gewaltig in den Hintern tritt und mich einfach wo hin schleppt und ich das dann machen muss. Aber das wird nicht passieren. Das habe ich wenigstens eingesehen, dennoch nicht genug Willen derzeit das ganze dann eben allein in die Hand zu nehmen. Wenn ich jetzt so trocken darüber nachdenke - traurig eigentlich, eine Verschwendung, ja, stimmt wohl, verschwende mein Leben jeden Tag vor mich her. ...

      Whatever... wie gesagt, danke für deinen Beitrag, ich werde nachdenken, ganz sicher. *ausdruck*
      Gruß, k.
      Hallo Zartbitter,


      Danke für deinen Beitrag. :) Die von dir kritisierten Verhaltensmuster dürften zunächst ja nichts weiter sein als die erste Phase in einem langwierigen Prozess, der erst zur Selbsterkenntnis und dann dazu führen sollte, sich u.U. auch professionelle Hilfe zu suchen und an den eigenen Problemen und letztlich an sich selbst aktiv zu arbeiten, um etwas im Leben verändern zu können.

      Man darf nur nicht auf der ersten Stufe stehen bleiben. Wenn das geschieht, was ich in manchen schwachen Momenten sogar verstehen oder zumindest nachvollziehen kann, dann hast du vollkommen recht mit dem, was du sagst.

      Gefühle gebären mächtige Wahrheiten und Wirklichkeiten, aber solche unbefriedigenden Kreisläufe sind dazu da, durchbrochen zu werden.

      Viele Grüße
      Caretaker

      RE: Eigeninitiative

      Schöner Beitrag.


      Original von Zartbitter
      Ich möchte wissen warum "Kranke" sich nicht mit ihrer Krankheit auseinander setzen.
      Ich möchte wissen warum Medikamente blindlings geschluckt werden, ohne das man weiß für was sie eigentlich sind.
      Ich möchte wissen warum man reale Hilfe hat aber dennoch immer zuerst auf die virtuelle zurückgreift.
      Warum reale Hilfe abgelehnt wird, um sich dann in den weiten des Netzes zu verstecken.
      Warum warten hier so viele auf ein W*nd*r anstatt zu ihren eigenen Helden zu werden.
      Warum wird destruktives Handeln bestärkt mit 10-mal "kenn ich auch" anstatt auf den einzigen Lösungsvorschlage im ganzen Beitrag einzugehen.
      Warum wird wenn einmal Kritik kommt aus 10 Kanonen zurück geschossen ohne etwas gesagt zu haben.

      Weil dies keine Probleme des RT Forums sind, sondern sich diese Einstellung gehäuft und potenziert auf de "reale Welt" übertragen lässt, eventuell noch ergänzend mit dem Stichwort "Eigenverantwortung".

      Da werden Zigarettefirmen verklagt, wenn man selber die Entscheidung getroffen hat 20 Jahre lang zu rauchen. Lehrer als Buhmänner der Nation dargestellt, weil die eigenen Sprösslinge lieber über neue Klingeltöne diskutieren, anstatt daran zu arbeiten auch nur eine SMS fehlerfrei zu schreiben. Rettungsassistenten werden intensivst beschimpft, wenn man nun einmal nicht zur Lieblingstherapeutin gefahren wird, sondern erst einmal zum nähen in die Chirurgie. Über hohe Versicherungsbeiträge geschimpft, während man im nächsten Satz freimütig zugibt, sich Aspirin verschreiben zu lassen und die nächste Kur gerne im Schwarzwald machen würde. Politiker sind Schuld an hohen Steuern, während Bücher wie "Tausend legale Steuertricks" in den Bestsellerlisten stehen.

      Wir leben nun einmal inzwischen in einer Gesellschaft, die das Prinzip der Eigeninitiative und -verantwortung an Dritte und den Staat delegiert hat, und die überdurchschnittlich junge Klientel in diesem Forum übernimmt das selbstverständlich. Der Arzt ist ja für mich verantwortlich, informieren brauche ich mich nicht mehr. Und wenn's nicht klappt, die Krankenkasse wird auch den nächsten bezahlen.

      Mit dieser Einstellung kommt man aber immer weniger weit, von daher sind gerade provozierende, unnette und weniger verständnisvolle Beiträge in diesem Forum nötig, auch wenn man dafür ein dickes Fell braucht.
      Sehr schöner und guter Beitrag.

      Und was die Antwort angeht, ist glaub ich Boarder seiner so gut wie nichts mehr hinzuzufügen.

      Ich glaube, dass bei den meistens einfach die Erkenntnis oder das positive Erlebnis fehlt, dass man Eigeninitiative zeigen kann, dass man selbständig und voll bewusst eine Tat herbeiführen kann.

      Dies gehört wahrscheinlichzu einem Prozess der Selbsterkenntnis, welcher länger dauert. Man sollte dabei auch nicht vergessen, das es sehr schwer ist sich und seine Verhaltensweisen zu ändern.

      MfG,
      Troll

      RE: Eigeninitiative

      Ich finde den Beitrag auch schön, und ich fühle mich in den beiden unten zitierten Punkten angesprochen. Auch wenn ich das Ganze relativieren muss, ich suche mir ja auch reale Hilfe & habe das schon immer getan, aber:

      Original von Zartbitter
      Ich möchte wissen warum man reale Hilfe hat aber dennoch immer zuerst auf die virtuelle zurückgreift.
      Warum reale Hilfe abgelehnt wird, um sich dann in den weiten des Netzes zu verstecken.


      Ich mag es inzwischen, mir virtuelle Hilfe zu holen. Ich tue es weniger über's RT als über ICQ, aber ich tue es öfter als dass ich zu realen Freunden gehe und mich ausheule. Zumindest war es in den letzten Monaten so.

      Warum? Weil es schwer fällt, anderen in die Augen zu schauen und zugeben zu müssen, dass man wieder mal drauf und dran ist, die Kurve nicht zu kriegen. Weil man mehr von der Verletzung des Anderen mitbekommt, wenn man sich eine reale Person sucht.
      Auch das ist Flucht, und eigentlich lehne ich dieses Verhalten ab. Inzwischen gibt es wieder Freunde, zu denen ich gehe, aber es fällt schwer. Es fällt vor allem schwer, um soetwas wie körperliche Nähe zu bitten.

      Allerdings bin ich auch gerade dabei den Versuch zu unternehmen, genau das zu ändern. Es fällt mir schwer, weil ich niemandem auf den Geist gehen oder verletzen möchte. Was in der Realität oft zu schnell geht.

      Alles in allem ist dieses Verhalten, wie schon gesagt, Flucht. Flucht & Verstecken. Aus Angst vor der Deutlichkeit der Reaktion, aus Scham vor dem eigenen Verhalten; vielleicht auch die Flucht davor, die eigenen Probleme voll und ganz zu akzeptieren.

      Und trotzdem stört es mich selbst auch, wenn hier grundsätzlich Hilfe nicht angenommen wird, Vorschläge abgelehnt werden und es einfach keine Bereitschaft zum eigenständigen Handeln gibt. Selbst habe ich die Entwicklung auch durchgemacht, von der passiven Person, die nur reagiert, zur aktiven. Für mich ist es wenig verständlich, wenn jemand wirklich alles ablehnt, was man machen könnte. Da wird die eigene - angebliche - Unfähigkeit zu Handeln mit der Krankheit abgetan. Und das Ganze ergibt im Endeffekt einen Teufelskreis: Ich bin krank -> ich kann nicht handeln -> meine Krankheit verbessert sich nicht, verschlechtert sich gar -> ich kann noch weniger handeln.
      Dabei kann es so schön sein, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

      Danke für diesen Beitrag. Er ist auf jeden Fall ein Denkanstoß.

      Liebe Grüße,
      Shal
      tell me, did the wind sweep you off your feet
      did you finally get the chance to dance along the light of day?
      [train]


      reitet ohne mich weiter.
      ok hier mal die provokation aus der anderen richtung
      wobei ich weiß dass meine meinung totgetrampelt werden wird.. da diejenigen die das forum als schnellen helfer benutzen und eben oft beiträge schreiben bevor sie über eine mögliche Eigeninitiative nachgedacht haben nicht die sein werden die im feedback forum lesen

      wenn wir davon ausgehen dass jeder die ratschläge die ihm erteilt werden befolgen KÖNNTE dann hätte FAST niemand mehr SVV, ich betone fast denn auf einige "härtefälle" trifft dies sicher ncith zu

      wenn ich bei jedem SVVdruck n der lage wäre mich durch alle skills zu arbeiten.. dann käm ich nie zum c*tt*n
      wenn ich schon früher in der lage gewesen wäre meine klingen wegzugeben dann hätte ich zumindest weniger narben
      wenn ich in der lage wäre meine muster einfach zu knacken (denn tipps und tricks dazu letztendlich muss man sie sich doch bewusst machen und mit dem willen ausbrechen) dann hätte ich sie nicht und ohne diese muster wohl kein SVV
      wenn ich fähig wäre manche dinge, wie mir geraten wird, weniger tragisch zu sehen hätte ich auch kein SVV
      usw

      ich VERSTEHE den denkanstoß.. und ich merke es oft selbst bei mir dass mancher post unnötig war.. bzw ich ihn nur brauchte um mir vor augen zu führen worauf ich selbst hätte kommen können

      aber wenn man immer das schild der eigeninitiative hochhält.. wenn eigeninitiative immer funktionieren KÖNNTE dann hätten wir nur noch halb so viele user..

      manchmal braucht man zeit.. bis man zB wirklich erkennt wie schlimm SVV ist bis man zur eigeninitiative greift..
      manchmal lernt man dinge nicht aus eigeninitiative sondern weil man akut zur eigeninitiative gezwungen wird von der lage oder weil man ohne es zu merken sie ergreift..



      dieser post ist auch auf trolls thread bezogen..
      ich möchte sagen.. dass ich es negativ finde zu sehr zu urteilen..
      jeden beitrag unter die lupe zu nehmen ob derjenige nicht schonmal was ähnliches gefragt oder geschildert hat
      ob derjenige die antwort nicht hätte selbt wissen können (richtung eigeninitiative usw)

      LG
      Ein interessanter Beitrag, Zartbitter.

      Ich stehe zur Zeit auf der passiven Seite und fühle mich zumindest teilweise angesprochen. Ich lese hier im Feedback regelmäßig mit, hatte aber nie den Mut, mich selbst zu äußern.

      Ich würde sagen meine Gründe passiv zu bleiben bzw alle Kraft in Verdrängungsmechanismen/Betäubungsmechanismen zu stecken anstatt Eigeninitiative zu entwickeln ist eine Mischung aus Angst vor Eigeninitiative/Eigenverantwortung und vor der Auseinandersetzung mit der ES und anderen selbstschädigenden Verhaltensweisen.

      Warum ich dann immer noch hier bin ? Zum einen weil ich, manchmal zumindest, mit meinen Beiträgen anderen vielleicht ein bißchen weiterhelfen kann. Zum anderen, weil es hier immer wieder Beiträge wie diesen hier gibt, die den Teil von mir ansprechen, der wirklich gerne gesund werden will. Obwohl das widersprüchlich ist, gibt es diesen Teil bei mir durchaus auch.

      Über deinen Beitrag nachdenken kann und werde ich auch, wie ich mich kenne. Aus meinen Gedanken die richtigen Schlüsse zu ziehen und anfangen, das Ergebnis umzusetzen, gehört weniger zu meinen Stärken. Allerdings lasse ich es auf einen neuen Versuch ankommen.Danke für deinen ehrlichen Beitrag.Wahrscheinlich werde ich ihn mir noch öfter durchlesen müssen.

      lg, Prue
      Die Dämmerung ist die Grenze, hier machen viele kehrt.Das Dunkel birgt Gefahr, wer weitergeht bleibt nicht unversehrt.
      (Aus : "Die Nacht" von den Ärzten)

      Es wird dann anders, wenn Sie es wagen, es anders zu machen. (aus dem Film "Machuca, mein Freund")

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Prue“ ()

      Hi ihr

      Mit der Eigeninitiative ist es so eine sache. Meiner Erfahrung nach hat jeder mensch mal einen Knackpunkt, an dem er sagt- jetzt muss ich was tun.
      Dies kann aber erst geschehen, nachdem die "Krankheit" als Krankheit und Problem anerkannt wird. Zumindest in meinem Fall immer wieder bestätigung- ja, du hast ein Problem, du brauchst Hilfe.
      Was auch erwähnt wurde und was ich sehr wichtig finde- angst, sich damit auseinanderzusetzen- denn angst lähmt. Es ist hart aber es ist so- manche müsse erst so richtig auf die Nase fliegen, bevor sie wieder aufstehen können.
      Dann gibt es noch die andere seite- kämpfernaturen, die von vorneherein bereit sind, zu kämpfen, zu arbeiten. Hört sich schön an, hört sich PRODUKTIV an. Aber man kanns auch übertreiben. Wenn man vor lauter Kämpfen keine Kraft hat weiterzumachen, kommt man irgendwann selbst in diese passive rolle, die man ursprünglich vermeiden wollte. So gesehen finde ich es gar nicht so schlecht, wenn man diese passive, hinnehmende Phase auch mal durchmacht, solang sie auch mal ein ende findet.
      Natürlich kann ich verstehen, dass es nicht gerade jubelrufe auslöst, wenn man versucht jemandem, der in dieser passiven Rolle steckt, zu helfen und der sich "auf seine Krankheit rausredet"... ganz ehrlich, das sind nicht wirklich meine Lieblinge ^^
      Aber jede Phase hat ihr gutes und das ist auch wichtig zu sehen.

      Was das "Hinnehmen" von Behandlungen betrifft. Gut, das ist etwas, was ich mit meiner grundlegend eher misstrauischen Einstellung nur wenig verstehen kann. Man frisst doch auch nicht alles, was einem die Eltern sagen, aber einem im prinzip Fremden Arzt vertraut man? ok...

      Virtuelle Hilfe... simpel- es ist anonym. Man muss keine angst haben, es sich mit dem zeigen seiner schattenseiten mit jemandem zu verscherzen.
      Manche Dinge würde ich im realen Leben NIEMANDEM erzählen, weil mich dieser dann evt. mit anderen Augen sieht, auf eine art, die beziehungen zerstören kann. Im Internet- was solls? gibt genug andere und abgesehen davon kann man hier für so etwas eben durch die entfernung eher verständnis aufbringen.

      Tortzdem Zartbitter, halte ich deinen Beitrag für wichtig. Es kann der schubs in die richtige richtung für einige sein und es fördert vielleicht auch das verständnis untereinander.

      Danke

      lg nemo
      Ehrlich? Viel kann ich nicht mehr anmerken...

      ...aber mir fällt auf, dass sich - wie meistens - die selben User zu Wort melden, die hier regelmäßig lesen und schreiben (und oft sind es dann auch noch User, die meiner Meinung nach nicht wirklich zur angesprochenen Klientel "gehören").

      wenn eigeninitiative immer funktionieren KÖNNTE dann hätten wir nur noch halb so viele user.. (Swollen)


      Wäre das so schlimm? Wäre das ein Problem?
      Das Forum existiert nicht, um irgendwelche Mitgliederzahlen zu toppen. ;)
      Es wäre schön, wenn man dem ein oder anderen die Eigeninitiative wieder etwas näher bringen könnte... und wären dann 'nur noch' die Hälfte der User hier, dann hätte das Forum - denke ich - mehr bewirkt und geholfen, als wenn man sich gegenseitig sein Leid, Mitgefühl bekundet (denn das bestärkt manchmal den Menschen, in der gegenwärtigen Situation zu verharren) und wenig sinnvolle Ratschläge verteilt (weil der Ratschlag-Zugebende Angst hat, zu sagen; "hey, pack's an, nur du kannst dir da raufhelfen", weil solche Meinungen z.b. als "hart" und weniger "verständnisvoll" abgetan werden).

      So far...
      Gute Nacht

      Mia
      Keine Dienerin der Masse;
      meine größte Kritikerin;
      kein Püppchen...

      ...stolze Mama von (bald) zwei Töchtern.
      applaudier* großartiger beitrag, zartbitter....

      ich werde jetzt wahrscheinlich nicht dazu kommen alle gedanken aufzuschreiben die mir beim lesen gekommen sind....

      als erstes möchte ich sagen, ich antworte nur noch selten auf beiträge. aus genau dem geschilderten grund. man gibt ratschläge, macht vorschläge obwohl manchmal die lösung eines problems offensichtlich ist. ich bin auch so ehrlich zu sagen dass ich nicht die netteste bin und auch mal sehr popotritt-mäßig antworten gebe weil das erfahrungsgemäß am ehesten zur eigeninitiative anregt. dachte ich zumindest. mittlerweile denke ich, es gibt nur noch wenige user die überhaupt bereit sind lösungsvorschläge anzunehmen und zu versuchen....
      was kann man so jemanden dann noch sagen?? es ist ehrlich traurig.
      ich denk dann, der user sitz zu hause vorm pc und denkt sich "gute lösungsvorschläge, aber ich kann einfach nicht."
      aber eigentlich kann jeder. man darf angst haben und verzweifelt sein, aber nicht so sehr dass man gar nichts mehr für sich tut.
      der erste schritt ist sicher immer der schwierigste aber nie unmöglich.

      Mit der Eigeninitiative ist es so eine sache. Meiner Erfahrung nach hat jeder mensch mal einen Knackpunkt, an dem er sagt- jetzt muss ich was tun.(nemo)


      ist der punkt nicht mit erstellen eines beitrags und annehmen von lösungsvorschlägen erreicht? man bekommt doch dann schon gesagt was man machen kann und sollte. warum macht man das nicht? auf die frage kommt dann oft die antwort:angst. angst vor reaktionen anderer, angst was dann alles kommt...etc...
      aber man wird nie erfahren wie andere reagieren, was noch kommt, ob hilfe angeboten wird und man eigentlich nur nach einer ausgestreckten hand greifen muss, wenn man es nicht einfach macht.

      LG prinzessin
      {Viva la vida - Es lebe das Leben}
      Ich wäre dennoch vorsichtig, auch in einem Forum wie diesem beim Helfen von Menschen diese nicht paternalistisch zu behandeln, also dass man sie a) wirklich in ihren Ängsten ernst nimmt und b) nicht in einem Pathos, der wisse, was gut für andere Menschen sei. Selbst wenn die Absicht die beste der Welt ist. Das ist grundfalsch. Niemand kann entscheiden, was gut ist für einen anderen Menschen!
      Viele Menschen hier haben eigene und sicher auch ähnliche Erfahrungen gemacht, und sicherlich sind sich Menschen auch ähnlich in vielen Aspekten. Aber letztlich bleibt nicht nur jeder und jede für sein und ihr eigenes Handeln allein verantwortlich, sondern es bleibt auch dabei, dass im Prinzip kein Mensch einem anderen Menschen vorschreiben kann, was gut sei im Leben. Das ist eine philosophische Grundeinsicht, die man vielleicht beim Posten von Ratschlägen beherzigen sollte.

      "Mach das und das!", "Warum machst du nicht, was wir dir sagen?"

      Oder:

      "Ich habe die Erfahrung gemacht", "Vielleicht ist es wirklich so, dass...", "Es wäre vielleicht besser, wenn..."

      Der Ton macht nicht nur die Musik, sondern er ist gleichsam Kern einer Aussage. Paternalismus ist in der Medizinethik, egal ob Medizin oder Psychologie, heute ziemlich out. Die wenigsten hier tendieren in solche Richtungen, wenn sie Antworten schreiben. Aber ich wollte es einmal gesagt haben. :)

      Viele Grüße
      Caretaker

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „regentropfen“ ()

      Hier wird, denke ich, jede/r entgenommen... zumindest wird hier niemand öffentlich belächelt oder absichtlich verunsichert, in dem man Geschriebenes, in Bezug auf Wichtigkeit, in Frage stellt.

      Zu dem hoffe ich, dass hier jedem bewusst ist, niemandem DIE Patentenlösung auftischen zu können... und ich habe bis jetzt kaum Beiträge gelesen, in denen das der Fall gewesen wäre.

      Viele User hier weisen anderen mögliche Wege auf (und wie ich finde, in einem angemessenen Ton).

      Was ich nur bei einigen Usern feststelle, ist die Inkonsequenz, ihrer eigenen Person gegenüber. Man sollte nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt. Denn DAS kommt wirklich überheblich und anmaßend rüber, wenn man sich selber nicht an das 'hält', was man "einmal gesagt haben wollte".

      Liebe Grüße
      Mia
      Keine Dienerin der Masse;
      meine größte Kritikerin;
      kein Püppchen...

      ...stolze Mama von (bald) zwei Töchtern.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Blackshadowlady“ ()

      Original von Caretaker
      Ich wäre dennoch vorsichtig, auch in einem Forum wie diesem beim Helfen von Menschen diese nicht paternalistisch zu behandeln, also dass man sie a) wirklich in ihren Ängsten ernst nimmt und b) nicht in einem Pathos, der wisse, was gut für andere Menschen sei. Selbst wenn die Absicht die beste der Welt ist. Das ist grundfalsch. Niemand kann entscheiden, was gut ist für einen anderen Menschen!
      [...]

      So allgemein wollte ich das nicht stehen lassen. Paternalismus existiert ja auch in staatlicher Form, z.B. mit dem Verbot bestimmter Drogen. Oder bist du für die Freigabe von Heroin und LSD? Denn das ist Paternalismus in Reinkultur, eine Handlung die gegen den Willen, aber auf das Wohl eines Dritten gerichtet ist.

      Für die Psychologie wäre das Thema jetzt zu komplex, aber in der Schulmedzin befürworte ich dieses Prinzip auch in bestimmten Fällen. Wir hatten vor einiger Zeit eine minderjährige Patientin, die aufgrund ihrer Erziehung keiner Bluttransfusion zustimmen wollte, gleichzeitig aber kurz vor einem Blinddarmdurchbruch stand. Die Entscheidung wurde dann per Eilantrag juristisch gefällt. Und ich bin fest davon überzeugt, das dieses Entscheidung richtig war.

      Was ich sagen will, es gibt Fälle, in denen ich nicht nur paternalistisch handeln kann, sondern es sogar muß, möchte ich am nächsten Tag noch in den Spiegel sehen.
      Original von Venetiari
      Nun, ich bin ja Arzt und Psychologe.


      muhi...sorry, leute, aber das ist bis jetzt das beste, was ich hier im forum gelesen hab. :D
      bissi off-topic, aber toll.

      was sagt denn der arzt & psychologe zu dem thema? ;)
      tell me, did the wind sweep you off your feet
      did you finally get the chance to dance along the light of day?
      [train]


      reitet ohne mich weiter.
      Ich dachte er studiert Geschichte?? ?(

      Entscheide dich mal für einen Beruf, Venetiari :P
      Vielleicht bedeutet Liebe auch lernen,
      jemanden gehen zu lassen,
      wissen, wann es Abschiednehmen heißt.
      Nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen,
      was am Ende wahrscheinlich besser ist für die, die wir lieben.

      Sergio Bambaren aus "Der träumende Delphin"